Activision spricht vor dem Start von Call of Duty: Modern Warfare 4 von einer „Call-of-Duty-Steuer“. Gemeint ist damit keine echte Abgabe, sondern die Wahrnehmung des Publishers, dass die langjährige Shooter-Reihe bei Tests und Berichterstattung strenger oder weniger begeistert beurteilt werde als neue Spiele.
Die Aussage stammt von Tyler Bahl, dem Marketingchef von Activision. Aus seiner Sicht bekommt Call of Duty zwar weiterhin viel Aufmerksamkeit. Die Größe, der Entwicklungsaufwand und die Reichweite der Reihe würden aber oft als selbstverständlich behandelt. Modern Warfare 4 soll am 23. Oktober 2026 für PS5, Xbox Series X/S, Switch 2 und PC erscheinen.
Wenn Bekanntheit zum Maßstab wird
Der Vorwurf ist vor allem interessant, weil er zwei verschiedene Erwartungen an Berichterstattung berührt. Ein neues Spiel muss erst zeigen, ob seine Ideen funktionieren. Bei Call of Duty existiert dagegen schon eine lange Geschichte mit jährlichen Ablegern, festen Erwartungen und einer riesigen Spielerschaft. Genau das kann dazu führen, dass Verbesserungen weniger überraschend wirken als bei einer neuen Marke.
Bahl beschreibt diesen Effekt als eine Art Gewöhnung. Der Publisher verweist dabei auf die große Dimension des Franchises: 4.500 Beschäftigte arbeiteten daran, das bestmögliche Spielerlebnis zu entwickeln. Außerdem nennt Activision 100 Millionen Free-to-Play-Spieler, 500 Millionen verkaufte Einheiten und eine Milliarde Downloads des Mobile-Spiels.
Diese Zahlen erklären, warum Activision seine Marke nicht als Routineprojekt verstanden wissen will. Sie beantworten aber nicht automatisch die Frage, wie gut ein einzelner neuer Teil tatsächlich ist. Große Teams und hohe Reichweiten zeigen, welche Bedeutung Call of Duty hat. Für einen Test bleiben jedoch Dinge wie Kampagne, Mehrspieler-Inhalte, Technik und neue Ideen entscheidend.
Der Aufwand ist sichtbar, die Erwartungen sind es auch
Dass Fans bei einer jährlichen Reihe genauer hinsehen, ist nicht unbedingt eine Abwertung der Arbeit hinter dem Spiel. Gerade weil Call of Duty so regelmäßig erscheint, vergleichen Spieler und Medien neue Teile unmittelbar mit ihren Vorgängern. Kleine Fortschritte können dann schnell zu wenig wirken, wenn grundlegende Probleme bestehen bleiben oder sich ein Teil zu ähnlich anfühlt.
Auf der anderen Seite steckt in Bahls Kritik ein nachvollziehbarer Punkt: Der Entwicklungsaufwand eines etablierten Spiels wird leicht übersehen, wenn seine Grundform vertraut ist. Ein funktionierender Online-Shooter mit vielen Spielmodi, regelmäßigen Inhalten und einer weltweiten Community entsteht nicht von allein. Dass etwas bekannt aussieht, heißt nicht, dass es ohne große Arbeit gebaut wurde.
Für die Bewertung eines Spiels sollten diese beiden Seiten aber nebeneinanderstehen. Entwicklerleistung verdient Anerkennung, doch sie kann keine Kritik ersetzen. Wer jedes Jahr einen neuen Ableger veröffentlicht, lädt zwangsläufig zum Vergleich ein. Die Reihe wird nicht nur an ihrem Umfang gemessen, sondern auch daran, ob sie ihren Spielern diesmal etwas bietet, das den neuen Teil rechtfertigt.
Activision setzt im Marketing stärker auf die Teams
Activision reagiert auf diese Wahrnehmung mit einer veränderten Marketingrichtung. Laut Bahl möchte das Unternehmen bei Modern Warfare 4 weniger auf besonders große Werbespots setzen und stattdessen stärker zeigen, wie die Entwicklerteams arbeiten und wie viel Hingabe in das Spiel fließt.
Das ist ein klarer Wechsel in der Botschaft. Nicht allein die Marke soll im Mittelpunkt stehen, sondern die Menschen und das Handwerk dahinter. Ob das die Diskussion über die angebliche „Call-of-Duty-Steuer“ verändert, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Tests und Reaktionen zum fertigen Spiel erscheinen.
Vorbesteller digitaler Versionen sollen schon vor dem regulären Start Zugang zur Kampagne erhalten. Für alle anderen bleibt der 23. Oktober der entscheidende Termin. Dann wird sich nicht daran messen lassen, wie groß Call of Duty grundsätzlich ist, sondern was Modern Warfare 4 als konkreter neuer Teil liefert.