Assassin’s Creed Black Flag Resynced hat seine besten Momente immer dann, wenn es dich nicht zu sehr an die alte Serienformel erinnert. Das klingt erst mal seltsam, weil Black Flag natürlich ein Assassin’s Creed ist. Aber dieses Remake lebt vor allem davon, dass Piratenleben, Schiffsaufbau und Erkundung wieder richtig gut ineinandergreifen.
Die Jackdaw ist hier mehr als ein Fortbewegungsmittel. Sie ist der wichtigste Grund, warum Resynced auch heute noch stark wirkt. Du fährst raus, suchst Beute, verbesserst dein Schiff, nimmst größere Ziele ins Visier und merkst ziemlich schnell, wie aus einer wackligen Nussschale ein echtes Kampfschiff wird. Genau diese Entwicklung trägt das Spiel.
An Land sieht es nicht ganz so sauber aus. Dort versucht Resynced, bekannte Schwächen des Originals mit moderneren Kämpfen und mehr Einstellungen abzufangen. Das klappt teilweise. Trotzdem stolpert Edward Kenway noch immer über ungenaue Steuerung, wackelige Kamera und zu einfache Schleichpassagen.
Die Jackdaw ist der eigentliche Star
Resynced baut die stärkste Seite von Black Flag nicht um, sondern zieht sie deutlicher nach vorne. Das ist wichtig, weil der Kern des Spiels schon damals nicht einfach nur aus Missionen bestand. Es ging darum, auf See stärker zu werden und sich die Karibik Stück für Stück zu holen.
Die Progression bleibt angenehm klar. Es gibt keinen Fertigkeitenbaum und keine Jagd nach Erfahrungspunkten wie in manchen späteren Serienteilen. Stattdessen verbesserst du die Jackdaw und Edwards Ausrüstung. Dafür brauchst du Rohstoffe, Baupläne und Geld. Vieles davon bekommst du durch Kaperfahrten, Erkundung, Jagd oder das Erledigen von Aufgaben in der Spielwelt.
Gerade am Anfang fühlt sich das gut an. Die Jackdaw hält wenig aus, kleinere Schiffe sind schon spannend und größere Gegner wirken erst mal wie eine Warnung. Mit neuen Kanonen, stärkerem Rumpf und besseren Waffen verschiebt sich das langsam. Irgendwann werden Briggs und Fregatten realistischer, später auch Man-o-Wars und legendäre Schiffe. Das Spiel zeigt dir also nicht nur Zahlen im Menü. Du spürst im Kampf, dass dein Schiff besser wird.
Die Seeschlachten bleiben der beste Teil. Rauch, Explosionen und das Chaos auf dem Wasser sorgen für viel Stimmung, aber wichtiger ist die Kontrolle. Du musst beschleunigen, wenden, Abstand halten und die richtigen Waffen nutzen. Mörser, Breitseiten, Frontkanone und Sprengfässer haben klare Rollen. Weil die Steuerung auf See nah am Original bleibt, funktioniert dieser Teil direkt und ohne großes Umdenken.
Mehr Karibik, mehr Gründe zum Ablegen
Ubisoft füllt die Karibik in Resynced stärker mit Dingen, die zur Piratenfantasie passen. Das Herrenhaus auf Great Inagua wird wieder ein Rückzugsort, aber diesmal hängt mehr daran. Du kannst das Anwesen und die Werft ausbauen, neue Verdienstmöglichkeiten freischalten und dein Versteck mit Sammelobjekten wie Modellen oder Porträts ausstatten.
Das ist kein riesig kompliziertes Aufbauspiel. Es gibt dem Ort aber mehr Sinn. Great Inagua wirkt dadurch weniger wie ein Menü mit Palmen und mehr wie ein Piratenstützpunkt, zu dem du gerne zurückkehrst.
Auch auf See gibt es mehr zu tun. Du kannst Schiffe plündern, dein Gesucht-Level senken, Piratenjäger riskieren oder dich mit Nebenaufträgen beschäftigen. Dazu kommen unter anderem Templer-Jagden, Naval-Contracts, Assassinen-Verträge, gestrandete Schiffe und gesunkene Schätze. Wichtig ist dabei nicht, dass jede Aufgabe komplett neu wirkt. Wichtig ist, dass Resynced viele kleine Gründe liefert, den Kurs zu ändern.
Die Eroberung von Forts sticht besonders heraus, weil sie früh im Spiel starke Momente liefert und auch für das Flottenmanagement wichtig ist. Dort schickst du eroberte Schiffe passiv auf Missionen, um Ressourcen oder Informationen zu bekommen. Das passt gut zum Rest, weil es deine Kaperfahrten nicht nur als Kampf, sondern auch als Teil eines größeren Piratenalltags nutzt.
Der Animus Hub bringt außerdem passive Herausforderungen mit Belohnungen ins Spiel. Das kann schnell nach zusätzlicher Beschäftigung klingen, aber in diesem Fall hilft es, die ohnehin offene Struktur der Karibik besser zu füllen.
Neue Geschichten passen besser als reine Füllaufgaben
Resynced erweitert nicht nur die Karte und die Aufgaben, sondern auch die Geschichten um bekannte und neue Figuren. Edward Kenway bleibt dabei der Mittelpunkt. Er startet als Waliser, der nach Reichtum sucht, und gerät über Umwege in den Konflikt zwischen Templern und Assassinen. Später geht es stärker um Piratenkolonien, Freiheit und die Ideen der Assassinen.
Die Handlung selbst ist solide. Richtig spannend wird sie durch Edward und durch bekannte Figuren wie Blackbeard oder Anne Bonny. Edward funktioniert, weil er nicht sofort wie ein perfekter Held wirkt. Er will Gold, er will Freiheit und er versteht erst mit der Zeit, dass um ihn herum mehr passiert als ein paar gute Beutezüge.
Neu sind Story-Stränge für Blackbeard und Robert Maynard. Dazu kommen drei frische Offiziere mit eigenen kleinen Geschichten. Ein Beispiel ist Lucy Baldwin, eine Schiffbauerin, die aus Gefangenschaft befreit wird und später ihre düstere Familiengeschichte aufarbeiten kann.
Diese Offiziere sind nicht nur Begleiter für Dialoge. Sie bringen auch nützliche Fähigkeiten mit, etwa eine neue Rammattacke für die Jackdaw oder perfektes Ausweichen bei Beschuss. Das ist eine gute Verbindung: Die zusätzlichen Figuren erzählen mehr über die Welt und verändern gleichzeitig etwas am Spielablauf.
Für Fans des Originals ist genau das der spannendere Teil des Remakes. Resynced hängt nicht einfach nur mehr Sammelkram an die alte Struktur. Die neuen Inhalte geben bekannten Figuren und dem Schiffssystem mehr Platz.
An Land wird es deutlich holpriger
So stark Resynced auf See ist, so gemischt wirkt es an Land. Das Kampfsystem orientiert sich stärker an jüngeren Assassin’s-Creed-Teilen. Du blockst im richtigen Moment, öffnest Zeitfenster für Angriffe oder Takedowns, durchbrichst Deckungen mit schweren Schlägen und kannst Gegner zu Boden bringen.
Auf dem Papier klingt das sinnvoll. Die Kämpfe sind schnell und die Abschlüsse haben Wucht. In der Praxis stören aber mehrere Dinge. Das Lock-on-System ist nicht präzise genug, die Kamera verliert besonders in dunklen Kämpfen schnell die Übersicht und beim Entern von Schiffen wird es bei Nacht und Regen unklar, wer gerade Freund oder Feind ist.
Dazu kommt die Steuerung. Blocks fühlen sich nicht immer schnell genug an. Beim Klettern und Free-Running passiert es immer wieder, dass Edward hängen bleibt oder irgendwo hochklettert, obwohl du etwas anderes wolltest. Auch die Kamera beim Klettern macht Probleme. Einzelne technische Wackler können das Erlebnis zusätzlich stören.
Diese Ungenauigkeit trifft auch das Schleichen. Luft-Takedowns brauchen erst die passende Bildschirmeinblendung. Wenn sie nicht erscheint, springt Edward gerne daneben. Das ist genau die Art Fehler, die in einem Schleichspiel nervt, weil du nicht das Gefühl hast, selbst sauber versagt zu haben.
Die erweiterten Einstellungen helfen ein Stück. Du kannst Schleichspiel, Schwertkampf, Seekämpfe und das Gegnerverhalten stufenweise anpassen. Dadurch lässt sich Resynced stärker auf deinen bevorzugten Spielstil einstellen. Auf mittlerer Stufe bleibt das Schleichen aber zu leicht. Gegner reagieren träge und lassen sich zu bereitwillig durch einfache Tricks wie Pfeifen hinter Ecken oder aus Heuhaufen täuschen.
Ganz kaputt ist der Landteil deshalb nicht. Doppel-Takedowns und Seil-Takedowns machen weiterhin Spaß. Nur fühlt sich dieser Bereich weniger sauber an als die Seefahrt. Und weil Resynced auf dem Wasser so sicher wirkt, fallen die Probleme an Land noch stärker auf.
Für wen Resynced passt
Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist dann am stärksten, wenn du ein Piratenspiel mit Assassin’s-Creed-Rahmen suchst. Die Seeschlachten sind fordernd genug, die Upgrades motivieren und die Karibik bietet viele kleine Ziele, ohne direkt in ein Rollenspiel mit Zahlenflut zu kippen.
Wenn du vor allem präzises Schleichen, sauberes Klettern und richtig starke Nahkämpfe erwartest, musst du Abstriche machen. Resynced verbessert Black Flag an vielen Stellen, aber es löst nicht alle alten Probleme. Manche fühlen sich sogar deutlicher an, weil der Rest des Spiels mehr hergibt.
Trotzdem bleibt das Remake eine starke Kaperfahrt. Die neuen Geschichten, die lebendigere Karibik und das weiterhin sehr gute Schiffssystem tragen viel. Black Flag Resynced ist kein komplett rundes Assassin’s Creed. Es ist aber ein sehr gutes Piratenspiel, das immer dann glänzt, wenn der Wind richtig steht und die Jackdaw auf das nächste Ziel zuhält.