Nahaufnahme eines verrosteten Power-Rüstungshelms mit Rohren und dunklen Visieren.
News

Bethesda-Entlassungen: Wenn Erfahrung aus Teams verschwindet

Von Ramona 3 Min. Lesezeit

Bei Bethesda wurden im Juni Stellen gestrichen. Eine ehemalige Mitarbeiterin kritisiert nun die Art der Kommunikation und warnt vor verlorenem Wissen im Studio.

Microsofts Sparmaßnahmen in der Xbox-Sparte haben Bethesda im Juni ebenfalls getroffen. Besonders betroffen waren laut den vorliegenden Angaben id Software und ZeniMax Online, das Team hinter The Elder Scrolls Online. Die ehemalige Bethesda-Mitarbeiterin Anne Barrett kritisiert nun nicht nur die Stellenstreichungen selbst, sondern vor allem, wie kurzfristig und distanziert sie kommuniziert worden sein sollen.

Barrett schilderte ihre Erfahrungen in einem Interview mit dem Guardian. Ihr Bericht macht deutlich, warum Entlassungen in Studios für Spieler mehr bedeuten können als eine Zahl in einer Konzernmeldung: Mit langjährigen Teams verschwindet auch Wissen darüber, wie bekannte Spiele und ihre Technik über Jahre entstanden sind.

Eine kurze Nachricht, danach kein Zugang mehr

Nach Barretts Darstellung wurden mehrere Beschäftigte zu einem sehr kurzen Team-Meeting eingeladen. Kamera und Mikrofon seien für die Betroffenen deaktiviert gewesen. Sie konnten demnach weder Fragen stellen noch direkt auf die Nachricht reagieren.

Die Mitteilung soll sich darauf beschränkt haben, dass die Mitarbeitenden den Zugriff auf ihren Slack-Kanal verlieren würden. Danach seien noch Abschiedsnachrichten erschienen, bevor der Zugang abgeschaltet wurde. Barrett bezeichnet diese Form des Abschieds als unwürdig, gerade weil einige der betroffenen Menschen viele Jahre bei Bethesda gearbeitet hätten.

Das ist kein Detail, das nur die interne Kommunikation betrifft. Studios bestehen nicht allein aus Projektnamen und Marken. Teams arbeiten oft lange zusammen, lösen Probleme gemeinsam und kennen die Eigenheiten ihrer Werkzeuge. Wenn eine Kündigung praktisch ohne Gespräch mitgeteilt wird, bleibt für Beschäftigte kaum Raum, offene Fragen zu klären oder sich vernünftig voneinander zu verabschieden.

Erfolg schützt offenbar nicht vor Kürzungen

Barrett sagte, viele Mitarbeitende hätten sich zunächst vergleichsweise sicher gefühlt. Bethesda steht hinter Reihen wie The Elder Scrolls und Fallout und arbeitet laut ihrer Aussage an weiteren vielversprechenden Projekten. Daraus sei im Team offenbar die Erwartung entstanden, dass diese Arbeit einen gewissen Schutz vor Sparmaßnahmen bieten würde.

Genau diese Erwartung erfüllte sich nicht. Microsoft hatte Anfang Juni eine strategische Neuausrichtung seiner Xbox-Sparte angekündigt, die auch Trennungen von Studios beziehungsweise deren Unabhängigkeit umfasste. Gleichzeitig wurden Stellen bei Bethesda gestrichen. Microsoft kündigte außerdem an, die Xbox-Belegschaft im laufenden Geschäftsjahr um weitere 1.600 Stellen zu reduzieren.

Ob und in welchem Umfang Bethesda von weiteren Kürzungen betroffen sein wird, steht damit nicht fest. Die Ankündigung zeigt aber, dass auch erfolgreiche Marken für Beschäftigte keine Garantie bieten. Für Fans ist das besonders bitter, weil große Reihen oft so wirken, als seien sie automatisch dauerhaft abgesichert. Hinter ihnen stehen jedoch Teams, die genauso von Entscheidungen eines Konzerns abhängig sind wie jedes andere Studio.

Warum Erfahrung nicht einfach nachwächst

Barrett sieht ein weiteres Problem im Verlust erfahrener Kolleginnen und Kollegen. Sie bezweifelt, dass sich die bisherige Qualität kommender Bethesda-Spiele halten lässt, wenn Menschen gehen, die Technologien entwickelt oder über viele Jahre verbessert haben.

Das heißt nicht automatisch, dass zukünftige Spiele schlechter werden. Dafür gibt es aus den vorliegenden Informationen keine Grundlage. Barretts Punkt ist ein anderer: Neue Beschäftigte können Aufgaben übernehmen, aber nicht sofort alle Entscheidungen, Abläufe und technischen Lösungen kennen, die sich über 15 oder 20 Jahre angesammelt haben.

Gerade bei großen Rollenspielen und langlebigen Online-Spielen kann dieses Wissen wichtig sein. Es betrifft nicht nur sichtbare Inhalte, sondern auch Arbeitsweisen im Team und den Umgang mit eigenen Technologien. Spieler merken solche Veränderungen vielleicht erst viel später, etwa wenn Entwicklungszeiten länger werden oder Projekte anders aussehen als erwartet.

Die Entlassungen sind deshalb mehr als eine Personalnachricht. Sie zeigen, wie schnell selbst etablierte Teams ihre Sicherheit verlieren können und wie schwer es sein kann, verlorene Erfahrung wieder aufzubauen.

Weiter im Gespräch

Drei Stimmen. Ein gemeinsamer Spielstand.

REDEN WIR
ÜBER GAMES.

News mit Kontext, Tests mit Haltung und Geschichten aus ganz unterschiedlichen Spielwelten.

Alle Artikel