Die PS5- und PS4-Neuveröffentlichungen von Call of Duty: Black Ops und Call of Duty: Black Ops 2 sollen im Juli außergewöhnlich erfolgreich gewesen sein. Unbestätigten Schätzungen zufolge kamen beide Portierungen zusammen auf mehr als elf Millionen Verkäufe und rund 435 Millionen US-Dollar Umsatz. Für Gavin Goslin, früherer Level-Designer bei Treyarch, wirft dieser Erfolg vor allem eine unangenehme Frage auf: Warum profitieren die Menschen, die die Originalspiele entwickelt haben, offenbar nicht von deren langem kommerziellem Leben?
Goslin kritisierte öffentlich, dass große Unternehmen mit älteren Spielen noch Jahre später sehr viel Geld verdienen können, während frühere Teammitglieder leer ausgehen. Seine Forderung ist deshalb nicht einfach ein Wunsch nach Anerkennung. Es geht um eine andere Verteilung von Einnahmen, wenn ein Spiel weit über seine ursprüngliche Veröffentlichung hinaus erfolgreich bleibt.
Alte Spiele bleiben für Publisher wertvoll
Bei den beiden Black-Ops-Spielen handelt es sich laut Goslin um digitale Neuveröffentlichungen zum Preis von 40 US-Dollar, die keine neuen Funktionen bieten. Trotzdem schafften sie es schnell in die wöchentlichen US-Top-10 von Circana bei den aktiven Nutzern. Das zeigt zumindest: Für viele Spieler haben ältere Shooter weiterhin einen Wert, auch wenn sie technisch nur leicht angepasst zurückkehren.
Genau darin liegt der Kern von Goslins Kritik. Die Spiele entstanden vor mehr als einem Jahrzehnt, doch ihre Bekanntheit, ihre Multiplayer-Erinnerungen und ihr Ruf tragen offenbar noch immer eine neue Veröffentlichung. Der finanzielle Nutzen liegt bei den Unternehmen, die Rechte und Vertrieb kontrollieren. Die Entwicklerinnen und Entwickler, die Karten, Missionen und andere Teile der Originale gebaut haben, erhalten nach Goslins Darstellung dagegen keine nachträgliche Beteiligung.
Das ist für Fans auch deshalb relevant, weil Portierungen nicht mehr nur kleine Nostalgieprojekte sind. Wenn ältere Spiele auf aktuelle Konsolen kommen, können sie erneut große Reichweiten und Einnahmen erzeugen. Der Erfolg von Black Ops und Black Ops 2 macht deutlich, dass Publisher darin ein kalkulierbares Geschäft sehen können.
Goslin fordert Tantiemen für die ursprünglichen Teams
Goslin vergleicht die Situation mit anderen Kreativbranchen. Bei Büchern, Filmen und Musik können Beteiligte je nach Vertrag weiterhin Einnahmen erhalten, wenn ein Werk lange genutzt oder neu veröffentlicht wird. Für Spieleentwickler wünscht er sich ein ähnliches Modell: Wer an einem langlebigen Titel mitgearbeitet hat, sollte auch dann noch beteiligt werden, wenn dieser später wieder viel Geld einspielt.
Dabei spricht er nicht nur über den Stolz, ein altes Projekt erneut erfolgreich zu sehen. Goslin betont, dass die ursprünglichen Teams viel Arbeit und auch Crunch-Phasen in diese Spiele gesteckt hätten. Wenn Führungskräfte wegen solcher Einnahmen hohe Boni bekämen, sollten nach seiner Ansicht auch die Menschen berücksichtigt werden, die das Spiel geschaffen haben.
Ob daraus konkrete Änderungen bei Activision, Xbox oder anderen großen Publishern entstehen, ist offen. Goslin hat keine angekündigte Regelung genannt, und die erwähnten Verkaufszahlen sind nicht offiziell bestätigt. Seine Aussagen geben der Diskussion aber einen klaren Anlass: Eine Neuveröffentlichung verkauft nicht nur alten Code, sondern auch die Arbeit eines Teams, dessen Beitrag lange zurückliegt.
Was der Port-Erfolg für Spieler zeigt
Für Spieler ist die Sache zunächst einfach: Zwei bekannte Black-Ops-Teile sind auf PS5 und PS4 wieder verfügbar und werden offenbar weiterhin viel gespielt. Doch hinter diesem Erfolg steckt eine größere Frage darüber, wem der Wert eines Spiels gehört, wenn es über viele Jahre hinweg Einnahmen bringt.
Goslins Vorschlag würde Portierungen nicht schlechter oder teurer machen müssen. Er würde lediglich bedeuten, dass der Erfolg eines alten Spiels nicht ausschließlich bei den heutigen Rechteinhabern bleibt. Gerade wenn einfache Neuveröffentlichungen ohne große neue Inhalte hohe Umsätze erzielen, dürfte diese Diskussion in Zukunft eher wichtiger werden als verschwinden.