Verpixelte Person in einem Türrahmen neben einer Spielfigur aus Call of Duty
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Call of Duty: Activision geht direkt gegen Cheat-Verkäufer vor

Von Ramona 4 Min. Lesezeit

Activision lässt eine Unterlassungsaufforderung an der Haustür zustellen. Dahinter steckt eine größere Aktion gegen den Handel mit Cheats für Call of Duty.

Activision geht im Kampf gegen Cheats für Call of Duty inzwischen sichtbar über technische Sperren hinaus. Das Unternehmen hat einen etwa einminütigen Clip veröffentlicht, in dem ein Rechtsvertreter einem mutmaßlichen Verkäufer von Cheat-Software eine Unterlassungsaufforderung an der Haustür überreicht. Die Zustellung fand nach Angaben des Publishers am 22. August während der geschlossenen Beta von Call of Duty: Modern Warfare 4 in Ohio statt.

Das veröffentlichte Material zeigt eine kurze und ruhige Begegnung. Der Überbringer fährt vor, klingelt und übergibt die Dokumente. Das Gesicht des Empfängers bleibt verpixelt. Activision bezeichnet den Clip als Ausschnitt einer echten Aufnahme. Ein Streit oder eine andere Eskalation ist darin nicht zu erkennen.

Bemerkenswert ist weniger der Ablauf an der Haustür als die Botschaft dahinter: Activision richtet seine Maßnahmen nicht nur gegen einzelne Personen, die im Spiel betrügen. Der Publisher will offenbar dort ansetzen, wo Cheats entwickelt, beworben und als kostenpflichtige Produkte vertrieben werden.

Der Verkäufer soll mehrere Spiele bedient haben

Adressiert wurde laut Activision ein Verkäufer unter dem Namen Elocarry. Dessen Angebot soll sich nicht auf Call of Duty beschränkt haben. Auch Cheats für Rust und Apex Legends gehörten demnach zum Geschäft.

Vor der Übergabe der Unterlagen soll Elocarry unter anderem ein Paket für Black Ops 7 und Warzone verkauft haben. Beworben wurde es mit dem Versprechen, nicht von Ricochet erkannt zu werden. Ein Abonnement für drei Monate kostete den vorliegenden Angaben zufolge bis zu 79,99 Pfund.

Nach dem rechtlichen Schritt zeigte Activision außerdem eine Mitteilung aus dem Discord-Bereich des Anbieters. Darin hieß es, dass der Verkauf von Produkten für Call of Duty vorläufig pausiert werde, während eine interne Angelegenheit geprüft werde. Andere Angebote im Shop sollen zunächst verfügbar geblieben sein.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Eine Unterlassungsaufforderung beendet nicht automatisch das gesamte Geschäft eines Verkäufers, besonders wenn dieser Produkte für mehrere Online-Spiele anbietet. Sie kann aber einzelne Angebote treffen und zusätzlichen Druck erzeugen, bevor ein möglicher Rechtsstreit beginnt.

Activision nennt Zahlen zu einer größeren Aktion

Der gefilmte Besuch war laut Activision nur ein Teil einer umfangreicheren Maßnahme. Das Unternehmen gibt an, mehr als 375 Vertriebsoperationen beeinträchtigt zu haben. Zusätzlich seien über 80 Unterlassungsaufforderungen versandt und mehr als 30 Anbieter vollständig abgeschaltet worden. Weitere rechtliche Schritte schließt der Publisher ausdrücklich nicht aus.

Diese Zahlen stammen von Activision selbst. Der kurze Clip belegt vor allem, dass in mindestens einem Fall Dokumente persönlich zugestellt wurden. Er zeigt dagegen nicht, wie die genannten Operationen gestört wurden oder nach welchen Kriterien Activision einen Anbieter als vollständig abgeschaltet zählt.

Trotz dieser offenen Punkte wird die Richtung deutlich. Sperrt ein System lediglich einzelne Accounts, können Verkäufer neue Zugänge oder veränderte Programme anbieten. Rechtliche Maßnahmen sollen früher in dieser Kette ansetzen und den Vertrieb selbst erschweren. Ob die Kampagne den Markt langfristig verkleinert, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Angaben noch nicht ableiten.

Ricochet bleibt die technische Seite der Strategie

Parallel setzt Activision weiterhin auf Ricochet. Auf dem PC arbeitet das System auf Kernel-Ebene und startet gemeinsam mit dem Spiel, um unerlaubte Programme aus einer geschützten Position heraus zu erkennen. Seit seiner Einführung im Jahr 2021 wurden laut Activision Hunderttausende betrügende Spieler in Call of Duty und Warzone erfasst.

Für die Beta von Modern Warfare 4 meldete das Unternehmen ebenfalls Fortschritte. Die sogenannte Infektionsrate sei gesunken, Sperren auf Grundlage der Hardware ließen sich schwerer umgehen und das Team könne schneller reagieren. Konkrete Messwerte oder Vergleichsdaten veröffentlichte Activision dazu allerdings nicht.

Damit besteht die aktuelle Strategie aus zwei deutlich verschiedenen Teilen: Ricochet soll Manipulationen im laufenden Spiel erkennen, während Unterlassungsaufforderungen und mögliche Klagen das Geschäft hinter den Programmen treffen. Für faire Mehrspieler-Partien ist gerade diese Verbindung interessant. Technische Erkennung bleibt notwendig, doch Activision versucht zusätzlich, Verkauf und Bewerbung der Werkzeuge riskanter zu machen. Wie dauerhaft das gelingt, wird sich erst daran zeigen, ob abgeschaltete Shops tatsächlich verschwinden oder unter neuen Namen zurückkehren.

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