Code Vein 2 wirkt in der angespielten Preview vor allem dann stark, wenn es seine Kämpfe sprechen lässt. Die gezeigte Fassung umfasste mehrere Stunden der PS5-Version, darunter das Tutorial und einen späteren Story-Abschnitt mit einer deutlich weiter entwickelten Spielfigur. Genau dadurch lässt sich schon recht gut erkennen, wohin das Action-Rollenspiel will: mehr Tempo, mehr Möglichkeiten im Build und Bosskämpfe, die Fehler hart bestrafen, aber nicht einfach unfair wirken sollen.
Trotzdem ist diese Vorschau noch kein fertiges Urteil. Bei der Geschichte, den Zeitreise-Ideen und der Erkundung mit Motorrad bleiben wichtige Fragen offen. Gerade weil Code Vein 2 am 30. Januar 2026 erscheinen soll, ist spannend, welche Teile schon sicher wirken und welche noch davon abhängen, wie das komplette Spiel sie zusammenführt.
Die Kämpfe sind der klare Anker
Der stärkste Eindruck kommt bisher aus den Gefechten. Code Vein 2 startet zwar klassisch mit einem einfachen Schwert, öffnet später aber ein deutlich größeres Arsenal. In dem fortgeschritteneren Abschnitt standen bereits mehr als ein halbes Dutzend Waffen bereit. Darunter waren zum Beispiel ein Großschwert, eine Sense, ein schwerer Kriegshammer und Zwillingsschwerter.
Wichtig ist dabei nicht nur, dass es viele Waffen gibt. Sie verändern auch spürbar, wie du an Gegner herangehst. Der Kriegshammer richtet hohen Schaden an, wirkt aber deutlich langsamer. Das kann gegen normale Feinde stark sein, in Bosskämpfen aber riskant werden. Die Zwillingsschwerter machen pro Treffer weniger Schaden, bauen dafür einen Blutungseffekt auf. Wenn dieser auslöst, verliert ein Gegner auf einmal einen großen Teil seiner Lebensenergie.
Das passt gut zu einem Soulslike, weil die Waffenwahl nicht nur eine Geschmacksfrage ist. Sie entscheidet, wie mutig du in Lücken gehst, wie lange du nach einem Angriff gebunden bist und wie schnell du auf neue Muster reagieren kannst. Die Preview deutet an, dass Code Vein 2 genau hier mehr Freiheit als der Vorgänger bieten möchte.
Dazu kommen zwei besondere Systeme. Verliehene Formae beschwören mächtige Waffen für heftigen Schaden. Waffenformae können Spezialangriffe auslösen oder magische Effekte aktivieren, die der Spielfigur kurzzeitig helfen. Das klingt erst einmal nach vielen Begriffen, in den Kämpfen zählt aber vor allem die Idee dahinter: Du bekommst zusätzliche Werkzeuge, musst sie aber passend timen.
Bosskämpfe mit Druck, aber nicht mit Zufall
Zwei Story-Bosse standen in der Preview besonders im Mittelpunkt: der Metagen Schrecken und eine korrumpierte Version der Begleiterin Josée. Beide zeigen unterschiedliche Seiten des Kampfsystems.
Der Metagen Schrecken ist riesig, bleibt aber nicht einfach nur ein langsamer Brocken. Er besitzt schnelle Angriffe, die gerade am Anfang überraschen können. Sein Schwachpunkt ist ebenfalls nicht ohne Risiko. Wer ihn attackiert, muss mit Säure rechnen, die nach und nach Lebensenergie frisst. Das ist ein gutes Beispiel für eine Bossidee, die nicht nur nach „hau auf die leuchtende Stelle“ funktioniert. Der sichere Weg ist nicht automatisch der beste Weg.
Josée klingt nach dem härteren Kampf. Sie nutzt ein sehr langes Schwert mit hoher Reichweite und setzt zusätzlich magische Spezialangriffe ein. Dadurch entsteht ein anderer Druck als beim großen Monster. Du musst nicht nur auf Wucht und Größe achten, sondern auf Reichweite, Timing und Magie. Dass Josée vorher als Begleiterin unterwegs war, macht die Situation zusätzlich interessant, ohne dass man daraus schon zu viel über die ganze Story ableiten sollte.
Spannend ist: Die Kämpfe wirkten in der Preview fordernd, aber nicht beliebig. Wenn ein Versuch scheitert, lag es meist an zu viel Risiko, schlechtem Timing beim Ausweichen oder einem falsch gesetzten Block. Genau das ist für so ein Spiel wichtig. Schwierigkeit nervt schnell, wenn sie sich zufällig anfühlt. Hier scheint der Reiz eher daraus zu kommen, ein Muster zu lesen und beim nächsten Versuch besser zu reagieren.
Ein Problem gibt es trotzdem: Die Kamera kam besonders in Bosskämpfen nicht immer sauber mit. Trotz Lock-on konnte sie in ungünstige Winkel geraten. Beim Kampf gegen Josée war zeitweise vor allem der Boss im Bild, während die eigene Position schwerer zu erkennen war. Für ein Spiel, das so stark auf Timing setzt, ist das mehr als eine Kleinigkeit. Wenn du einen Angriff nicht lesen kannst, weil die Kamera ungünstig steht, fühlt sich ein Treffer schnell falsch an.
Begleiter verändern den Spielstil
Code Vein 2 setzt wieder auf Begleiter, aber die gezeigten Möglichkeiten gehen über einfache Unterstützung hinaus. Lou spielt für die Zeitreise-Geschichte eine wichtige Rolle, im späteren Abschnitt war Josée an der Seite der Spielfigur. Solche Figuren können im Kampf aktiv helfen, etwa indem sie die Spielfigur wiederbeleben, wenn sie zu Boden geht. Danach stehen sie aber kurz nicht zur Verfügung.
Das ist wichtig, weil Begleiter dadurch nicht wie ein kostenloser Rettungsanker wirken. Ihre Hilfe hat einen Preis. Wer sich zu sehr darauf verlässt, kann in der nächsten gefährlichen Situation ohne Unterstützung dastehen.
Außerdem sind die sogenannten Käfige an die aktuelle Begleitfigur gebunden. Je nach Begleiter verändern sich also die verfügbaren Effekte. Diese Aktionen brauchen Zeit und müssen deshalb gut eingesetzt werden. Alternativ lassen sich die Kräfte der Begleiter nutzen, um die eigene Figur zu stärken. In der Preview entsteht dadurch der Eindruck, dass Begleiter nicht nur Story-Figuren sind, sondern ein richtiger Teil des Builds.
Das kann Code Vein 2 von vielen anderen schweren Action-Rollenspielen abheben. Nicht, weil Begleiter neu wären, sondern weil sie mehrere Entscheidungen auf einmal beeinflussen: Sicherheit, Spezialaktionen, Stärkungen und vielleicht auch die Bindung an die Figuren.
Die Geschichte hat Potenzial, ist aber noch schwer zu bewerten
Die Story setzt nicht direkt voraus, dass du den ersten Teil gespielt hast. Code Vein 2 erzählt eine eigene Geschichte mit neuen Charakteren. In dieser Welt leben Menschen und Wiedergänger zunächst in Harmonie. Dann passiert eine Tragödie, die das Ende aller Tage bedeutet. Mit der Hilfe von Lou reist die Spielfigur in die Vergangenheit, um herauszufinden, was passiert ist und den Untergang vielleicht noch zu verhindern.
Das ist eine starke Ausgangslage. Zeitreisen können in Spielen aber schnell kompliziert werden, vor allem wenn Entscheidungen die Welt verändern sollen. Genau hier bleibt die Preview noch vorsichtig. In dem gezeigten Abschnitt gab es keinen Moment, in dem eine Entscheidung sichtbar Einfluss auf die Spielwelt hatte. Deshalb lässt sich noch nicht sagen, wie stark dieses Versprechen im fertigen Spiel wirklich wird.
Auch die Erkundung ist noch nicht komplett klar. Neu ist, dass Teile der Welt mit einem Motorrad bereist werden können. In der Preview war das aber nur in einem kurzen Abschnitt gegen Ende möglich. Die Idee könnte helfen, die sonst eher langsamere Erkundung aufzulockern. Ob daraus ein wichtiger Teil des Spiels wird oder eher ein kleines Zusatzsystem, lässt sich aus diesem Ausschnitt noch nicht sicher erkennen.
Was jetzt schon hängen bleibt
Code Vein 2 macht in dieser frühen Einschätzung vor allem beim Kämpfen neugierig. Die Waffen unterscheiden sich deutlich, die zusätzlichen Formae-Systeme geben mehr Werkzeuge in die Hand und die Bosskämpfe setzen auf klare Fehlerbestrafung statt auf bloßes Chaos. Wenn die Kamera bis zum Release stabiler wird, könnte gerade dieser Teil richtig gut tragen.
Offen bleibt, ob die Story mit Zeitreisen und möglichen Folgen für die Spielwelt wirklich so stark wird, wie sie klingt. Auch das Motorrad muss im fertigen Spiel noch zeigen, ob es die Erkundung sinnvoll verändert. Für Soulslike-Fans ist Code Vein 2 damit kein sicherer Treffer, aber ein Spiel, bei dem die gezeigten Kämpfe schon jetzt deutlich mehr Antworten liefern als die Geschichte.