Fast 100 Minuten Material aus einem eingestellten Iron-Man-Spiel von Avalanche Studios sind aufgetaucht. Die Aufnahmen sollen eine frühe PS3-Fassung von 2012 zeigen. Für Fans ist das vor allem deshalb spannend, weil man nicht nur einzelne Szenen sieht, sondern ziemlich genau erkennt, wie das Spiel Iron Mans zwei wichtigste Seiten verbinden wollte: schnell durch die Welt fliegen und am Boden kämpfen.
Das Projekt wurde nie veröffentlicht. Es bleibt also ein Blick auf einen unfertigen Stand, nicht auf ein Spiel, das kurz vor dem Release stand. Das aufgetauchte Gameplay-Material zeigt aber genug, um die Idee dahinter zu verstehen.
Fliegen sollte direkt und ohne Pause funktionieren
Im Material startet Tony Stark per Knopfdruck in die Luft und kann über große, bergige Gebiete fliegen. Der Übergang wirkt dabei nahtlos. Genau das passt zu Iron Man: Die Rüstung soll sich nicht wie ein Fahrzeug anfühlen, das man erst irgendwo anfordern muss, sondern wie eine Fähigkeit, die jederzeit bereitsteht.
Die Landschaft und einige technische Elemente erinnern sichtbar an Just Cause 2. Das ist nicht überraschend, denn Avalanche war vor allem für diese Reihe bekannt. Interessant ist aber, wie gut sich diese Grundlage für Iron Man eignet. Große Flächen bekommen einen anderen Zweck, wenn man sie nicht nur mit Autos oder Fallschirmen überquert, sondern frei über ihnen schweben und beschleunigen kann.
Zwei Kampfarten statt eines einzigen Systems
Sobald Iron Man landet, wechselt das Spiel zu Nahkämpfen mit frei verbindbaren Kombos. In der Luft wird daraus ein Shooter: Repulsor-Salven treffen Ziele aus der Distanz, außerdem sind zielsuchende Raketen zu sehen.
Das war vermutlich der Kern des Projekts. Ein Iron-Man-Spiel muss nicht nur gutes Fliegen bieten. Es muss auch erklären, was passiert, wenn die Figur mitten in einer Basis, auf engem Raum oder direkt vor mehreren Gegnern steht. Der Prototyp versuchte dafür zwei klar getrennte, aber passende Kampfstile zu nutzen. Ob sich beide im fertigen Spiel wirklich sauber ergänzt hätten, lässt sich aus den frühen Aufnahmen natürlich nicht entscheiden.
Warum Avalanches Iron Man nie fertig wurde
Studio-Mitgründer Christofer Sundberg hatte bereits erklärt, dass Disney 2012 die geplante Entwicklungszeit plötzlich um ein Jahr verkürzen wollte. Avalanche hätte dafür kurzfristig 70 bis 80 weitere Mitarbeiter gebraucht. Da es keine Folgeprojekte gab, die ein so großes Team langfristig abgesichert hätten, lehnte das Studio ab. Danach wurde das Spiel eingestellt.
Ganz verschwunden ist die Arbeit offenbar nicht: Die entwickelte Flug- und Jetpack-Physik nutzte Avalanche später für Sky Fortress, eine Erweiterung zu Just Cause 3.
Iron Man bekommt trotzdem noch einen neuen Anlauf. EA Motive arbeitet weiterhin an einem Singleplayer-Spiel mit dem Marvel-Helden, konkrete Infos dazu gibt es aber kaum. Das geleakte Avalanche-Material zeigt deshalb weniger, wie dieses neue Spiel aussehen wird. Es zeigt eher, wie lange Entwickler schon daran arbeiten, Iron Mans Fluggefühl und seine Kämpfe in einem offenen Spiel zusammenzubringen.