Drei Figuren als Easter Eggs aus Ghost of Yotei: ein Waschbär-Dieb, ein Samurai mit Strohhut und ein Mann mit Blitzen.
Meinung

Ghost of Yotei: Warum seine Easter Eggs mehr als Fanservice sind

Von Sven 6 Min. Lesezeit

Ghost of Yotei versteckt mehrere PlayStation-Anspielungen. Spannend ist nicht nur, welche Spiele gemeint sind, sondern wie gut diese Funde in die Welt von Ezo passen.

Leichte Spoiler zu optionalen Fundstücken in Ghost of Yotei: Die Easter Eggs in Sucker Punchs neuem PS5-Abenteuer sind auf den ersten Blick kleine Geschenke für PlayStation-Fans. Eine Maske hier, ein Wandbild dort, ein Katana-Skin mit klarer Anspielung. Man kann das als nette Deko abhaken.

Ich finde aber, genau da wird es spannender. Denn diese Fundstücke wirken nicht wie zufällig verstreute Logos, die nur kurz sagen wollen: „Kennst du noch?“ Sie sitzen in der Welt von Ezo, hängen an Ausrüstung, Orten und kleinen Beschreibungen. Dadurch erzählen sie etwas über die Art, wie Ghost of Yotei mit Erkundung umgehen will. Wer abseits der Hauptgeschichte sucht, soll nicht nur stärkere Ausrüstung oder neue Rüstungen finden, sondern auch kleine Spuren, die das Spiel mit anderen Geschichten verbinden.

Das ist wichtig, weil Ghost of Yotei laut den bekannten Infos sowieso stark auf das Umherstreifen setzt. Atsu jagt in der Hauptgeschichte die Yotei-Sechs, eine Gruppe berüchtigter Kriegsherren. Abseits davon gibt es aber genug Gründe, sich umzusehen. Genau dort passen diese Easter Eggs hin.

Gute Easter Eggs stören die Welt nicht

Ein schlechtes Easter Egg reißt dich aus dem Spiel. Es winkt so stark mit beiden Armen, dass der eigentliche Ort plötzlich egal wird. Bei Ghost of Yotei scheint Sucker Punch einen anderen Weg zu wählen: Die Anspielungen sind zwar eindeutig, aber sie bleiben Gegenstände oder Bilder, die in dieser Welt funktionieren.

Die Goldene Maske ist dafür ein gutes Beispiel. Sie verweist klar auf Death Stranding und auf die Maske, die besonders mit Higgs verbunden ist. Gleichzeitig ist sie in Ghost of Yotei einfach ein Accessoire, das Atsu tragen kann. Die Beschreibung „Wo Leben und Tod sich begegnen, suche Verbindung.“ macht die Brücke zu Sam Porter Bridges noch deutlicher, aber sie passt auch als rätselhafter Text zu einem Fundstück in einer offenen Spielwelt.

Spannend ist auch, dass diese Verbindung nicht nur in eine Richtung geht. In Death Stranding 2 gibt es Atsus Onryo-Maske als Anspielung auf Ghost of Yotei. Sucker Punch antwortet also nicht mit einem plumpen Werbeschild, sondern mit einem Gegenstand, der beide Spiele kurz miteinander sprechen lässt. Für Fans ist das cool. Für alle anderen bleibt es ein seltsames, goldenes Accessoire mit einer eigenen Stimmung.

Genau so sollten solche Geheimnisse im besten Fall funktionieren. Du brauchst das Vorwissen nicht zwingend, aber wenn du es hast, öffnet sich noch eine zweite Ebene.

Sucker Punch spielt mit der eigenen Vergangenheit

Noch stärker wird das bei den Hinweisen auf inFAMOUS und Sly Cooper. Das sind nicht einfach nur fremde Marken, sondern frühere Reihen von Sucker Punch. Dadurch wirken diese Fundstücke wie kleine Spuren der Studiogeschichte, die in einer neuen Spielwelt versteckt wurden.

Bei inFAMOUS ist vor allem der Katana-Skin „Berüchtigter Schlag“ interessant. Eine blau gefärbte Schwertscheide mit Blitzmuster wäre schon allein ein ziemlich klarer Hinweis auf Cole MacGrath. Dazu kommt aber der Fundort: eine Säule der Gefallenen, in die immer wieder ein Blitz einschlägt, wenn du dich näherst. Das ist kein riesiger Questmoment, aber es nutzt die Umgebung. Die Anspielung steckt nicht nur im Namen eines Items, sondern auch im Wetter an diesem Ort.

Das macht einen Unterschied. Ein Skin im Menü wäre nett. Ein Skin, der an einem Ort mit Blitzeinschlägen liegt, fühlt sich stärker nach Entdeckung an. Du verbindest den Fund mit einer kleinen Szene. Genau solche Momente bleiben eher hängen, weil sie nicht nur gelesen, sondern in der Welt bemerkt werden.

Auch das Wandbild mit Cole im Kampf gegen die Bestie aus inFAMOUS 2 passt dazu. Es ist kein neues Stück Story für Ghost of Yotei, aber es macht die Welt für Spieler neugieriger, die genau hinschauen. Ein See, ein Schrein in der Nähe, ein Bild an der Wand: Das ist keine wichtige Belohnung für den Spielfortschritt, sondern eine kleine Belohnung für Aufmerksamkeit.

Sly Cooper zeigt, wie deutlich ein Hinweis sein darf

Die Sly-Cooper-Fundstücke sind auf eine andere Art spannend, weil sie viel verspielter sind. Eine Maske namens „Maske des listigen Diebs“, die einem Waschbären nachempfunden ist, muss sich kaum noch verstecken. Das blaue Dreieck auf der Stirn macht den Hinweis noch klarer. Dazu kommt die Beschreibung: „Geschickte Finger. Ehrliches Herz.“

Das ist sehr direkt. Trotzdem passt es besser als ein komplett fremder Gegenstand, weil die Maske als Ausrüstung in Ghost of Yotei einen Platz hat. Sie ist kein modernes Plakat, das plötzlich in Ezo herumsteht. Sie übersetzt Sly Cooper in eine Form, die zur Ausstattung des Spiels passt.

Die Wandmalereien gehen ähnlich vor. Eine zeigt Sir Raleigh, den Frosch-Widersacher aus Sly Cooper. Eine andere zeigt einen Fuchs und einen Waschbären. Das sind deutliche Zeichen für Leute, die die Reihe kennen. Gleichzeitig bleiben es Wandbilder. Sie müssen nicht erklären, warum sie da sind, solange sie als versteckte Kuriosität funktionieren.

Für mich zeigt das ziemlich gut, wo die Grenze liegt. Ein Easter Egg darf offensichtlich sein. Es darf auch ein bisschen albern sein. Aber es sollte nicht so wirken, als hätte jemand einfach ein Bild aus einem anderen Spiel kopiert und ohne Gefühl in die Landschaft geklebt. Bei den genannten Beispielen wird die Anspielung an die Formen von Ghost of Yotei angepasst: Maske, Katana, Wandbild, besonderer Ort.

Warum das mehr ist als Sammelkram

Natürlich machen solche Fundstücke Ghost of Yotei nicht automatisch besser als Action-Adventure. Sie ersetzen keine guten Kämpfe, keine gute Erkundung und keine starke Hauptgeschichte. Aber sie können die offene Welt dichter wirken lassen, wenn sie richtig eingesetzt werden.

Der Unterschied liegt im Zweck. Wenn Easter Eggs nur da sind, um Listen zu füllen, werden sie schnell egal. Dann rennt man von Markierung zu Markierung und hakt Namen ab. Die genannten Beispiele aus Ghost of Yotei setzen eher auf kleine Szenen und Wiedererkennen. Ein Blitz, der an einem passenden Ort einschlägt. Eine Maske, deren Beschreibung eine andere Spielwelt berührt. Ein Wandbild, das fast wie ein geheimer Gruß an ältere Fans wirkt.

Das passt auch zu Sucker Punchs Lage. Das Studio hat mit Sly Cooper, inFAMOUS, Ghost of Tsushima und jetzt Ghost of Yotei mehrere sehr unterschiedliche Spuren hinterlassen. Wenn ein neues Spiel diese Spuren versteckt, kann das schnell nach Eigenlob aussehen. Hier wirkt es eher wie ein leiser Blick zurück, während das neue Abenteuer trotzdem Atsu und Ezo in den Mittelpunkt stellt.

Wichtig ist aber auch: Die Easter Eggs bleiben optional. Wer nur Atsus Jagd nach den Yotei-Sechs verfolgen will, muss solche Hinweise nicht verstehen. Wer gerne sucht, bekommt dafür mehr als nur Materialwerte. Das ist für eine offene Welt ziemlich wertvoll, weil nicht jede Belohnung stärker machen muss. Manche Belohnungen machen den Ort einfach interessanter.

Gerade deshalb sind die PlayStation-Anspielungen in Ghost of Yotei für mich mehr als Fanservice. Sie zeigen, dass kleine Geheimnisse dann am besten funktionieren, wenn sie nicht neben der Welt stehen, sondern in ihr versteckt sind. Und wenn später noch mehr solcher Fundstücke auftauchen, wird spannend, ob Sucker Punch diese Linie hält: klar genug für Fans, aber nicht so laut, dass Ezo nur noch zur Vitrine für alte Erinnerungen wird.

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