Die Nintendo Switch hat nach Einschätzung des Analysten Serkan Toto womöglich mehr bewirkt, als nur Nintendo aus einer schwierigen Lage zu holen. Ohne den großen Erfolg der Hybridkonsole hätte der japanische Konsolenmarkt seiner Ansicht nach sogar vollständig verschwinden können. Spieler wären stattdessen wohl stärker zu Smartphones und Computern gewechselt.
Das ist eine weitreichende These und keine belegbare alternative Vergangenheit. Die verfügbaren Zahlen zeigen allerdings, warum Toto der Switch eine so große Bedeutung zuschreibt: Nach dem schwachen Abschneiden der Wii U verkaufte Nintendo weltweit mehr als 156 Millionen Switch-Systeme. Besonders in Japan nimmt das Unternehmen seit dem Start der Konsole im Jahr 2017 eine sehr starke Stellung ein.
Warum die Wii U für diese These wichtig ist
Die Wii U erschien 2012 und kam weltweit auf etwas mehr als 13,5 Millionen verkaufte Geräte. Für Nintendo war das ein schwerer Misserfolg. Beim nächsten System blieb das Unternehmen nicht beim Aufbau einer üblichen Heimkonsole, sondern verband das Spielen am Fernseher mit einem tragbaren Gerät.
Dieses Konzept erreichte deutlich mehr Menschen. Damit änderte die Switch aber nicht nur Nintendos eigene Verkaufsentwicklung. Laut Toto stabilisierte ihr Erfolg zugleich einen japanischen Markt, in dem klassische Konsolen andernfalls noch stärker an Bedeutung hätten verlieren können.
Im Interview mit The Game Business beschreibt der Chef des Marktforschungsunternehmens Kantan Games ein mögliches Szenario: Wäre auf die Wii U ein weiterer Fehlschlag gefolgt, hätten sich nach seiner Einschätzung noch mehr Menschen dem Smartphone oder dem Computer zugewandt. Selbst andere Konsolen hätten diese Bewegung womöglich nicht aufgehalten.
Toto nennt außerdem einen Marktanteil von 70 Prozent für Nintendo bei sämtlichen Gaming-Inhalten in Japan. Diese Zahl unterstreicht, wie stark das Unternehmen dort aufgestellt ist. Seine Schlussfolgerung, Nintendo habe den Konsolenmarkt gerettet, bleibt trotzdem eine persönliche Bewertung. Es lässt sich nicht überprüfen, wie sich Japan ohne eine erfolgreiche Switch entwickelt hätte.
Ein Erfolg, der nicht automatisch weitergeht
Für die Switch 2 entsteht daraus eine schwierige Erwartung. Sie wird nicht nur mit einem sehr erfolgreichen Vorgänger verglichen. Nintendo muss zugleich beweisen, dass sein Konsolengeschäft in Japan auch unter veränderten wirtschaftlichen Bedingungen stark bleibt.
Bis zum 30. Juni 2026 wurden weltweit 23,68 Millionen Geräte verkauft. Gleichzeitig erhöhte Nintendo in Europa Anfang September den Preis von 469,99 Euro auf 499,99 Euro. Experten halten es laut den vorliegenden Angaben für möglich, dass der höhere Preis den weiteren Absatz bremst.
Weitere Anpassungen sind ebenfalls nicht ausgeschlossen. Nintendo-Präsident Shuntaro Furukawa verwies in den vergangenen Monaten mehrfach auf knappen Arbeitsspeicher und ein wirtschaftlich schwieriges Umfeld. Diese Faktoren könnten das Unternehmen auf längere Sicht zu zusätzlichen Preiserhöhungen zwingen.
Das bedeutet noch nicht, dass die Switch 2 vor einem Problem von der Größe der Wii U steht. Die bisherige Verkaufszahl spricht vielmehr dafür, dass das neue System bereits viele Käufer gefunden hat. Sie garantiert aber nicht, dass die Entwicklung im gleichen Tempo weitergeht.
Was sich aus den Zahlen wirklich ablesen lässt
Der Abstand zwischen Wii U und Switch ist eindeutig. Mehr als 156 Millionen verkaufte Switch-Konsolen gegenüber etwas über 13,5 Millionen Wii-U-Geräten zeigen, wie stark Nintendo seine Lage verändert hat. Auch die dominante Position in Japan lässt sich mit Totos genanntem Marktanteil konkret beschreiben.
Ob ohne diesen Erfolg tatsächlich der gesamte japanische Konsolenmarkt verschwunden wäre, bleibt dagegen offen. Totos Aussage macht vor allem sichtbar, wie abhängig dieser Markt inzwischen von Nintendo ist. Wenn ein einzelner Hersteller einen so großen Anteil erreicht, beeinflusst sein Erfolg nicht nur die eigene Bilanz, sondern auch die Bedeutung der gesamten Geräteklasse.
Bei der Switch 2 wird deshalb weniger eine einzelne Verkaufsmarke entscheidend sein. Wichtiger ist, ob Nintendo trotz höherer Preise weiterhin genügend Menschen vom Kauf einer Konsole überzeugt. Genau daran wird sich zeigen, ob die starke Stellung der Switch-Ära dauerhaft trägt.