Hideo Kojima hat Sony City in Tokio besucht und Fotos davon auf seinem X-Account geteilt. Das wäre normalerweise nur ein kurzer Besuchstermin. Diesmal fällt er aber in eine Phase, in der Sony nicht mehr an Physint beteiligt ist und Microsoft als neuer Partner sowie Publisher genannt wurde.
Gerade deshalb wird aus den Bildern mehr als ein kleiner Social-Media-Moment. Sie beantworten zwar keine wichtigen Fragen zu Kojimas Projekten. Aber sie zeigen: Das Ende einer Zusammenarbeit muss nicht bedeuten, dass alle Kontakte abbrechen oder öffentlich gestritten wird.
Ein Besuch, viele Witze
Kojima schrieb zu seinen Bildern nur: „Ich habe Sony City besucht.“ Auf den Fotos steht er vor dem Sony-Hauptquartier, außerdem trägt er ein schwarzes T-Shirt von Joy Division. Die knappe Nachricht reichte der Community schon für zahlreiche Witze und Fanclips.
Viele Reaktionen behandeln den Besuch wie ein Treffen nach einer Trennung. Andere greifen Figuren und Szenen aus Kojimas Spielen auf. Besonders oft taucht Revolver Ocelot aus Metal Gear Solid auf, weil die Fans Kojima scherzhaft als jemanden darstellen, der mehrere Seiten gleichzeitig ausspielt.
Das passt vor allem deshalb, weil Kojima für viele Spieler lange eng mit PlayStation verbunden war. Sony unterstützte Kojima Productions nach dem Ende seiner Zeit bei Konami. Seine Spiele Death Stranding und Death Stranding 2: On the Beach sind ebenfalls stark mit PlayStation verknüpft. Dass nun ausgerechnet Microsoft bei Physint einsteigt, hat diese frühere Verbindung wieder deutlich sichtbarer gemacht.
Die Fotos selbst sind kein Hinweis auf einen neuen Vertrag oder eine Rückkehr von Sony als Partner. Sie zeigen nur einen Besuch. Die Memes gehen deshalb deutlich weiter als die belegbaren Informationen. Genau das macht den Moment aber interessant: Ein normales Foto wird zum Anlass, weil Fans hinter jeder Begegnung sofort eine große Ankündigung vermuten.
Kojima spricht nicht von Streit
Wichtiger als die Witze ist, wie Kojima selbst über Sony gesprochen hat. In einem Interview sagte er, dass er Sony weiterhin liebe und keine negativen Gefühle gegenüber dem Unternehmen habe. Zugleich erklärte er, dass die Spielebranche gerade eine schwierige Zeit durchmache.
Das klingt nicht nach einem öffentlichen Streit. Kojima erwähnte auch seine lange Geschichte mit Sony und Personen, denen er früher nahestand. Gleichzeitig akzeptiere er, dass sich Beziehungen und Entscheidungen verändern können. Das ist eine ziemlich nüchterne Haltung, besonders weil Physint als ein geistiger Nachfolger von Metal Gear beschrieben wurde und die Trennung deshalb für Fans überraschend kam.
Für Spieler bedeutet das vor allem: Aus Kojimas Besuch sollte man keine Plattform-Ankündigung machen. Es gibt bisher keine Zusage, dass Physint für PlayStation erscheint. Kojima wollte diese Frage selbst nicht beantworten und verwies darauf, dass sie eher an Xbox zu richten sei. Einen späteren Release auf mehreren Plattformen schloss er dabei aber auch nicht komplett aus.
Bei Physint bleiben die wichtigen Fragen offen
Der Wechsel von Sony zu Microsoft verändert zunächst vor allem, wer bei Physint als Partner und Publisher an Bord ist. Welche Plattformen am Ende versorgt werden, bleibt offen. Auch ein Termin ist nicht bekannt.
Das gilt ebenso für OD, Kojimas Horrorprojekt, das in Zusammenarbeit mit Microsoft und Xbox Game Studios entsteht. OD soll vor Physint erscheinen, doch auch dafür wurde kein Veröffentlichungstermin genannt.
Wer nur wissen wollte, ob Kojima und Sony nach dem Ende ihrer Zusammenarbeit verfeindet sind, bekommt durch den Besuch zumindest einen klaren Eindruck: Danach sieht es nicht aus. Die Fotos sind keine Lösung für die offenen Fragen zu Physint. Sie machen aber deutlich, dass professionelle Beziehungen in der Spielebranche komplizierter sein können als die üblichen Lagerkämpfe zwischen Plattform-Fans.
Die veröffentlichten Fotos von Kojimas Besuch geben deshalb vor allem einen kleinen Blick auf die Situation hinter den großen Spekulationen. Für konkrete Neuigkeiten zu Physint oder OD braucht es weiter offizielle Angaben zu Plattformen und Terminen.