Little Nightmares 3 ist kein großer Neustart der Reihe. Das ist erst einmal wichtig, weil der dritte Teil mit seinem Koop-Modus leicht wie ein kompletter Umbau wirken könnte. Im Kern bleibt es aber bei dem bekannten Mix aus vorsichtigem Erkunden, kleinen Rätseln, Fluchtmomenten und diesen seltsamen Orten, die man am liebsten gleichzeitig anschauen und schnell wieder verlassen möchte.
Die größte Änderung macht trotzdem viel aus: Low und Alone sind nicht nur zwei Figuren auf dem Bildschirm, sondern können online von zwei Spielern übernommen werden. Dadurch fühlt sich der Albtraum an vielen Stellen weniger einsam, aber nicht automatisch weniger angespannt an. Wenn beide zusammen eine Mechanik verstehen müssen oder in einer Flucht nicht sofort gleich reagieren, entsteht eine andere Art von Druck.
Supermassive Games übernimmt damit eine Reihe, die sehr stark über Stimmung funktioniert. Und genau daran hängt der ganze Test: Little Nightmares 3 ist dann am stärksten, wenn der Koop nicht nur ein Extra ist, sondern die Welt, das Timing und die kleinen Aufgaben wirklich um zwei Figuren herum gebaut sind.
Koop ist die beste Neuerung, aber nicht für die Couch
Little Nightmares 3 lässt sich online zu zweit spielen. Eine Person übernimmt Low, die andere Alone. Einen lokalen Mehrspielermodus gibt es nicht. Wenn du also zusammen auf einem Sofa spielen willst, ist das hier direkt die wichtigste Einschränkung.
Im Online-Koop zeigt der dritte Teil aber ziemlich klar, warum die Idee zur Reihe passt. Viele Aufgaben verlangen, dass beide Figuren etwas beitragen. Mal müssen beide im richtigen Moment springen, mal kurbelt eine Figur eine Vorrichtung, während die andere über eine bewegliche Brücke kommt. Solche Situationen sind nicht kompliziert, aber sie verändern das Gefühl des Spiels.
Allein durch das Abstimmen wird Little Nightmares 3 langsamer. Das klingt erst einmal wie ein Nachteil, passt aber oft gut zu den Räumen. Du schaust genauer hin, wartest auf deinen Mitspieler und prüfst, was in der Umgebung überhaupt nutzbar ist. In den hektischen Szenen kippt das dann: Wenn eine große Gefahr hinter euch her ist, reicht ein kleiner Fehler, und beide müssen vom letzten Kontrollpunkt neu starten.
Zum Glück sind diese Rücksetzpunkte fair gesetzt. Das Spiel bestraft also nicht lange, wenn jemand stirbt. Der Koop darf dadurch stressig sein, ohne nervig zu werden. Gerade für Little Nightmares ist das wichtig, weil zu viel Wiederholung schnell die Angst aus einer Szene nehmen würde.
Allein klappt es, aber anders als zu zweit
Du kannst Little Nightmares 3 auch im Singleplayer spielen. Dann begleitet dich die zweite Figur als computergesteuerte Partnerin oder Partner. Laut Test funktioniert das grundsätzlich stabil. Die Begleitung hilft beim Vorankommen und macht vieles selbstständig.
Genau das ist aber auch der Punkt, an dem die Solo-Version etwas verliert. Wenn die Computerfigur Lösungen sehr schnell vorwegnimmt, denkt man selbst weniger nach. Das Abenteuer läuft dadurch geradliniger. Man bleibt seltener hängen, aber einige Rätsel wirken eher wie Stationen auf einem Weg als wie kleine Probleme, die man gemeinsam knackt.
Es gab auch Momente, in denen die Begleitung kurz hängen blieb, wenn der Weg nicht genau weiterverfolgt wurde. Von großen Aussetzern ist aber nicht die Rede. Der Singleplayer ist also nicht kaputt oder nur eine Notlösung. Er fühlt sich nur weniger nach dem neuen Kern von Little Nightmares 3 an.
Das macht die Entscheidung ziemlich einfach: Wenn du die Möglichkeit hast, online mit einer zweiten Person zu spielen, wirkt das wie die spannendere Variante. Wenn du Little Nightmares lieber allein wegen der Stimmung spielst, bekommst du weiterhin ein vollständiges Abenteuer, nur mit weniger Reibung zwischen den Figuren.
Die Welt bleibt der Hauptgrund weiterzugehen
Die Geschichte dreht sich um Low und Alone, die in der Spirale gefangen sind und einen Ausweg suchen. Über magische Spiegel wechseln sie zwischen verschiedenen Gebieten. Mehr muss man vorher gar nicht wissen, weil Little Nightmares wie gewohnt viel über Räume, Kreaturen und kleine Beobachtungen erzählt.
Der dritte Teil umfasst vier Kapitel. Ein weiteres Kapitel soll später über einen Expansion Pass folgen. Die Spielzeit liegt je nach Spielweise ungefähr zwischen sechs und acht Stunden. Das ist keine riesige Reise, aber lang genug, damit die Schauplätze wirken können.
Besonders stark bleibt das Design der Welt. Der Jahrmarkt ist ein gutes Beispiel, weil dort viele seltsame Details im Hintergrund und in den Räumen stecken. Little Nightmares 3 lebt von genau solchen Orten. Du läufst nicht einfach durch normale Horror-Kulissen, sondern durch überzeichnete, kaputte und manchmal fast absurde Räume.
Auch die Kreaturen gehören wieder zu den besten Gründen, das Spiel zu spielen. Das früh gezeigte Riesen-Baby ist nur ein Anfang. Später wird es noch unheimlicher und wilder. Der Test beschreibt vor allem die zweite Hälfte als stärker, weil Spielablauf und Erzählen dort enger zusammenrücken. Außerdem soll die letzte Stunde eine neue Spiel- und Rätselfunktion bringen und einen Abschluss liefern, der verständlicher ausfällt als man es bei dieser Reihe vielleicht erwartet.
Das ist gut für Spieler, die Little Nightmares nicht nur wegen Rätseln oder Schleichen mögen, sondern wegen der Frage: Was wartet im nächsten Raum? Der dritte Teil scheint genau dieses Gefühl wieder gut zu treffen.
Rätsel und Steuerung bleiben die wackligen Stellen
Little Nightmares 3 hat auch Probleme, die man aus der Reihe kennt. Die Steuerung fühlt sich weiterhin eher träge an. Besonders bei Sprüngen kann das stören, weil kleine Ungenauigkeiten in solchen Spielen schnell zu Fehlern führen. Dazu kommt die Kamera, die nicht immer klar zeigt, was direkt hinter dem nächsten Übergang liegt. Wenn man in einen neuen Raum rennt und sofort in einen Abgrund fällt, fühlt sich das nicht nach eigener Schuld an.
Die Rätsel bleiben meistens leicht zu verstehen. Das hilft dem Tempo und der Stimmung, weil du selten lange komplett festhängst. Gleichzeitig fehlt dadurch manchmal der Moment, in dem man wirklich stolz auf eine Lösung ist. Einige Aufgaben sind etwas mehrschichtig, aber wer knackige Rätsel sucht, dürfte hier nicht oft gefordert werden.
Auch die Schleichstellen sind eher einfach aufgebaut. Meist geht es darum, den richtigen Moment abzuwarten und von einer Deckung zur nächsten zu wechseln. Das kann spannend sein, weil die Gegner bedrohlich wirken und Fehler sofort gefährlich werden. Tief ist das System aber nicht.
Low und Alone unterscheiden sich vor allem durch ihre Werkzeuge. Low nutzt einen Bogen, um Schalter zu treffen, Seile zu durchtrennen oder kleinere Feinde loszuwerden. Alone hat einen Schraubenschlüssel, mit dem sie Knöpfe drückt, Wände aufbricht oder Kurbeln benutzt. Später kommen weitere Hilfsmittel wie Schirme oder Taschenlampen dazu. Diese Werkzeuge sorgen für klare Aufgabenverteilung, bleiben aber meistens gut verständlich.
Das passt zu Little Nightmares 3 als Ganzes. Das Spiel will dich selten lange aufhalten. Es will, dass du durch seine Albtraumräume kommst, kurz stockst, etwas Seltsames entdeckst und dann weitergehst. Wer schwere Rätsel oder präzise Sprungpassagen erwartet, sollte das wissen.
Für wen der Albtraum passt
Little Nightmares 3 erscheint am 10. Oktober 2025 für PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox Series, PC und Nintendo Switch. Der dritte Teil erfindet die Reihe nicht neu, setzt aber mit dem Online-Koop den richtigen Schwerpunkt. Zu zweit funktioniert der Wechsel zwischen Beobachten, Absprechen und Flüchten am besten.
Wenn du Little Nightmares für seine seltsamen Orte, Kreaturen und kurzen Panikmomente magst, bekommst du hier wieder genau diese Stärken. Der Koop macht daraus kein komplett anderes Spiel, sondern gibt den bekannten Abläufen eine neue Spannung. Gleichzeitig bleiben die bekannten Schwächen spürbar: Die Steuerung ist nicht so direkt, die Kamera kann unfair wirken und die Rätsel sind oft eher leicht.
Am Ende ist Little Nightmares 3 deshalb vor allem ein starker Koop-Albtraum für Spieler, die Atmosphäre wichtiger finden als große spielerische Tiefe. Allein funktioniert die Reise ebenfalls, aber zu zweit hat sie mehr Eigenleben.