Footballspieler der Bears steht im Schnee mit verschränkten Armen.
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Madden NFL 27 im Test: Starkes Management, wenig neue Action

Von Alex 6 Min. Lesezeit

Franchise macht in Madden NFL 27 deutlich mehr Spaß. Auf dem Feld gibt es dagegen nur kleinere Änderungen, besonders die Defense bleibt schwächer.

Madden NFL 27 ist genau dann am spannendsten, wenn gerade kein Ball geworfen wird. Das klingt erstmal komisch für ein Football-Spiel, passt hier aber ziemlich gut. Die größten Fortschritte stecken nicht in den Tackles, Pässen oder Runs, sondern in allem, was vor und nach dem Spieltag passiert.

Wer Madden vor allem wegen Franchise spielt, bekommt dieses Jahr deutlich mehr zu tun. Wer nur schnelle Matches mit viel Offense will, merkt dagegen schneller, dass sich auf dem Feld nicht so viel verändert hat. Madden NFL 27 ist dadurch kein kompletter Neustart, aber ein interessanter Teil für alle, die Football auch als Planung, Kaderbau und Trainerjob mögen.

Der Franchise-Modus trägt diesmal viel

Der Franchise-Modus ist der Bereich, in dem Madden NFL 27 am meisten gewinnt. Das beginnt schon beim Menü. Statt sich durch einen eher trockenen Bildschirm zu klicken, landen die wichtigsten Aufgaben der Woche direkt auf dem Startbildschirm. Entscheidungen, Termine und Nachrichten aus der Liga stehen sichtbarer im Mittelpunkt.

Das klingt nach einer kleinen Sache, macht aber im Alltag viel aus. Franchise lebt davon, dass du dich wirklich wie ein Teil der Liga fühlst. Madden NFL 27 versucht genau das stärker. Liga-News laufen im Ticker, wichtige Meldungen tauchen extra auf und es gibt sogar Wochenrückblicke mit Highlights aus Spielen. Auch Pressekonferenzen gehören dazu.

Am wichtigsten sind aber die Spieler selbst. Sie wirken nicht mehr nur wie Werte in einer Tabelle. Durch die Persona Engine reagieren Profis unterschiedlich auf Gespräche und Verträge. Ein Star, der sich nicht genug bezahlt fühlt, verhält sich anders als ein Veteran, der unbedingt noch den Super Bowl gewinnen will. Ein junger Spieler denkt wieder anders als ein erfahrener Profi mit riesigem Vertrag.

Dadurch bekommen Verhandlungen mehr Druck. Nach einem ersten Angebot zeigen Balken, wie interessiert und wie geduldig der Spieler noch ist. Du kannst mit mehr Gehalt oder einem Signing Bonus nachlegen. Die Antworten kommen nicht nur als kalte Zahl zurück, sondern über Dialoge.

Noch besser: Unzufriedenheit hat Folgen. Ein Spieler kann in einen Holdout gehen und streiken, bis er einen besseren Vertrag bekommt. Wenn er mit dem Team abgeschlossen hat, kann er einen Trade fordern. Das macht Franchise nicht automatisch schwerer, aber lebendiger. Du verwaltest nicht nur Ratings, sondern musst mit Egos, Rollen und Erwartungen klarkommen.

Wenn ein Spieler zum Beispiel zu wenig Einsatzzeit bekommt, kannst du mit ihm sprechen und mehr Spielzeit versprechen. Oder du lässt es eben bleiben und riskierst Ärger. Genau solche Entscheidungen passen gut zu Madden, weil Football nicht nur aus Spielzügen besteht. Ein Team muss auch neben dem Feld funktionieren.

Coach-Modus macht Madden zum Taktikspiel

Der neue Coach-Modus passt perfekt zu diesem stärkeren Management-Fokus. Im Franchise-Modus kannst du einstellen, dass du die Spieler nicht mehr direkt steuerst. Stattdessen übernimmst du die Rolle des Trainers.

Dann wählst du Spielzüge aus, passt sie an, wechselst Spieler und kannst dem Quarterback sogar sagen, welchen Wide Receiver er bevorzugt suchen soll. Das ist deutlich näher an einem Football-Manager als an einem klassischen Sportspiel. Wer Madden sonst immer mit Controller-Action verbindet, muss sich daran vielleicht erst gewöhnen.

Gut ist, dass du nicht komplett allein durch die Playbooks gehen musst. Auf Wunsch schlägt ein Assistent Spielzüge vor. Das hilft, wenn du Football zwar spannend findest, aber nicht jede Formation auswendig kennst.

Der Blick von der Seitenlinie ist eine coole Idee, aber nicht immer praktisch. Er wirkt unübersichtlicher als die normalen Kameraansichten. Gleichzeitig passt genau das zur Rolle. Ein echter Coach sieht das Spiel auch nicht aus der perfekten TV-Perspektive. Für schnelle Kontrolle ist das weniger angenehm, für das Gefühl an der Seitenlinie aber stark.

Der Coach-Modus ist sicher nicht für alle der Hauptgrund, Madden NFL 27 zu spielen. Wenn du jeden Catch und jeden Run selbst kontrollieren willst, wirst du ihn vielleicht nur kurz ausprobieren. Wenn du aber Spaß an Taktik hast und lieber Entscheidungen triffst, statt jeden Spielzug selbst auszuführen, bekommt Madden hier eine neue Seite.

Superstar und Atmosphäre bleiben eher sicher

Neben Franchise gibt es wieder den Superstar-Modus. Hier spielst du nicht ein ganzes Team, sondern deinen eigenen Profi. Neu sind drei Positionen: Tight End, Edge Rusher und Free Safety. Trotzdem bleibt Quarterback die spannendste Rolle, weil du dort am meisten Einfluss auf das Spiel hast.

Der Karriereweg ist bekannt. Du startest mit Leistungstests bei der NFL Combine, zum Beispiel Sprint und Bankdrücken. Je besser du abschneidest, desto früher wirst du im Draft ausgewählt. Unter der Woche trainierst du, um deinen Spieler zu verbessern.

Neu ist ein Fertigkeitsbaum. Dort baust du verschiedene Bereiche aus, darunter Core, Mental, Physical, Specialty und X-Factor. Das gibt der Entwicklung mehr Struktur. Trotzdem sind die Änderungen im Superstar-Modus eher klein. Wenn du genau diesen Modus schon in den letzten Jahren viel gespielt hast, bekommst du hier keine riesige neue Karriere.

Bei der NFL-Atmosphäre steht Madden NFL 27 stärker da. Die Stadien fühlen sich nicht alle gleich an. Vor den Spielen gibt es unterschiedliche Intros. Bei den Kansas City Chiefs wird der Tomahawk Chop gezeigt, bei den New England Patriots läutet Rob Gronkowski die Glocke. In anderen Stadien sorgen Maskottchen für Stimmung.

Auch die TV-Seite wird weiter nachgebaut. Es gibt unterschiedliche Übertragungsarten, etwa für Thursday Night Game oder Monday Night Game, und drei Kommentatoren-Duos. Ein klarer Haken bleibt aber: Die Kommentare und das ganze Spiel sind auf Englisch. Gerade weil Football in Deutschland inzwischen viel präsenter ist, wäre ein deutscher Kommentar sinnvoll gewesen.

Das Wetter spielt ebenfalls wieder eine Rolle. Schnee, starker Regen und Nebel verändern das Spiel spürbar. Spieler rutschen bei schnellen Richtungswechseln, nasse Bälle werden häufiger fallen gelassen. Neu ist, dass sich das Wetter während eines Spiels ändern kann. Außerdem stehen nun auch Offensive- und Defensive-Coordinators an der Seitenlinie, nicht nur die Head Coaches.

Auf dem Feld ändert sich zu wenig

Beim direkten Gameplay ist Madden NFL 27 deutlich vorsichtiger. Die Duelle zwischen Wide Receivern und Cornerbacks sind körperlicher geworden. Dadurch kann es auch zu Pass Interference gegen den Receiver kommen. In der Defense gibt es vor dem Snap mehr Einstellungen.

Das sind sinnvolle Änderungen, aber sie springen nicht sofort riesig ins Auge. Madden bleibt Madden. Vor allem bleibt auch das alte Problem: Defense macht weniger Spaß als Offense. Angriffe fühlen sich einfach aktiver und belohnender an. In der Verteidigung kannst du zwar mehr vorbereiten, aber der direkte Spielspaß kommt nicht so stark rüber.

Eine gute kleine Neuerung betrifft kurze Situationen, in denen nur noch ein Yard oder sogar weniger zum First Down fehlt. Beim Quarterback Sneak berechnet das Spiel die Push-Stärke von Center, Guards und Quarterback gegen die Defensive Line. Je stärker die Verteidigung ist, desto schwieriger wird der Timing-Balken. Wenn du den Versuch dann schaffst, fühlt sich das First Down richtig erkämpft an.

Genau solche Details zeigen, wo Madden NFL 27 auf dem Feld besser wird. Es sind aber eher einzelne Verbesserungen als ein großer Sprung. Die Action ist solide, doch der stärkste Grund für diese Version liegt klar abseits der reinen Steuerung.

Madden NFL 27 passt deshalb am besten zu Spielern, die Franchise ernst nehmen und Lust auf Verträge, Rollen, Taktik und Teamstimmung haben. Der neue Coach-Modus macht daraus fast ein eigenes Managerspiel. Wer nur neue Action auf dem Platz erwartet, bekommt weniger frischen Stoff. Wer aber schon immer wollte, dass Madden mehr nach echter NFL-Woche und weniger nach Match-an-Match wirkt, findet hier die besten Neuerungen.

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