Wer 2027 oder 2028 einen Gaming-PC bauen oder aufrüsten will, sollte beim Arbeitsspeicher und bei SSDs wohl nicht mit sinkenden Preisen rechnen. Micron erwartet, dass die Nachfrage nach Speicherchips das Angebot mindestens bis 2028 übersteigt. Für Spieler ist das vor allem dann wichtig, wenn ein neuer PC ohnehin geplant ist.
Der Hersteller erklärte bei seiner Bilanzvorlage für das Geschäftsjahr 2026, dass ein großer Teil der Produktion für das kommende Jahr schon verkauft sei. Kunden müssten deutlich mehr zahlen als 2026. Einen Zeitpunkt für eine echte Entspannung nannte Micron nicht.
Neue Fabriken helfen nicht sofort
Micron will 2028 neue Werke starten und investiert dafür laut eigener Aussage allein in der ersten Hälfte des neuen Geschäftsjahres 25 Milliarden US-Dollar. Das klingt erst einmal nach mehr Speicherchips. Der Haken: Das Unternehmen rechnet selbst nicht damit, dass die neuen Kapazitäten schnell für bessere Verfügbarkeit oder niedrigere Preise sorgen.
Der Grund liegt vor allem bei großen Rechenzentren. Dort wird sehr viel Speicher gebraucht, besonders High-Bandwidth-Memory, kurz HBM. Dieser Speichertyp wird für Hardware in Rechenzentren eingesetzt und ist für Hersteller offenbar besonders interessant. Micron sieht bei HBM ein schnelleres Nachfragewachstum als bei normalem DRAM für Server.
Das kann den Markt für gewöhnlichen Arbeitsspeicher mit treffen. Wenn ein großer Teil der verfügbaren Fertigung langfristig vergeben ist, bleibt für andere Käufer weniger Spielraum. Microns Aussage ist eine Prognose des Unternehmens, keine feste Preisgarantie. Sie zeigt aber ziemlich klar, dass der Hersteller selbst in den nächsten zwei Jahren nicht mit einem entspannten Markt rechnet.
Was das für Gaming-PCs bedeuten kann
Für einen Gaming-PC heißt das nicht automatisch, dass jede Aufrüstung unbezahlbar wird. Aber RAM und SSDs könnten beim Gesamtpreis eines Systems stärker ins Gewicht fallen als in Jahren mit gut gefüllten Lagern. Gerade wer mehrere Komponenten gleichzeitig kaufen muss, merkt solche Aufschläge schnell.
Auch Konsolenhersteller stehen laut Bericht unter dem gleichen Kostendruck. Sony Interactive Entertainment, Microsoft und Nintendo haben ihre Hardwarepreise in diesem Jahr angehoben. Valve verlangt für die Steam Machine mindestens 1039 Euro, obwohl beim günstigsten Modell kein Controller dabei ist. Als Begründung hieß es, der ursprünglich geplante Preis sei nicht mehr erreichbar.
Zusätzlich läuft gegen Micron und zwei weitere große RAM-Hersteller eine Sammelklage. Die Kläger werfen den Firmen vor, Produktion und Preise abgestimmt zu haben. Das sind Vorwürfe, keine festgestellten Tatsachen.
Für PC-Spieler bleibt damit vor allem ein Punkt hängen: Wer ohnehin in nächster Zeit aufrüsten möchte und ein gutes Angebot für passenden Speicher findet, sollte nicht fest darauf bauen, dass derselbe RAM oder dieselbe SSD bald deutlich günstiger wird.