Pokémon-Karten wären nach einer Apokalypse die globale Währung: Mit diesem bewusst überzogenen Bild beschreibt Investor Peter Levin, wie groß und international der Markt für Sammelkarten geworden ist. Gemeint ist keine echte Prognose für Krisenzeiten, sondern der Wert, den viele Sammler den Karten heute beimessen.
Levin gründete Griffin Gaming Partners und äußerte sich in einem Interview zum Wachstum von Sammelkartenspielen. Seine Aussage ist vor allem deshalb interessant, weil sie Pokémon nicht nur als langlebige Spielemarke betrachtet. Die Karten sind für viele Menschen längst ein eigenes Hobby mit Tauschwert, Sammlerleidenschaft und einem Markt, der weit über einzelne Länder hinausgeht.
Pokémon-Karten sind mehr als ein Zusatz zur Spielreihe
Pokémon startete 1996 mit den ersten Game-Boy-Spielen. Im selben Jahr erschien auch die erste Ausgabe des physischen Sammelkartenspiels. Fast drei Jahrzehnte später gehören die Karten weiterhin fest zur Marke, obwohl sie ganz anders funktionieren als die Videospiele: Statt Abenteuer zu erleben oder Arenen zu gewinnen, bauen Spieler Decks, tauschen Karten und suchen nach bestimmten Motiven oder seltenen Ausgaben.
Laut Levin erreichte das Pokémon-Sammelkartenspiel zunächst einen frühen Höhepunkt, verlor danach aber an Schwung. Inzwischen befinde sich der Markt wieder in einer starken Wachstumsphase. Er spricht sogar von einer parabolischen Wachstumskurve.
Das erklärt auch, warum Pokémon-Karten nicht bloß in spezialisierten Läden auftauchen. Sie werden gesammelt, gespielt und als besondere Stücke behandelt. Für Fans kann genau diese Mischung spannend sein: Eine Karte kann im Deck nützlich sein, ein Lieblings-Pokémon zeigen oder einfach Teil einer Sammlung werden, die man Stück für Stück erweitert.
Levin behauptet außerdem, Pokémon-Karten hätten den Aktienindex S&P 500 um 3.000 Prozent übertroffen. Diese Zahl steht im Interview als Teil seiner sehr zugespitzten Bewertung. Sie sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine einzelne Karte nicht automatisch wertvoll ist und seine Apokalypse-Aussage keine sachliche Währungsprognose darstellt.
Der Boom betrifft auch andere Kartenspiele
Pokémon steht mit diesem Aufschwung nicht allein. Levin nennt auch Yu-Gi-Oh!, Digimon und One Piece als erfolgreiche Marken im Sammelkartenbereich. Bei One Piece sieht er sogar ein schnelleres Wachstum als bei jedem anderen Spiel in der Geschichte der Sammelkartenspiele, einschließlich Pokémon.
Wie unterschiedlich solche Erfolge aussehen können, zeigt Magic: The Gathering. Das Spiel begann Anfang der 1990er als Nischenprodukt und soll für Rechteinhaber Hasbro bald einen Jahresumsatz von 2 Milliarden US-Dollar erzielen. Ein wichtiger Teil dieser Entwicklung sind Kooperationen mit bekannten Marken aus Games, Fantasy und Science-Fiction. Genannt werden etwa Final Fantasy, God of War und Der Herr der Ringe.
Wie weit Sammlerpreise steigen können, wurde 2023 besonders deutlich: Eine spezielle One-Ring-Karte aus einem Der-Herr-der-Ringe-Set wurde für 2 Millionen US-Dollar verkauft. Solche Ausnahmeverkäufe sagen allerdings wenig darüber aus, was gewöhnliche Karten wert sind. Sie zeigen eher, wie viel Aufmerksamkeit seltene Stücke in einem großen Sammlermarkt bekommen können.
Warum Levins Vergleich trotzdem hängen bleibt
Die Vorstellung von Pokémon-Karten als Notfallwährung klingt natürlich absurd. Gerade deshalb funktioniert sie als Bild für eine echte Entwicklung: Sammelkarten sind für viele Menschen nicht mehr nur ein Nebenprodukt zu Spielen, Serien oder Figuren. Sie sind ein internationales Hobby mit eigenen Communities und einem Markt, der gerade wieder deutlich wächst.
Für Pokémon-Fans heißt das nicht, dass jede neue Karte zum Schatz wird. Aber es erklärt, warum das Kartenspiel nach so vielen Jahren noch immer wichtig ist. Es verbindet das Sammeln mit dem Spielen und macht aus bekannten Pokémon Gegenstände, die für unterschiedliche Menschen ganz verschiedene Bedeutung haben können.