Ein grüner Rennwagen mit der Nummer 63 fährt bei Sonnenuntergang über eine Rennstrecke, weitere Fahrzeuge folgen dahinter.
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Project Motor Racing im Test: Stark auf der Strecke, dünn daneben

Von Alex 6 Min. Lesezeit

Project Motor Racing fühlt sich auf der Strecke richtig gut an. Regen, Autos und Lenkrad-Feedback überzeugen. Die Karriere wirkt dafür viel zu leer.

Project Motor Racing ist am stärksten, wenn es dich einfach auf die Strecke stellt und fahren lässt. Dann passt vieles: Die Autos fühlen sich unterschiedlich an, Regen macht Rennen richtig spannend und mit Lenkrad kommt viel von der Strecke in den Händen an.

Das Problem beginnt immer dann, wenn das Spiel mehr sein will als reine Rennsimulation. Karriere, Menüs, Atmosphäre und Solospiel bieten nicht genug, um lange zu tragen. Wer hier einen großen Ersatz für Gran Turismo 7 sucht, sollte also genau hinschauen: Auf dem Asphalt ist Project Motor Racing stark. Daneben wirkt es ziemlich dünn.

Was auf der Strecke richtig gut funktioniert

Project Motor Racing setzt klar auf echtes Renngefühl. Es gibt 70 Autos, die direkt anwählbar sind. Freischalten musst du sie nicht. Die Auswahl deckt mehrere Klassen ab, darunter LMDh, LMP, GT, GT3, GT4 und N-GT. Marken wie Porsche, Aston Martin und BMW sind dabei.

Wichtig ist aber nicht nur die Zahl. Die Fahrzeuge fahren sich spürbar anders und klingen auch unterschiedlich. Gerade bei einer Rennsimulation ist das viel wert, weil nicht jedes Auto einfach nur eine andere Hülle mit anderer Geschwindigkeit sein sollte.

Die Fahrphysik macht einen guten Eindruck. Das Spiel vermittelt Tempo stark, das Bremsen verlangt Gefühl und überfordert trotzdem nicht komplett. Wenn du zu spät bremst oder bei Nässe zu früh wieder voll aufs Gas gehst, bestraft dich Project Motor Racing schnell. Das passt zum Anspruch.

Mit Lenkrad wird das noch deutlicher. Beim Test mit einem Fanatec ClubSport Racing Wheel F1 und CSL Elite Pedale V2 kam das Force Feedback sehr stark rüber. Bodenwellen und Streckenunebenheiten landen sauber im Lenkrad. Auch mit Controller funktioniert die Steuerung gut, was wichtig ist, weil nicht jeder ein komplettes Sim-Racing-Setup zu Hause stehen hat.

Der größte Hingucker ist das Wetter. Regen sieht nicht nur schön aus, sondern verändert auch das Fahren. Besonders nachts spiegeln sich Lichter auf dem nassen Asphalt richtig stark. Gleichzeitig wird das Rennen schwerer, weil aufgewirbeltes Wasser die Sicht nimmt und die Lichter der Autos vor dir blenden können.

Auf der Nordschleife bei Dunkelheit und Regen merkt man am besten, was Project Motor Racing kann. Das Spiel erzeugt dann echten Druck. Du musst sauber bremsen, vorsichtig beschleunigen und darfst dich nicht zu sehr auf Fahrhilfen verlassen. Die zuschaltbare Ideallinie hilft auf der Nordschleife nur bedingt, weil sie nicht immer gute Bremspunkte vorschlägt.

Die Strecken reichen, aber sie wirken knapp

Bei den Autos ist Project Motor Racing gut aufgestellt. Bei den Strecken sieht es anders aus. Das Spiel bietet 18 Kurse, aber der Nürburgring zählt dabei gleich dreimal: Grand-Prix-Kurs, Nordschleife und 24-Stunden-Variante. Am Ende bleiben also 16 unterschiedliche Orte.

Das ist nicht winzig, fühlt sich für eine Simulation mit diesem Anspruch aber knapp an. Es gibt bekannte Namen wie Spa, Daytona und Spielberg. Dazu kommen Strecken mit Rennsportgeschichte, etwa Kyalami, Zolder und Mount Panorama. Einige Kurse lassen sich auch in verschiedenen Varianten fahren.

Trotzdem fehlt irgendwann die Breite. Gerade wenn du viel alleine fährst, wiederholen sich Strecken schneller als die Autos. Der Hockenheimring ist zum Beispiel nicht dabei. Das ist kein Spielbruch, aber es zeigt gut, wo Project Motor Racing spart.

Positiv fällt auf, dass manche Strecken sehr sorgfältig gebaut wirken. Beim Nürburgring sind nicht nur Kurven und Asphalt wichtig, sondern auch Details neben der Strecke. Beschilderungen, Zelte und das Dorint Hotel an der Start-Ziel-Geraden tragen dazu bei, dass der Kurs nicht leer wirkt.

So entsteht ein komischer Mix: Einzelne Strecken fühlen sich mit viel Liebe gebaut an, insgesamt hätte die Auswahl aber größer sein dürfen.

Die Karriere hat gute Ideen, bleibt aber flach

Der Karrieremodus klingt zuerst spannender, als er am Ende ist. Du legst den Hauptsitz deines Teams in Nordamerika, Europa oder Asien und Australien fest. Das beeinflusst Reisekosten. Dazu wählst du Startbudget, Schwierigkeit und Renndauer, kaufst ein Auto und stellst dir deinen Kalender zusammen.

Es gibt zwei Varianten: Klassisch und Authentisch. Im authentischen Modus fährt das Feld auf professionellem Tempo und Neustarts sind nicht möglich. Wenn du dein Auto zerstörst, musst du die Reparatur bezahlen. Reicht das Geld nicht, endet die Karriere. Das ist streng, aber es passt zu einer Simulation.

Auch die Sponsoren wirken zuerst nach einer guten Idee. Es gibt acht Modelle. Manche zahlen eine kleine Summe pro Start, andere belohnen bestimmte Leistungen. Nur kannst du damit kaum etwas machen. Du verhandelst nicht, du platzierst keine Aufkleber auf dem Auto und du baust keine richtige Beziehung zu Sponsoren auf. Von Saison zu Saison wählst du einfach ein neues Arrangement.

Danach passiert zu wenig. Viele Saisons bestehen aus wenigen Rennen. Unterwegs kannst du Autos kaufen, reparieren und verkaufen. Mehr Management steckt aber kaum drin. Keine besonderen Teamentscheidungen, keine Rollenspiel-Elemente, kein echter Aufbau. Du fährst Rennen an Rennen.

Das kann funktionieren, wenn die Rennen selbst stark genug sind. Bei Project Motor Racing sind sie das oft. Aber ein Karrieremodus sollte dich auch zwischen den Events ein bisschen packen. Genau da bleibt das Spiel blass.

Die Menüs helfen dabei nicht. Sie wirken sehr schlicht. Auch vor den Rennen fehlt Stimmung. Die Intros liefern kaum Atmosphäre und erklären die Strecken nicht besonders. Einen Kommentator, der wie in F1 25 ein paar Infos einstreut, gibt es nicht.

So fühlt sich die Karriere eher wie eine Liste aus Terminen an. Du fährst zwar gute Rennen, aber das Drumherum gibt dir wenig Grund, dich in dein Team oder die Saison reinzudenken.

Die Gegner fahren nicht immer sauber genug

Die computergesteuerten Fahrer lassen sich in der Schwierigkeit anpassen, fahren aber nicht immer überzeugend. Manchmal sind sie aggressiv. Oft wirken sie aber so, als würden sie dich kaum beachten.

Das merkt man besonders in Zweikämpfen. Gegner verteidigen ihre Position nicht immer richtig oder ziehen einfach ihre Linie durch. Im schlimmsten Fall schieben sie dich von der Strecke. In einer Simulation nervt das besonders, weil du selbst sauber fahren sollst, das Feld aber nicht immer fair mitspielt.

Das macht Rennen nicht kaputt, aber es nimmt ihnen manchmal die Spannung. Gute Zweikämpfe leben davon, dass beide Seiten reagieren. Wenn ein Gegner einfach stur weiterfährt, fühlt sich ein Kontakt schnell billig an.

Neben Karriere und Einzelrennen gibt es Herausforderungen, bei denen es um schnelle Zeiten und Bestenlisten geht. Das passt zum puren Rennfokus des Spiels. Wenn du gerne an Rundenzeiten feilst, findest du hier sicher Beschäftigung.

Der Mehrspieler-Modus könnte noch wichtiger werden. Vor dem Release ließ er sich aber nicht ausführlich prüfen, weil Mitspieler fehlten. Klar ist nur: Bevor du online fahren darfst, musst du einen Lizenztest absolvieren. Dabei fährst du acht Runden auf einer Rundstrecke. Die Zeitvorgaben sind sehr leicht. Je nach Geschwindigkeit bekommst du deinen Startrang.

Für Project Motor Racing ist Online-Racing extrem wichtig. Der Einzelspieler verliert wegen der dünnen Karriere schnell Reiz. Wenn der Mehrspieler-Modus stabil läuft und faire Rennen bringt, kann das Spiel länger spannend bleiben. Wenn nicht, bleibt vor allem ein starkes Fahrgefühl mit zu wenig Inhalt darum herum.

Project Motor Racing passt deshalb am besten zu Spielern, die wirklich fahren wollen. Wenn du Autos vergleichen, Rundenzeiten jagen und Regenrennen meistern willst, bekommst du hier viel Spaß auf der Strecke. Wenn du aber eine Karriere mit Atmosphäre, Entwicklung und vielen Gründen zum Weitermachen suchst, ist das Spiel zu leer.

Das Urteil ist dadurch ziemlich klar: Project Motor Racing ist kein rundes Gesamtpaket wie ein großer Genre-Platzhirsch. Es ist eine starke Rennsimulation mit tollen Momenten auf dem Asphalt, aber mit einem schwachen Soloteil daneben.

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