Resonance: A Plague Tale Legacy setzt nicht einfach dort an, wo Requiem aufgehört hat. Das Spin-off springt 15 Jahre zurück und stellt Sophia in den Mittelpunkt, also die Plünderin, die viele erst später in der Reihe kennengelernt haben. Genau dadurch kann das Spiel etwas riskieren: Es muss nicht noch einmal Amicias Art zu überleben nachbauen.
Der spannendste Punkt aus der bisherigen Preview-Fassung ist deshalb nicht nur die neue Hauptfigur. Es ist der Wechsel im Spielgefühl. Sophia kämpft direkter, bewegt sich schneller durch die Abschnitte und wirkt weniger wie jemand, der jeder Gefahr ausweichen muss. Gleichzeitig verschwindet das alte A-Plague-Tale-Gefühl nicht komplett. Vor allem Kapitel 6 zeigt, dass Schleichen und Angst weiterhin eine Rolle spielen können.
Sophia ist keine neue Amicia mit anderem Gesicht
Die gezeigten Abschnitte stammen aus Kapitel 5 und 6. Vorher gab es ein separates Tutorial für die Grundlagen des Kampfsystems. Danach ging es direkt auf die Insel des Minotaurus, wo Sophia zusammen mit Leni nach Antworten zu ihrer Vergangenheit sucht.
Das ist wichtig, weil Resonance seine neue Heldin nicht nur über Kämpfe erklären will. Sophia wird als jüngere und noch unerfahrenere Plünderin gezeigt. Sie ist hart, handelt schnell und geht Risiken ein. In Gesprächen mit Leni kommt aber auch eine weichere Seite durch. Die beiden Figuren reden während der Erkundung und bei Rätseln miteinander, wodurch Sophia nicht nur wie eine Kampfmaschine wirkt.
In Kapitel 6 ist Sophia dagegen allein unterwegs. Dort zeigt sich eine andere Seite: Sie hält durch, zweifelt aber auch und ist von dem, was passiert, sichtbar überfordert. Für eine Preview ist das schon ein guter Hinweis darauf, dass sie nicht nur die „stärkere“ Hauptfigur sein soll. Sie funktioniert anders als Amicia, aber sie bleibt verletzlich.
Die Kämpfe machen den größten Unterschied
Mit Sophia verändert sich A Plague Tale am stärksten im Kampf. Sie trägt standardmäßig Schwert und Dolch. Direkte Konfrontationen stehen viel klarer im Vordergrund als in den bisherigen Teilen. Statt Gegner möglichst zu umgehen, kann Sophia Druck machen.
Ganz sorglos ist das aber nicht. Sie hält nur wenige Treffer aus. Nach drei oder vier Schlägen ist der Kampf vorbei. Dafür bekommt sie nach besiegten Gegnern einen Teil ihrer Lebensenergie zurück. Das belohnt einen aggressiveren Stil, solange du sauber spielst.
Das Kampfsystem setzt auf leichte und schwere Angriffe, Tritte gegen die Deckung, Ausweichen und Paraden. Gelb leuchtende Angriffe müssen perfekt pariert werden, rote Angriffe verlangen ein Ausweichmanöver. Dazu kommen Überraschungsangriffe gegen unachtsame Gegner und ein Greifhaken, mit dem Sophia höher stehende Feinde herunterziehen kann.
Noch ist aber nicht alles rund. Einige Animationen wirkten in der Preview-Fassung etwas steif, Finisher wiederholten sich und die Kamera fing das Geschehen nicht immer ideal ein. Das klingt nicht nach einem kaputten System, aber nach einem Bereich, der bis zur Veröffentlichung noch Feinschliff braucht. Gerade wenn Kämpfe so wichtig werden, fallen solche Dinge schneller auf.
Rätsel, Klettern und Visionen halten das Abenteuer zusammen
Resonance scheint nicht nur ein Kampfspiel im A-Plague-Tale-Gewand zu werden. Kapitel 5 mischte Action mit Erkundung, Kletterstellen und Rätseln. Der Aufbau wirkte dabei geradliniger als in den früheren Teilen. Sophia und Leni bewegen sich von einem Abschnitt zum nächsten, ohne lange Umwege.
Das höhere Tempo passt zu der neuen Richtung. Zwischen den Kämpfen gibt es Gespräche, Rätsel und kleine Ruhepunkte. Sophia nutzt außerdem ein Notizbuch, in dem Gedanken und Hinweise landen. Wenn ein Rätsel hängt, kann Leni optional helfen. Die Rätsel der Preview waren wohl unterschiedlich stark: Einige forderten angenehm, andere waren sehr leicht.
Spannend sind auch die spielbaren Rückblicke. Sophia erlebt auf der Insel Visionen, die sie selbst nicht richtig versteht. In diesen Momenten spielt man einen anderen Charakter in der Vergangenheit. Dadurch bekommt die Geschichte eine Mystery-Schicht, ohne dass schon klar ist, wie wichtig diese Abschnitte im ganzen Spiel werden.
Schleichen ist nicht weg, es hat nur einen anderen Platz
Viele Fans dürften sich fragen, ob Resonance durch die stärkeren Kämpfe zu weit von der Reihe weggeht. Kapitel 5 kann diesen Eindruck erstmal verstärken, weil Sophia dort häufig Gegner bekämpft und Fallen ausweicht. Das fühlt sich deutlich direkter an.
Kapitel 6 setzt dagegen auf eine andere Spannung. Sophia muss vor einer Kreatur fliehen, gegen die sie im direkten Kampf keine Chance hat. Wenn sie rennt, hinterlässt sie eine blau leuchtende Spur, die das Wesen anlockt. Also muss sie schleichen, Deckung nutzen und vorsichtig weiterkommen.
Diese Passage bringt fast schon Horror-Stimmung in das Spiel. Das liegt an der Kreatur selbst, aber auch an den dunkleren Bereichen, durch die Sophia sich bewegen muss. Wichtig ist: Schleichen bleibt vorhanden. Offen ist nur, wie oft solche Abschnitte im fertigen Spiel vorkommen. Aus zwei Kapiteln lässt sich noch nicht sicher sagen, ob Kapitel 6 eine Ausnahme ist oder ob Resonance regelmäßig zwischen Kampf und Verstecken wechselt.
Warum dieser Richtungswechsel interessant ist
Resonance: A Plague Tale Legacy scheint seine größte Stärke genau dort zu suchen, wo es auch riskant wird. Sophia ist offensiver als Amicia, die Level wirken schneller, und Kämpfe haben mehr Platz. Das kann Fans der alten Teile erstmal irritieren.
Gleichzeitig zeigt die Preview, dass Asobo Studio nicht alles Alte wegwirft. Story-Gespräche während der Erkundung, Rätsel, gefährliche Verfolgungspassagen und das Gefühl, in einer feindlichen Welt unterwegs zu sein, bleiben wichtig. Der Unterschied ist eher, dass Sophia anders auf Gefahr antwortet.
Ob dieser Mix im ganzen Spiel trägt, hängt stark davon ab, wie gut die Kämpfe geschliffen werden und wie oft Resonance seine leiseren Momente nutzt. Die bisherigen Eindrücke machen aber klar: Dieses Prequel will kein stiller Anhang zu Requiem sein. Es will zeigen, dass A Plague Tale auch mit einer anderen Hauptfigur und mehr Action noch nach A Plague Tale aussehen kann.