Die ersten internationalen Tests zu Silent Hill: Townfall zeichnen ein recht klares Bild: Der neue Ableger punktet vor allem dann, wenn er seine beklemmende Stimmung, die Erkundung von St. Amelia und seine Geschichte zusammenspielen lässt. Weniger einheitlich fällt die Reaktion auf den stärkeren Fokus auf Schleichen aus.
Auf Metacritic steht Silent Hill: Townfall derzeit bei einem Metascore von 81 Punkten aus 49 Kritiken. Das ist ein solider Start für das eigenständige Horrorspiel von Screen Burn Interactive, das am 24. September für PS5 sowie für PC über Steam und den Epic Games Store erscheint.
Schleichen bestimmt den Ton stärker als Kämpfen
Der wichtigste Unterschied zu vielen Erwartungen an einen Serienableger liegt offenbar im Spielablauf. Townfall setzt stärker auf Stealth als auf direkte Auseinandersetzungen. Dazu kommen Erkundung, Rätsel und nur gelegentliche Kämpfe. Mehrere Besprechungen sehen genau darin eine Stärke, weil sich die Spannung nicht allein aus Angriffen speist.
TechRadar Gaming beschreibt diese Mischung als funktionierend und vergibt 80 Punkte. Die Idee dahinter ist leicht zu verstehen: Wenn Simon Ordell nicht jede Gefahr einfach bekämpfen kann oder soll, wird das Vorankommen vorsichtiger. Räume, Wege und mögliche Bedrohungen gewinnen dadurch mehr Bedeutung. Für ein Horrorspiel kann das sehr gut passen, weil die Unsicherheit länger bleibt als in einer reinen Kampfsequenz.
Gleichzeitig ist das auch der Punkt, an dem sich Fans unterschiedlich entscheiden dürften. Dualshockers bewertet das Spiel mit 90 Punkten und lobt den neuen Schwerpunkt, weist aber darauf hin, dass nicht alle Anhänger der Reihe mit weniger Kampf glücklich sein werden. Wer bei Silent Hill vor allem auf Konfrontationen und bekannte Abläufe wartet, sollte diesen Wechsel also im Blick behalten.
Atmosphäre und Geschichte tragen die positiven Stimmen
Die höchsten Wertungen nennen besonders häufig Atmosphäre und Erzählung. GamingBolt vergibt ebenfalls 90 Punkte und hebt hervor, dass Townfall im Vergleich zu jüngeren Teilen der Reihe kompakter ausfällt. Das muss kein Nachteil sein: Ein kleineres Spiel kann seine Geschichte gezielter erzählen, wenn die wichtigen Orte und Momente nicht durch unnötige Umwege auseinandergezogen werden.
Auch die Ego-Perspektive wird positiv erwähnt. Game Informer vergibt 83 Punkte und sieht trotz Schwächen eine Geschichte, die durch diese Sichtweise mehr Wirkung entfaltet. Simon Ordells Weg führt 1996 auf die schottische Insel St. Amelia. Gerade ein abgegrenzter Schauplatz kann gut zu einem Spiel passen, das Spannung eher durch Nähe und Unbehagen als durch große Action erzeugen will.
Die breite Wertungsspanne zeigt aber auch, dass die Wirkung nicht überall gleich stark ankommt. Digital Spy vergibt die Höchstwertung, während The Outerhaven und Cultura Geek bei 60 Punkten liegen. Dazwischen finden sich viele Kritiken im Bereich von 80 bis 90 Punkten. Die positive Grundstimmung ist also deutlich, ein völlig unumstrittener Serienteil ist Townfall nach den ersten Tests aber nicht.
Wo die Kritiken Abstriche machen
Einige Schwachpunkte tauchen in den Besprechungen konkreter auf. TechRadar Gaming kritisiert die Gestaltung der Gegner und steife Gesichtsanimationen. Außerdem brauche die Geschichte laut dieser Einschätzung etwas Zeit, bevor sie ihren emotionalen Höhepunkt erreiche. Das sind keine Kleinigkeiten, denn gerade bei einem Spiel, das stark von Atmosphäre und Erzählung lebt, können Figuren und Gegner viel zur Wirkung beitragen.
Push Square vergibt 70 Punkte. Dort wird das schottische Setting gelobt, während neuere Elemente weniger überzeugen. Diese Kritik passt zu der insgesamt gemischteren Reaktion auf den eigenen Weg des Spiels: Townfall möchte offenbar vertraute Horrorstimmung mit einem stärkeren Schleichansatz verbinden. Ob diese Verbindung für einzelne Spieler aufgeht, hängt vermutlich stark davon ab, wie wichtig ihnen Kämpfe innerhalb der Reihe sind.
Für den Start ist vor allem wichtig, dass Silent Hill: Townfall nicht einfach als weiterer Teil nach bekanntem Muster beschrieben wird. Die Tests sprechen eher für ein kompakteres Horrorspiel, das seine Spannung aus Verstecken, Erkunden und einer bedrückenden Inselgeschichte ziehen will. Wer genau das sucht, findet in den bisherigen Kritiken viele positive Signale. Wer einen actionreicheren Ableger erwartet, sollte die genannten Kritikpunkte dagegen ernst nehmen.
Im PlayStation Store kostet die Standardversion 49,99 Euro. Eine Deluxe Edition für zehn Euro mehr enthält ein digitales Artbook, den Soundtrack und alternative Kleidung für Simon.