Starfield kommt auf der PS5 nicht als frisches, unbekanntes Spiel an. Es kommt als riesiges Bethesda-Rollenspiel, das schon viele Updates hinter sich hat und zum Start auf Sonys Konsole direkt mit neuen Inhalten erweitert wird. Genau deshalb ist diese Version spannend: Sie zeigt nicht nur, was an Starfield von Anfang an stark war, sondern auch, welche Probleme sich nicht einfach mit mehr Systemen und mehr Beute wegpatchen lassen.
Im Kern bleibt Starfield ein Spiel über Freiheit. Du bekommst ein eigenes Schiff, suchst geheimnisvolle Artefakte, triffst Fraktionen und kannst viele Situationen auf verschiedene Arten lösen. Das funktioniert oft richtig gut, besonders wenn du nicht nur der Hauptgeschichte hinterherläufst. Gleichzeitig fühlt sich ausgerechnet das riesige All erstaunlich oft leer an. Für ein Spiel, das vom Entdecken lebt, ist das ein großes Problem.
Die beste Geschichte entsteht oft neben der Hauptquest
Starfield spielt rund 300 Jahre in der Zukunft. Die Menschheit hat das bekannte Sonnensystem verlassen und neue Welten besiedelt. Deine Figur, die du in einem sehr umfangreichen Editor baust, stößt zu Beginn in einer Mine auf ein mysteriöses Artefakt. Dadurch rückt die Gruppe Constellation in dein Leben. Sie erforscht das All und interessiert sich besonders für diese Objekte unbekannter Herkunft. Kurz darauf hast du dein eigenes Raumschiff und suchst nach weiteren Artefakten.
Das ist ein guter Startpunkt, aber die Hauptgeschichte trägt das Spiel nicht allein. Sie beschäftigt dich ungefähr 20 bis 30 Stunden, plätschert aber über längere Strecken eher vor sich hin. Es gibt stärkere Momente, etwa wenn eine Piratenbande ins Spiel kommt und Infiltration wichtiger wird. Solche Spitzen passieren aber nicht oft genug.
Viel spannender wird Starfield, wenn du vom klaren Pfad abweichst. Dann meldet sich dieses typische Bethesda-Gefühl: Du willst eigentlich nur eine Aufgabe erledigen, landest aber bei einer Fraktion, einem neuen Planeten oder einer Entscheidung, die deinen nächsten Abend bestimmt. Kopfgeldjäger können dich anwerben. Auf einer Westernwelt kannst du eher in Richtung Sheriff oder Ranger rutschen. Auch Piraten sind möglich. Nicht jede Quest zieht sofort, aber diese Abzweigungen geben dem Spiel mehr Leben als viele Momente der Hauptstory.
Freiheit ist die größte Stärke der PS5-Version
Starfield lässt dich oft selbst entscheiden, wie du ein Problem angehst. Du kannst schießen, dich durch Gespräche retten, schleichen oder mehrere Wege mischen. Wenn du einfach alles niederballerst, kann ein Kopfgeld auf dich warten. Wenn du jemanden überzeugst, dauert es vielleicht länger, aber du vermeidest unnötigen Ärger.
Das ist wichtig, weil Starfield dadurch nicht nur aus Questmarkern besteht. Du fühlst dich häufiger wie jemand, der in dieser Welt wirklich eine Rolle spielt. Auch deine Begleiter passen dazu. Sie helfen in Missionen und reagieren auf deine Antworten oder Taten. Tötest du zum Beispiel einen Unschuldigen, kommt das schlecht an.
Manchmal wirkt dieses Begleitersystem aber etwas zu streng. Starfield sagt dir oft, dass du deinen eigenen Weg finden sollst. Gleichzeitig wenden sich manche Figuren ziemlich schnell ab, wenn ihnen deine Entscheidungen nicht passen. Das beißt sich ein wenig mit den Dialogen, die oft nicht nur Gut und Böse kennen, sondern auch Zwischenräume zulassen. Gut ist dafür, dass viele Begleiter eigene Hintergrundgeschichten mitbringen, die man gern weiterverfolgt.
Auch abseits von Gesprächen steckt viel Baukasten im Spiel. Du kannst Crewmitglieder für dein Schiff und deine Außenposten anheuern. Du verbesserst dein Raumschiff mit besseren Antrieben, Schilden oder Waffen. Bei deiner Ausrüstung gibt es ebenfalls viel zu tun. Die Auswahl reicht von Pistolen und Gewehren bis zu Energiewaffen, Messern und Schwertern. Starfield ist am besten, wenn du aus diesen Teilen dein eigenes Abenteuer zusammensetzt.
Free Lanes macht vieles angenehmer, löst aber nicht alles
Zum PS5-Start erscheint auch das Free-Lanes-Update für alle Plattformen. Es bringt neue Möglichkeiten, vor allem für Spieler, die schon tief im Spiel stecken oder nach der Hauptgeschichte weitermachen wollen. Die neue Ressource X-Tech ist selten, erlaubt aber stärkere Verbesserungen an Schiff und Ausrüstung. Dazu kommen Upgrade-Module, neue Qualitätsstufen und Baupläne.
Der wichtigste Komfortgewinn ist der neue Reisemodus. Damit durchquerst du Planeten- oder Sonnensysteme deutlich schneller als mit dem normalen Antrieb. Das klingt erst einmal nicht riesig, macht aber beim Spielen viel aus, weil Starfield ohnehin oft mit Wegen, Menüs und Ladepausen zwischen seinen Ideen steht.
Der neue Story-DLC bringt zudem eine neue Gegnerfraktion ins Spiel. Diese Inhalte richten sich klar eher an erfahrene Spieler im Endgame. Dazu kommen weitere Extras wie eine neue Basis und sammelbare Actionfiguren. Für die PS5-Version heißt das: Du bekommst nicht nur das Grundspiel, sondern ein Starfield, das schon sichtbar gewachsen ist.
Trotzdem bleiben alte Schwächen stehen. Das Gegnerverhalten ist in Kämpfen oft zu simpel. Feinde handeln selten so, als würden sie wirklich überleben wollen. Dadurch verlieren Schusswechsel Druck. Auch das Treffergefühl könnte stärker sein, gerade bei wuchtigen Waffen wie Schrotflinten. Wenn ein Kampf laut und gefährlich aussehen soll, muss er sich auch so anfühlen.
Das All ist groß, aber nicht immer spannend
Der schwierigste Punkt bleibt die Erkundung. Starfield zeigt ein gigantisches Universum mit vielen Sternensystemen. Trotzdem entsteht nach einigen Stunden nicht immer der Drang, einfach weiterzufliegen und zu schauen, was hinter dem nächsten Ziel steckt. Viele Orte fühlen sich leer an, und gute Belohnungen für die Mühe gibt es nicht oft genug.
Natürlich kann ein karger Planet zu einem glaubwürdigen Weltraumspiel passen. Nicht jeder Himmelskörper muss voller Städte, Rätsel und Schätze sein. Aber ein Spiel muss trotzdem gute Gründe liefern, warum du deine Zeit dort verbringen sollst. Starfield schafft das nicht zuverlässig. Gerade weil es so viel Freiheit anbietet, fällt es stärker auf, wenn ein Besuch auf einem Planeten am Ende wenig bringt.
Dazu kommt, dass manche Dinge zu oft über Menüs laufen. Das Scannen von Planeten ist ein Beispiel. Statt Entdeckung direkt im Spiel zu spüren, klickst du dich zu häufig durch Oberflächen. Das bremst den Fluss. Starfield möchte, dass du dich wie ein Raumfahrer fühlst. Manchmal fühlt es sich eher an, als würdest du eine sehr große Karte verwalten.
Auch die Tempel, die mit den Artefakten verbunden sind, nutzen sich ab. Sie sehen fast immer gleich aus und laufen ähnlich ab. Gerade bei einem so wichtigen Teil der geheimnisvollen Hauptgeschichte hätte mehr Abwechslung sehr geholfen.
Wunderschöne Welten, schwache Gesichter und technische Patzer
Optisch hat Starfield trotzdem viel Kraft. Raumschiffe, kleine Siedlungen und große Städte passen stark zusammen. Besonders in größeren Kolonien gibt es viel zu entdecken, und genau dort zeigt das Spiel, warum sein Universum trotz leerer Planeten interessant sein kann. Wenn Architektur, Licht und Geräusche zusammenkommen, entsteht ein echter Sci-Fi-Traum.
Schwächer wird es in Dialogen. Man merkt der Grafiktechnik ihr Alter an, vor allem bei Gesichtsanimationen. Die Figuren wirken dann steifer, als sie sollten. Dazu passen die Lippenbewegungen weder zur englischen Sprachausgabe noch zur deutschen Synchronisation sauber. Beide Sprachfassungen werden stark beschrieben, aber der fehlende Gleichlauf stört trotzdem. Der Soundtrack hilft der Stimmung dagegen wieder deutlich.
Ärgerlicher sind die technischen Probleme. In der getesteten PS5-Fassung kam es zu kleinen Rucklern und mehreren Abstürzen. Faire Speicherpunkte verhindern zwar, dass viel Fortschritt verloren geht. Trotzdem ist das bei einem Spiel, das schon länger Updates bekommen hat, schwer zu schlucken.
Starfield auf PS5 ist damit ein riesiges Rollenspiel voller guter Ideen, aber kein sauber geschliffenes Weltraumabenteuer. Wenn du Fraktionen, Begleiter, Ausrüstung und eigene Entscheidungen liebst, findest du hier sehr viel Spiel. Wenn du vor allem ein lebendiges, dicht gefülltes All erkunden willst, wirst du öfter gegen Leere, Menüs und Wiederholungen laufen. Die PS5-Version ist die bessere und vollere Form von Starfield, aber sie nimmt die größten Stolpersteine nicht einfach aus dem Weg.