The Adventures of Elliot: The Millennium Tales wirkt auf den ersten Blick wie ein weiteres hübsches HD-2D-Abenteuer mit Zeitreise-Idee. Der wichtigere Punkt steckt aber nicht in der Optik und auch nicht in der Story. Das Spiel funktioniert vor allem dann stark, wenn Elliot und Faie zusammen Rätsel lösen, Wege öffnen und Kämpfe anders angehen dürfen.
Genau da liegt die größte Stärke dieses Action-RPGs. Es nimmt die Rollenspiel-Wurzeln seiner Macher zwar nicht komplett weg, rückt aber Echtzeit-Kämpfe, Dungeons und Erkundung klar nach vorne. Das passt gut, weil du nicht nur Zahlen vergleichst oder Dialoge abarbeitest, sondern sehr oft selbst überlegen musst, welche Fähigkeit gerade weiterhilft.
Ganz sauber ist das Abenteuer trotzdem nicht. Die Geschichte braucht etwas Zeit, einige Wendungen sind früh zu erkennen, und manche Nebenaufgaben bleiben eher einfach. Trotzdem entsteht ein Spiel, das besonders für dich spannend sein kann, wenn du gerne neue Werkzeuge bekommst und dann selbst ausprobierst, was damit in der Welt möglich ist.
Faie macht aus einem einfachen Abenteuer mehr
Elliot startet als klassischer Abenteurer. Schwert, Schild, Hilfsbereitschaft, dazu eine Vergangenheit, über die er selbst kaum etwas weiß. Als ein Verräter den Verlauf der Geschichte verändern will, zieht Elliot los und bekommt später Unterstützung von Faie. Diese kleine Fee ist nicht nur eine Begleiterin für Gespräche, sondern der wichtigste Teil vieler Spielsysteme.
Faie lernt im Verlauf verschiedene Magiearten. Diese Kräfte brauchst du in Dungeons, bei der Erkundung und auch im Kampf. Feuer kann etwa dunkle Bereiche erhellen. Wind bewegt Objekte, die Elliot alleine nicht verschieben könnte. Außerdem kann Faie Elliot in einem begrenzten Bereich teleportieren. Das klingt erst einmal simpel, wird aber wichtiger, sobald das Spiel mehrere Ideen miteinander verbindet.
Gut ist, dass The Adventures of Elliot seine Tricks nicht einfach auf einmal über dich kippt. Neue Fähigkeiten werden in kleinen Tempeln erklärt, bevor spätere Bereiche mehr von dir verlangen. Dadurch fühlt sich Faie nicht wie ein Menü voller Zauber an, sondern wie ein richtiges Werkzeugset. Du lernst nach und nach, was sie kann, und erkennst dann selbst Stellen, an denen frühere Hindernisse plötzlich lösbar sind.
Besonders schön ist, dass Faies Kräfte nicht nur für Rätsel gedacht sind. Im Kampf kannst du Gegner zum Beispiel mit Feuer angreifen oder dich per Teleport hinter einen Boss bringen. Das Spiel gibt dir dadurch öfter mehrere Wege, statt immer nur eine richtige Lösung vorzugeben. Es erinnert in diesem Punkt an die Stärke guter Abenteuer-Spiele: Du bekommst Möglichkeiten und darfst sie ausprobieren.
Kämpfe mit vielen Werkzeugen, aber nicht ohne Ärger
Die Kämpfe laufen in Echtzeit und sind deutlich wichtiger als klassische Rollenspielwerte. Elliot beginnt mit Schwert und Schild, bekommt aber nach einigen Stunden weitere Waffen dazu. Eine Lanze und Bomben gehören zu den früheren Erweiterungen, später wächst das Arsenal noch weiter. Der Wechsel läuft über ein Rad-Menü, wodurch du recht bequem zwischen den Optionen wechseln kannst.
Das ist wichtig, weil die Waffen nicht nur mehr Schaden bedeuten. Sie geben dir andere Reichweiten, andere Angriffsarten und neue Antworten auf Gegner. Zusammen mit Faies Magie entsteht ein Kampfsystem, das besser wird, je mehr du selbst ausprobierst. Wenn du nur stumpf auf Gegner zurennst, nutzt du das Spiel nicht richtig aus.
Dazu kommen Maginiten. Elliot kann selbst keine Magie wirken, nutzt aber diese kleinen magischen Edelsteine, um Boni zu erhalten. Sie können sogar seinen starken Angriff verändern. Maginiten findest du versteckt in der Welt oder stellst sie bei Händlern her. Dadurch lässt sich Elliot ein Stück weit an deinen Stil anpassen, ohne dass das Spiel zu einem riesigen Baukasten wird.
Die Gegnervielfalt ist ordentlich. Manche Monster tauchen in abgewandelter Form in mehreren Regionen auf, andere hängen stärker an bestimmte Areale. Die echten Höhepunkte sind aber die Bosskämpfe. Sie prüfen oft, ob du die Ideen eines Dungeons verstanden hast. Wer unvorsichtig nach vorne prescht, kann schnell scheitern. Gleichzeitig bleiben die Angriffe der Bosse gut lesbar und fair.
Der größte Störfaktor in den Kämpfen ist die Kamera. Viele Objekte werden zwar durchsichtig, wenn sie die Sicht verdecken könnten, aber nicht alle. Dadurch können Gegner manchmal hinter Dingen verschwinden. Das nervt besonders dann, wenn ein Kampf eigentlich sauber lesbar sein sollte. Es macht das System nicht kaputt, nimmt ihm aber in manchen Momenten Tempo und Klarheit.
Vier Zeiten, eine Welt zum Wiederkommen
The Adventures of Elliot schickt dich durch vier Zeitalter: die Zeit der Obhut, also Elliots Gegenwart, sowie die Zeitalter des Wiederaufbaus, der Magie und des Anbeginns. Zwischen diesen Epochen kannst du über das Hauptmenü wechseln. Jedes Zeitalter hat eine eigene Stimmung, und genau das hilft der Erkundung sehr.
Der beste Teil der Welt ist nicht, dass sie einfach groß wirkt. Spannender ist, dass du später mit neuen Waffen und Faies Fähigkeiten in Gebiete zurückkehren kannst, die vorher nicht erreichbar waren. Dadurch bekommen alte Orte einen neuen Zweck. Du siehst eine blockierte Stelle nicht nur als Dekoration, sondern merkst dir: Hier könnte später etwas gehen.
Das passt stark zum Abenteuergefühl. Gute Belohnungen unterstützen diesen Kreislauf, weil sich Umwege nicht leer anfühlen. Wer gerne in Welten herumstöbert und kleine Abzweigungen prüft, bekommt hier viel Grund, nicht nur stur der Hauptgeschichte zu folgen.
Schwächer sind einige Nebenaufgaben. NPCs bitten dich um Hilfe, aber mehrere dieser Quests wirken eher gewöhnlich und verlieren nach einigen Stunden an Reiz. Das ist schade, weil die Welt selbst genug Charme hat. Wenn eine Nebenaufgabe nur nach Standardarbeit klingt, fällt sie neben den besseren Rätseln und Dungeons klar ab.
Als Abwechslung gibt es Faie-Challenges. Dort musst du Hindernisse mit ihren Kräften überwinden, kannst Musikstücke freischalten und auf bessere Ergebnisse spielen. Das ist kein riesiger eigener Spielteil, aber eine nette Prüfung dafür, ob du Faies Möglichkeiten wirklich beherrschst.
Schönes HD-2D trifft auf eine eher brave Geschichte
Optisch ist The Adventures of Elliot eine der klaren Stärken. Der HD-2D-Stil verbindet Pixel-Look mit moderner Auflösung, und die verschiedenen Areale heben sich gut voneinander ab. Zusammen mit dem stimmungsvollen Soundtrack entsteht oft genau die Abenteuerlust, die ein Spiel über mehrere Zeitalter braucht.
Auch die Sprachausgabe hilft. Die englische Vertonung ist gut, die japanische sogar sehr gut. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht. Wenn du viel Wert auf deutsch gesprochene Dialoge legst, solltest du das wissen.
Die Story selbst bleibt eher der unsichere Teil. Elliot hilft dem König, jagt einem Verräter nach und reist mit Unterstützung der Prinzessin durch Raum und Zeit. Das Grundgerüst trägt das Abenteuer, aber es braucht eine Weile, bis es wirklich anzieht. Viele Entwicklungen lassen sich früh erahnen, und gegen Ende gibt es ein paar Längen.
Das heißt nicht, dass die Handlung misslingt. Sympathische Figuren und die liebevolle Art, wie die Welt gezeigt wird, retten einiges. Nur sollte man hier kein Zeitreise-Abenteuer erwarten, das ständig überrascht. Die stärkeren Momente kommen eher aus den Dungeons, den Bossen und dem Gefühl, mit neuen Fähigkeiten alte Wege neu zu lesen.
Je nachdem, wie viele Nebenaufgaben und optionale Inhalte du mitnimmst, kann die Spielzeit deutlich schwanken. Bis zum großen Finale sind ungefähr bis zu 20 Stunden möglich. Das passt gut zu einem Action-RPG, das nicht endlos wirken will, aber genug Raum für Erkundung lässt.
Für wen The Adventures of Elliot passt
The Adventures of Elliot: The Millennium Tales ist am stärksten, wenn es dich mit Faie und Elliots Ausrüstung selbst arbeiten lässt. Rätsel, Erkundung und Bosskämpfe greifen dann gut ineinander. Neue Kräfte öffnen neue Wege, Kämpfe erlauben mehrere Ansätze, und die vier Zeitalter sorgen dafür, dass die Welt nicht nur Kulisse bleibt.
Wenn du vor allem eine überraschende Geschichte suchst, bekommst du eher solide Fantasy mit vorhersehbaren Wendungen. Wenn du Nebenquests liebst, die lange im Kopf bleiben, wirst du auch nicht immer glücklich. Dazu kommt die Kamera, die in Kämpfen manchmal unnötig stört.
Trotzdem bleibt ein starkes Abenteuer übrig. Faie ist mehr als nur süße Begleitung, sie ist der Grund, warum viele Rätsel und Kämpfe funktionieren. Wer HD-2D mag und Lust auf ein Action-RPG mit guter Erkundung hat, findet hier ein Spiel, das seine besten Ideen genau dann zeigt, wenn du selbst mitdenkst.