Zwei Figuren in Rüstungen sprechen vor einer Transitkarte in The Callisto Protocol
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The Callisto Protocol: Schofield kritisiert Kraftons Termindruck

Von Ramona 3 Min. Lesezeit

Glen Schofield erhebt schwere Vorwürfe gegen Krafton. Drei gestrichene Monate und eine teure PS4-Fassung sollen den schwierigen Start von The Callisto Protocol mitverursacht haben.

Glen Schofield sieht die Ursachen für den schwachen Start von The Callisto Protocol vor allem in Entscheidungen des Publishers Krafton. Der Game Director sagt, seinem Team seien während der Pandemie zunächst drei weitere Monate für die Entwicklung zugesagt worden. Später habe Krafton diese Verlängerung zurückgenommen und auf einer Veröffentlichung im Dezember 2022 bestanden.

Damit schildert Schofield einen Konflikt, der über eine gewöhnliche Terminverschiebung hinausgeht. The Callisto Protocol erschien mit technischen Problemen. Auch Teile des Nahkampfs wirkten noch nicht fertig ausgearbeitet. Nach seiner Darstellung wusste das Studio von mehreren Baustellen, bekam aber nicht genug Zeit, um sie vor dem Verkaufsstart zu beheben.

Wichtig ist dabei: Die Vorwürfe stammen von Schofield. Eine Stellungnahme von Krafton zu seinen aktuellen Aussagen liegt in den gelieferten Angaben nicht vor. Seine Schilderung erklärt also die Sicht des früheren Projektverantwortlichen, klärt die Verantwortung aber nicht endgültig.

Drei Monate hätten den Start verändert

Nach Schofields ursprünglichem Plan wäre das Horrorspiel erst im März 2023 erschienen. Die zusätzlichen Monate sollten dem Team den nötigen Feinschliff ermöglichen. Stattdessen sei er gezwungen gewesen, die Veröffentlichung früher durchzusetzen. Rückblickend macht er sich dafür auch selbst Vorwürfe, zeigt sich aber besonders wütend über die Entscheidung des Publishers.

Die Entwicklung stand damals unter außergewöhnlichem Druck. Laut Schofield erkrankten in seinem Unternehmen jeden Monat vier bis sechs Beschäftigte. An einem kleineren Standort in Spanien fiel zeitweise sogar ein komplettes Team aus, das für die Berechnung der Grafik zuständig war. Zugleich musste das ungefähr 100 Personen große Studio seine Zusammenarbeit auf das Homeoffice umstellen.

Digitale Besprechungen und regelmäßige Einzelgespräche sollten die Abstimmung sichern. Trotzdem mussten bestehende Abläufe verändert und neue Arbeitsweisen gefunden werden. Für Schofield hatte in dieser Situation die Gesundheit der Beschäftigten Vorrang. Gerade deshalb wiegt der angebliche Rückzug der bereits zugesagten Entwicklungszeit in seiner Erzählung so schwer.

Die PS4-Fassung brachte zusätzlichen Aufwand

Schofield nennt noch eine zweite Entscheidung von Krafton: The Callisto Protocol sollte auch für die PlayStation 4 erscheinen. Diese Version habe weitere Kosten von 20 Millionen US-Dollar verursacht. Außerdem musste das Studio während der weltweiten Chip-Knappheit 200 zusätzliche Entwicklergeräte beschaffen.

Das gesamte Projekt soll mehr als 160 Millionen US-Dollar gekostet haben. Diese hohe Summe macht verständlich, warum der kommerzielle Misserfolg für Publisher und Studio besonders schwer wog. Sie beweist allerdings nicht, welche einzelne Entscheidung am Ende ausschlaggebend war. Technische Mängel, spielerische Schwächen, zusätzlicher Entwicklungsaufwand und der feste Termin wirkten laut den vorliegenden Angaben zusammen.

86 Patches zeigen das eigentliche Problem

Nach der Veröffentlichung endete die Arbeit nicht. Schofield zufolge entwickelte das Team alle geplanten Zusatzinhalte fertig und brachte insgesamt 86 Patches heraus. Manche Änderungen seien klein gewesen, andere deutlich umfangreicher. Ihr gemeinsames Ziel war es, das Spiel nachträglich auf den Stand zu bringen, den das Studio eigentlich schon zum Verkaufsstart erreichen wollte.

Genau darin liegt der wichtigste Punkt seiner Kritik. Die Zahl der Updates zeigt nicht automatisch, dass drei weitere Monate sämtliche Probleme gelöst hätten. Sie macht aber deutlich, wie viel Arbeit nach dem Release noch nötig war. Ein späterer Termin hätte zumindest einen Teil dieser Verbesserungen in die erste veröffentlichte Fassung bringen können.

Schofields Aussagen liefern damit eine konkrete Erklärung dafür, warum The Callisto Protocol trotz hoher Kosten unfertig wirkte. Sie bleiben jedoch die Darstellung einer beteiligten Seite. Ohne Kraftons Antwort lässt sich nicht abschließend feststellen, wie die Terminentscheidung zustande kam und welche Zwänge der Publisher dabei sah.

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