The Witcher 3 Remastered ist ab sofort erhältlich, und CD Projekt RED hat Geralts Abenteuer deutlich stärker verändert als bei einem üblichen Grafik-Update. Neben der Optik wurden Bewegungen, das Gegnerverhalten und vor allem das Fähigkeitensystem überarbeitet. Wer das Original besitzt, erhält das Upgrade auf PS5, Xbox Series X/S und PC kostenlos. Auf Switch 2 gilt dieses Angebot nicht.
Der wichtigste Punkt dabei ist nicht einfach, dass ein bekannter Klassiker jetzt schöner aussieht. Das Studio will offenbar genau die Stellen angehen, die sich für viele Spieler schon vor Jahren weniger gut anfühlten als Geschichte, Figuren und Welt. Damit wird die Neuauflage auch für Leute interessant, die The Witcher 3 kennen, aber bei Kämpfen oder dem alten Talentbaum nie ganz warm geworden sind.
Nicht nur ein neues Bild für ein altes Spiel
Laut Senior Designer Pawel Sasko hat das Team vor der Entwicklung Rückmeldungen von Spielern und Fachpresse ausgewertet. Dabei sei ein ziemlich klares Bild entstanden: Die Handlung, Charaktere und Welt von The Witcher 3 funktionieren weiterhin, beim Gameplay sahen viele dagegen die größte Schwäche des Spiels.
Das erklärt, warum CD Projekt RED nicht bei technischen Verbesserungen stehen geblieben ist. Überarbeitete Bewegungsabläufe und ein angepasstes Gegnerverhalten sollen Kämpfe dynamischer machen. Wie groß die Änderungen im Detail ausfallen und ob sie jede frühere Kritik lösen, muss sich natürlich erst im längeren Spiel zeigen. Bestätigt ist aber: Die Neuauflage will das Spielgefühl verändern, nicht bloß bekannte Szenen schärfer darstellen.
Für Rückkehrer kann das wichtiger sein als neue Texturen. Gerade bei einem sehr langen Rollenspiel entscheidet der Alltag zwischen den großen Story-Momenten darüber, ob man weiterspielt. Wenn Kämpfe flüssiger wirken und Entscheidungen im Ausbau mehr bedeuten, verändert das viele Stunden eines Durchlaufs.
Der Talentbaum soll mehr Entscheidungen bieten
Besonders deutlich wird der neue Ansatz beim Fähigkeitensystem. Das bisherige System bestand laut Sasko zu stark aus passiven Prozentboni. Die Remastered-Version setzt stattdessen stärker auf aktive Fähigkeiten, die im Kampf direkt spürbar sein sollen.
Die Idee kennt das Studio bereits aus dem 2.0-Update für Cyberpunk 2077. Ganz übertragen ließ sie sich aber nicht. In Cyberpunk können Spieler sehr unterschiedliche Figuren und Spielstile bauen. The Witcher bleibt dagegen an Geralt als festgelegten Helden gebunden. Aus ihm soll also kein völlig anderer Charakter werden, aber Spieler sollen offenbar stärker entscheiden können, wie sich ihr Geralt im Kampf anfühlt.
Das ist ein sinnvoller Unterschied. Ein neuer Talentbaum wäre wenig wert, wenn er nur mehr Zahlen zum Verteilen anbietet. Aktive Fähigkeiten können dagegen dafür sorgen, dass zwei Spielstände trotz derselben Hauptfigur anders gespielt werden. Ob das wirklich genug Auswahl für verschiedene Vorgehensweisen bringt, bleibt eine der spannendsten offenen Fragen der Neuauflage.
Ein Projekt mit längerer Vorgeschichte
Die ersten Überlegungen für das Remaster reichen laut Sasko bis 2022 zurück. Damals erschien das Next-Gen-Update für The Witcher 3, und intern wurde bereits darüber gesprochen, welche Systeme mit der Zeit rostig geworden waren. Aus diesen Gesprächen entstand nun nicht nur die umfassendere Neuauflage. Sie legten demnach auch einen Grundstein für die dritte Story-Erweiterung Songs of the Past, die im nächsten Jahr erscheinen soll.
Dass The Witcher 3 Remastered direkt zum Release bei Metacritic an die Spitze des Jahres kletterte, zeigt zumindest eine starke erste Resonanz. Wichtiger für viele Spieler dürfte aber sein, ob die Änderungen auch nach den ersten beeindruckenden Stunden tragen. CD Projekt RED hat sich nicht dafür entschieden, einen Klassiker einfach zu konservieren. Das Studio versucht, seine alten Stärken mit einem Spielgefühl zu verbinden, das weniger nach Vergangenheit aussieht.