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Tomb Raider King: Starker Start mit Spannungsproblemen

Von Sven 5 Min. Lesezeit

Ryoga kennt die Zukunft und nutzt das eiskalt aus. Das macht den Start von Tomb Raider King spannend, nimmt den ersten Gefahren aber auch Druck.

„Tomb Raider King“ startet mit einer Idee, die sofort zieht: Plötzlich tauchen überall auf der Welt Gräber auf, in denen mächtige Relikte liegen. Wer sie bekommt, bekommt Macht. Natürlich bleibt so etwas nicht lange geheim, und genau daraus baut die Serie ihren Wettlauf.

Nach den ersten zwei Episoden wirkt der Anime wie ein Fantasy-Actionabenteuer mit einem ziemlich starken Haken. Der Hauptcharakter Ryoga Goriki, in der südkoreanischen Manhwa-Vorlage Joo-Heon genannt, stirbt zuerst in einem Grab und wacht dann 15 Jahre früher wieder auf. Er weiß also, was passieren wird. Das gibt ihm einen riesigen Vorteil, macht die Spannung aber auch schwieriger.

Der Held ist hier nicht wirklich heldenhaft

Spannend ist vor allem, dass „Tomb Raider King“ seinen Hauptcharakter nicht als netten Retter aufbaut. Ryoga wirkt in den ersten Folgen eher wie jemand, der eine offene Rechnung nach der anderen abarbeiten will. Er wurde in seinem früheren Leben offenbar von mehreren Menschen hintergangen. Jetzt will er sein Zukunftswissen nutzen, um sich zu rächen und selbst an die Spitze zu kommen.

Das macht ihn nicht automatisch sympathisch. Genau das kann aber gut funktionieren, wenn die Serie dranbleibt. Ryoga ist berechnend, manchmal rücksichtslos und klar auf seinen eigenen Vorteil aus. Er ist kein strahlender Held, der zufällig in eine gefährliche Welt stolpert. Er weiß mehr als fast alle anderen und setzt dieses Wissen bewusst ein.

Dieser Ansatz hilft „Tomb Raider King“, nicht nur wie ein weiterer Anime über mysteriöse Orte, besondere Kräfte und ein stärker werdendes Hauptduo zu wirken. Auch wenn der Vergleich mit „Solo Leveling“ naheliegt, weil ebenfalls plötzlich gefährliche Orte auftauchen und der Protagonist besondere Nachrichten sowie Fähigkeiten erhält, fühlt sich Ryogas Motivation anders an. Er will nicht einfach überleben. Er will gewinnen.

Das Zukunftswissen ist cool, nimmt aber Druck raus

Der größte Vorteil der Serie ist gleichzeitig ihr erstes Problem. Ryoga kennt wichtige Ereignisse bereits, weil er aus einer gescheiterten Zukunft kommt. Dadurch kann er Fallen umgehen, Menschen einschätzen und früher zugreifen als alle anderen. Für so eine Geschichte ist das ein starker Startpunkt, weil man direkt versteht, warum er gefährlich werden kann.

Nur braucht ein Abenteuer trotzdem Gegner und Situationen, die wirklich bedrohlich wirken. In den ersten beiden Episoden klappt das noch nicht immer. Wenn Ryoga ein Grab betritt und gegen ein Relikt in Form einer riesigen Schlange kämpft, kommt er kaum ernsthaft in Bedrängnis. Das Monster wirkt dabei nicht wie ein Feind, der ihn an seine Grenzen bringt.

Das ist wichtig, weil die Serie sonst Gefahr läuft, ihren eigenen Nervenkitzel zu verlieren. Wenn der Hauptcharakter fast alles besser weiß und die Gegner ihm wenig entgegensetzen, schaut man eher zu, wie ein Plan abgearbeitet wird. Das kann kurz Spaß machen, weil Ryoga clever und selbstsicher auftritt. Auf Dauer braucht die Serie aber Situationen, die er nicht vorhersehen kann.

Genau dort liegt auch die beste offene Frage für die nächsten Folgen. Was passiert, wenn Ryogas Wissen nicht mehr reicht? Wenn sich Dinge verändern, weil er zu früh eingreift? Oder wenn ein Relikt auftaucht, das sich nicht so einfach ausrechnen lässt? Dann könnte aus dem guten Grundgedanken deutlich mehr Spannung entstehen.

Kämpfe mit Luft nach oben, Musik mit Stärke

Bei den Actionszenen zeigt „Tomb Raider King“ bisher gemischte Seiten. Einige Momente können Ryogas Kraft gut zeigen, zum Beispiel ein Kampf gegen Gangster. Trotzdem wirken die Bewegungen in den ersten Folgen nicht immer so lebendig, wie es die gefährlichen Gräber und Relikte eigentlich vertragen würden.

Das verantwortliche Studio EEK gibt mit der Serie sein großes Debüt. Die Arbeit wirkt insgesamt ordentlich, aber noch nicht so stark, dass jeder Kampf sofort mitreißt. Gerade weil die Geschichte viel über Macht, Relikte und gefährliche Orte erzählt, wären klarere Bedrohungen und wuchtigere Kämpfe wichtig. Sonst fühlt sich ein Grab schnell weniger gefährlich an, als es in der Handlung sein soll.

Besser trifft die Serie bisher ihren Ton über die Musik. Die Begleitung passt zu den mysteriösen Seiten der Geschichte, und auch das Opening setzt mit seinem rockigen Klang direkt auf Abenteuer und Tempo. Dazu kommt Yoshimasa Hosoya als japanische Stimme von Joo-Heon. Er bringt sowohl die ruhige, planende Seite als auch die aufbrausenden Momente der Figur gut rüber.

Wichtig für alle, die lieber auf Deutsch schauen: Eine deutsche Synchronfassung ist bestätigt, hat aber noch keinen Starttermin. Wer jetzt direkt reinschauen will, ist bei den ersten Folgen auf den japanischen Originalton mit Untertiteln angewiesen.

Warum ich trotzdem neugierig bleibe

„Tomb Raider King“ hat nach zwei Episoden genug Ideen, um dranzubleiben. Die Gräber und Relikte geben der Welt schnell ein klares Ziel: Wer zuerst da ist und das richtige Objekt bekommt, hat einen Vorteil. Dazu kommt ein Hauptcharakter, der nicht lieb sein will und seine zweite Chance ziemlich kalt nutzt.

Noch fehlt aber der Moment, in dem die Serie richtig gefährlich wirkt. Ryoga darf stark sein. Er darf schlauer sein als andere. Aber wenn er zu früh zu sicher durch jede Bedrohung geht, verliert der Wettlauf um die Relikte an Druck.

Als Vorschau auf das, was kommen könnte, ist der Start trotzdem interessant. „Tomb Raider King“ muss jetzt zeigen, dass Ryogas Wissen nicht jede Gefahr aushebelt. Wenn die nächsten Folgen ihn mit Dingen konfrontieren, die er nicht kennt oder nicht kontrollieren kann, könnte aus dem starken Grundgedanken ein deutlich spannenderes Fantasy-Abenteuer werden.

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