Benson Russell sieht in den großen Momenten von Uncharted 2: Among Thieves auch ein Problem für den Nachfolger. Der frühere Game Designer von Naughty Dog erklärt, dass das Team bei Uncharted 3: Drake’s Deception unbedingt noch spektakulärere Szenen liefern wollte.
Das klingt erst mal logisch. Nach dem Erfolg von Uncharted 2 wollte niemand kleiner denken. Laut Russell führte dieser Druck aber dazu, dass zu viele große Ideen gleichzeitig ins Spiel kamen.
Viele Ideen blieben nicht auf dem Zettel
Für Uncharted 3 sammelte das Team in einem Brainstorming etwa zehn bis zwölf Ideen für Action-Szenen. Geplant war wohl, später nur die vier besten davon auszuwählen.
Dieser Schritt passierte nach Russells Erinnerung aber nicht. Stattdessen ging das Team davon aus, möglichst alle Szenen umzusetzen. Dazu gehörten Abschnitte mit einem Frachtflugzeug, Jeeps und eine Reise durch die Wüste auf Pferden.
Gerade das zeigt ein bekanntes Problem bei großen Fortsetzungen. Ein Hit erzeugt Erwartungen. Dann wirkt es schnell riskant, etwas ruhiger zu werden oder Ideen wegzulassen. Doch mehr Action bedeutet nicht automatisch ein besseres Spiel.
Russell meint, Uncharted 3 habe unter dieser Menge gelitten. Seine Aussage ist dabei kein neues offizielles Urteil über das Spiel. Es ist der Rückblick eines Designers, der an den ersten drei Teilen gearbeitet hat. Das vollständige Interview mit Russell erklärt seine Sicht ausführlicher.
Die Geschichte musste den Szenen folgen
Besonders schwierig wurde es für das Autorenteam um Amy Hennig. Die großen Action-Abschnitte standen laut Russell bereits fest. Danach musste die Handlung Wege finden, sie alle sinnvoll zu verbinden.
Als Beispiel nennt er das Schiff im Spiel. Damit diese Szene in die Geschichte passte, brauchte die Handlung Piraten und einen Anführer für sie. Für Fans ist das spannend, weil es zeigt, wie anders Spiele entstehen können, als man es beim Spielen vermutet.
Normalerweise sollen Handlung, Orte und Figuren eine Szene tragen. In diesem Fall mussten Teile der Geschichte offenbar erst nachträglich zu den geplanten Höhepunkten passen. Das kann funktionieren. Es kann aber auch dazu führen, dass sich ein Abenteuer eher wie eine Reihe großer Momente anfühlt.
Uncharted 3: Drake’s Deception erschien 2011. Über die Uncharted: The Nathan Drake Collection ist es auf PS4 und PS5 spielbar. Russells Rückblick macht vor allem klar: Der Erfolg eines Vorgängers kann ein Team auch unter Druck setzen. Manchmal ist es mutiger, nicht jede gute Idee einzubauen.