Matt Radford, früherer VFX-Artist bei Naughty Dog, hat weitere Details zu einer frühen Fassung von Uncharted 4: A Thief’s End erzählt. Der auffälligste Punkt: Sam sollte damals offenbar nicht Nathans Bruder sein, sondern als Bösewicht auftreten.
Radford arbeitete schon an dem Projekt, als Amy Hennig noch die Leitung innehatte. Seine Schilderungen zeigen vor allem, wie weit die frühe Idee noch von dem Spiel entfernt war, das 2016 veröffentlicht wurde. Das ist spannend, weil Sam in der fertigen Geschichte eine zentrale Rolle dabei hat, Nathan wieder in die Schatzsuche hineinzuziehen.
Sam war offenbar eine völlig andere Figur
Nach Radfords Erinnerung war Sam zwar bereits Teil von Hennigs Konzept, aber kaum mit der späteren Version vergleichbar. Er soll anders angelegt gewesen sein, von einem anderen Schauspieler gespielt worden sein und als Gegenspieler fungiert haben. Für diese frühe Rolle war laut Radford Todd Stashwick besetzt.
Das ist mehr als eine kleine Änderung an einer Nebenfigur. Wenn Sam nicht als wiederaufgetauchter Bruder, sondern als Gegner geplant war, hätte sich auch Nathans persönlicher Antrieb stark verändert. Die fertige Geschichte setzt darauf, dass die beiden Brüder eine gemeinsame Vergangenheit haben. Mit einem feindlichen Sam wäre der Konflikt wahrscheinlich viel direkter gewesen.
Radford beschrieb außerdem eine sehr frühe Greenlight-Demo, die auf einem PC mit ungefähr einem Bild pro Sekunde lief. Das macht klar, wie unfertig diese Phase noch war. Aus einer solchen Demo lässt sich deshalb nicht sicher ableiten, wie ein komplettes Spiel nach Hennigs Plan ausgesehen hätte.
Die Änderung war Teil eines größeren Umbaus
Amy Hennig verließ Naughty Dog 2014. Danach übernahmen Neil Druckmann und Bruce Straley die Entwicklung von Uncharted 4. Die neue Rolle für Sam war laut Radfords Erinnerungen Teil einer umfassenderen Überarbeitung des Projekts.
Radford betont dabei, dass seine Aussagen kein Urteil darüber sein sollen, welche Fassung besser gewesen wäre. Hennigs Ansatz fand er nach eigener Aussage sehr interessant. Gleichzeitig mochte er auch das veröffentlichte Spiel und dessen Geschichte.
Für Fans ist das vor allem ein seltener Blick darauf, wie früh Konzepte bei großen Spielen noch kippen können. Figuren, Besetzung und ihre Beziehung zueinander können sich komplett ändern, bevor ein Projekt seine endgültige Richtung findet. Die alte Version von Uncharted 4 bleibt damit eine spannende Möglichkeit, aber kein verlorenes fertiges Spiel, das man einfach mit der bekannten Fassung vergleichen könnte.