Bulkhead-Chef Joe Brammer hat ungewöhnlich offen erklärt, welche Haltung sein Studio von Bewerbern erwartet: Crunch soll zwar möglichst vermieden werden, sei bei der Entwicklung aber irgendwann Teil der Arbeit. Wer sich grundsätzlich dagegen positioniert, passt nach seiner Aussage nicht zu Bulkhead.
Besonders deutlich ist dabei der Umgang mit öffentlichen Posts. Brammer sagt, das Studio prüfe Social-Media-Profile. Wiederholte Beiträge gegen Crunch wertet Bulkhead demnach als Zeichen dafür, dass jemand dort nicht zufrieden wäre. Eine Einstellung kommt in solchen Fällen laut Brammer meist gar nicht zustande.
Die Haltung ist Teil des Bewerbungsprozesses
Damit geht es nicht nur darum, ob ein Team in einer stressigen Phase länger arbeitet. Bulkhead macht die Bereitschaft dazu offenbar schon bei Bewerbungen zu einem Auswahlpunkt.
Brammer beschreibt das Studio als Ort für Leute, denen Arbeit und Ergebnis sehr wichtig sind. Seine Aussage zeigt aber auch die andere Seite: Wer Grenzen bei Überstunden zieht, hat dort offenbar schlechte Karten. Für Entwicklerinnen und Entwickler ist das wichtig, weil die Erwartungen nicht erst kurz vor einem Release auftauchen sollen, sondern schon vorher klar sind.
Die vollständigen Aussagen stehen im Interview mit The Game Business.
Boni gibt es nicht für alle
Als Ausgleich verweist Brammer auf Unternehmensanteile und Boni. Eine nicht genannte Zahl von Mitarbeitenden soll daran beteiligt sein und nach seiner Darstellung größere Summen erhalten. Gerade jüngere Leute, die seit zwei oder drei Jahren bei Bulkhead arbeiten, könnten damit etwa eine Anzahlung für ein Haus schaffen.
Das klingt für die Betroffenen natürlich stark. Gleichzeitig betrifft dieses Modell nicht automatisch das ganze Studio. Wie viele Beschäftigte Anteile besitzen, wie die Auswahl funktioniert und wie hoch die Zahlungen wirklich sind, hat Brammer nicht erklärt.
Warum die Aussagen kritisch gesehen werden können
Die Bonuspläne stehen außerdem neben einer anderen Zahl: Bei Bulkhead gab es laut Brammer in den vergangenen sechs Jahren jedes Jahr Entlassungen. Insgesamt soll das etwa 20 Prozent der Belegschaft betroffen haben.
Dadurch wirkt die Sache weniger einfach als „harte Arbeit wird belohnt“. Wer von Anteilen profitiert, kann viel gewinnen. Andere Mitarbeitende haben diese Möglichkeit nicht, während das Studio gleichzeitig Stellen abgebaut hat. Bulkhead legt damit offen eine Arbeitskultur fest, die viele Entwickler vermutlich abschreckt, statt sie zu überzeugen.
Für Wardogs-Fans ändert das nicht direkt, was im Spiel steckt. Die Aussagen zeigen aber, welche Bedingungen der Studiochef hinter dem Erfolg des Shooters für akzeptabel hält.