CD Projekt RED will mit The Witcher 4 und der nächsten Fortsetzung zu Cyberpunk 2077 auf die Unreal Engine 5 setzen. Der Wechsel weg von der eigenen REDengine ist dabei nach Angaben von Co-CEO Michal Nowakowski nicht einfach eine verspätete Reaktion auf den schwierigen Start von Cyberpunk 2077.
Wichtiger ist offenbar eine andere Entscheidung: Das Studio möchte künftig weniger Ressourcen in den Bau und die Pflege eigener Technik stecken. Diese Zeit und dieses Budget sollen stattdessen dabei helfen, neue Spiele und Geschichten zu entwickeln. Für Fans ist das mehr als ein technisches Detail, denn es erklärt, wie CD Projekt RED seine großen Rollenspiele künftig planen will.
Die REDengine war nicht das eigentliche Problem
Die REDengine prägte die Spiele des Studios über viele Jahre, darunter The Witcher 2, The Witcher 3 und Cyberpunk 2077. Nach dessen Veröffentlichung lag die Vermutung nahe, dass die Technik wegen der Probleme zum Launch ausgetauscht werde.
Nowakowski widerspricht dieser einfachen Erklärung. Die Schwierigkeiten bei Cyberpunk 2077 seien nicht grundsätzlich aus der Engine entstanden. Entscheidend seien vielmehr die Größe und Komplexität des Projekts gewesen, besonders die Arbeit an einer dicht besiedelten Science-Fiction-Stadt, wie sie das Studio zuvor nicht entwickelt hatte.
Das nimmt die Probleme des Launchs nicht aus der Geschichte. Es verschiebt aber den Blick darauf. Eine eigene Engine allein löst keine komplizierten Entwicklungsabläufe. Umgekehrt kann auch ein bewährtes Werkzeug an einem Projekt scheitern, das in vielen Bereichen neu für ein Team ist.
Eine Demo gab den Anstoß
Den entscheidenden Impuls für den Wechsel lieferte laut Nowakowski Epics Tech-Demo The Matrix Awakens, die Ende 2021 gezeigt wurde. Sie machte für CD Projekt RED sichtbar, welches Potenzial die Unreal Engine 5 haben könnte.
Gleichzeitig war die Basisversion der Engine nach Einschätzung des Studios noch nicht passend für ein großes Open-World-Rollenspiel mit umfangreichen Queststrukturen. CD Projekt RED entschied sich deshalb nicht dafür, ein fertiges Standardwerkzeug einfach zu übernehmen. Stattdessen arbeitet das Unternehmen mit Epic daran, die Unreal Engine 5 für die eigenen Anforderungen anzupassen.
Nowakowski beschreibt diese Zusammenarbeit als ungewöhnlich eng. Neben Epic beschäftige sich nur CD Projekt RED selbst mit den tieferen technischen Bereichen der Engine. Das ist wichtig, weil The Witcher 4 offenbar nicht nur auf einer bekannten Technik laufen soll, sondern auf einer Variante, die gezielt für die Art von Spielen des Studios erweitert wird.
Mehr Spiele statt eigener Grundtechnik
Hinter der Entscheidung steht laut Nowakowski auch eine klare Priorität. CD Projekt RED wollte vor allem technisch und optisch starke Spiele machen, um Geschichten überzeugend zu erzählen. Eine eigene Technologie zu entwickeln, sei dagegen nie das Hauptziel des Unternehmens gewesen.
Der Wechsel kann dem Studio daher helfen, Kosten und Arbeit für die langfristige Instandhaltung einer hauseigenen Engine zu sparen. Das bedeutet nicht automatisch, dass neue Spiele schneller fertig werden oder weniger Probleme haben. Die Entwicklung großer Rollenspiele bleibt aufwendig, besonders wenn offene Welten und viele Quests zusammenkommen.
Trotzdem ist die Richtung deutlich: CD Projekt RED setzt auf eine gemeinsame technische Basis und hofft, dadurch mehr Projekte umsetzen zu können. The Witcher 4 wird dabei zum ersten großen Test dieser Strategie. Das Studio peilt derzeit das Jahr 2028 für die Veröffentlichung an. Die Fortsetzung zu Cyberpunk 2077 befindet sich bereits in der Vorproduktion und wird laut den vorliegenden Angaben nicht vor 2030 erwartet.
Für Spieler zählt am Ende nicht der Name der Engine, sondern ob Welten, Quests und Geschichten zusammenpassen. Der aktuelle Kurs zeigt aber, dass CD Projekt RED diese Aufgabe künftig nicht mehr allein mit einer selbst gebauten technischen Grundlage lösen möchte.