Die Schauplätze von Silent Hill f und dem Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake liegen beide in der japanischen Shōwa-Zeit. Dahinter steckt aber nicht bloß der Wunsch nach alten Häusern, ländlichen Bräuchen und fehlender Technik. Die Entwickler Motoi Okamoto und Makoto Shibata beschreiben die Epoche als wichtigen Teil davon, wie ihre Horrorgeschichten überhaupt funktionieren können.
Für Spielerinnen und Spieler ist das ein interessanter Blick auf zwei Reihen, in denen Geister nicht nur Monster sind. Die gewählte Zeit macht verständlicher, warum Figuren an bestimmten Regeln festhalten, warum alte Erzählungen noch bedrohlich wirken und weshalb besonders die Schicksale von Frauen in diesen Geschichten so viel Raum einnehmen.
Zwei Spiele, zwei Gründe für die Shōwa-Zeit
Makoto Shibata entschied sich beim Remake von Fatal Frame II: Crimson Butterfly für die 1980er-Jahre. Ein praktischer Grund war, eine Welt ohne Mobiltelefone zu zeigen. Wer allein in einem abgelegenen Ort unterwegs ist, kann nicht einfach Hilfe rufen, Fotos verschicken oder Informationen im Netz suchen. Das verändert direkt, wie ausgeliefert sich Figuren fühlen können.
Shibata verbindet diese frühere Zeit aber auch mit einer besonderen Art von Horror. Aus heutiger Sicht wirke die frühe Shōwa-Zeit fast selbst schon fantastisch. Die Technik, die den japanischen Horror der 1990er-Jahre stark geprägt hat, fehlt noch. Damals wurde moderne Kommunikation selbst oft zum Auslöser für unheimliche Geschichten. Ältere Erzählungen setzen stattdessen stärker auf Orte, Erinnerungen und Dinge, die in einer Gemeinschaft weitergegeben werden.
Motoi Okamoto wählte für Silent Hill f die 1960er-Jahre. Für ihn war wichtig, dass übernatürliche Wesen und alte Volksglauben in diesem Umfeld glaubwürdiger zum Alltag gehören konnten. Legenden über Yōkai verschwanden zu dieser Zeit zwar langsam aus dem täglichen Leben, waren aber noch nicht so weit weg, dass sie nur wie ferne Folklore wirken mussten.
Dadurch kann ein japanisches Dorf mit seinen Regeln und Geschichten eine ähnliche Rolle spielen wie ein abgelegenes Schloss im klassischen Gothic-Horror. Nicht ein modernes Rätsel muss den Schrecken erklären, sondern ein Ort, der nach eigenen, alten Vorstellungen lebt.
Die Vergangenheit macht Konflikte konkreter
Für Silent Hill f wurde die Zeit auch wegen des zentralen Themas Ehe wichtig. Drehbuchautor Ryukishi07 schlug dieses Thema vor. Okamoto erkannte darin schließlich viel Stoff für die Geschichte, weil arrangierte Ehen in den 1960er-Jahren noch verbreitet waren.
Dabei geht es nicht darum, die damalige Zeit einfach als Kulisse für ein Horrorspiel zu benutzen. Die 1960er-Jahre standen laut Okamoto für einen Wandel: Bewegungen für die gesellschaftlichen Rechte von Frauen wurden wichtiger, während traditionelle Vorstellungen noch nicht verschwunden waren. Gerade diese Reibung kann erklären, warum sich Figuren gefangen fühlen oder gegen Erwartungen kämpfen müssen.
Das passt zu einem Horror, der nicht nur von einem einzelnen Schock lebt. Wenn die Regeln eines Ortes und einer Familie Druck auf Menschen ausüben, wird das Übernatürliche zu mehr als einer Bedrohung im Hintergrund. Es kann die Folgen von Angst, Wut und Ungerechtigkeit sichtbar machen.
Warum die Geister oft Frauen sind
Shibata sieht die vielen weiblichen Geister im japanischen Horror eng mit gesellschaftlicher Unterdrückung verbunden. Häufig handelt es sich um Frauen, die unschuldig leiden mussten und getötet wurden. Ihre Macht nach dem Tod steht im harten Gegensatz dazu, wie wenig Schutz oder Einfluss sie zu Lebzeiten hatten.
Genau deshalb wirken diese Figuren nicht nur bedrohlich. Ihre Geschichten tragen oft auch Trauer in sich. In Fatal Frame lassen sich solche Geister nicht einfach durch Gewalt ausschalten. Die meist weiblichen Hauptfiguren müssen verstehen, was diesen Seelen passiert ist, und sich ihren Geschichten stellen, damit sie Frieden finden können.
Die Aussagen von Okamoto und Shibata zeigen damit einen gemeinsamen Punkt: Die Shōwa-Zeit soll den Horror nicht bloß älter aussehen lassen. Sie schafft eine Welt, in der Volksglauben, familiäre Erwartungen und gesellschaftliche Zwänge direkt in die Geschichte eingreifen. Bei Silent Hill f und Fatal Frame steckt hinter dem Schrecken deshalb oft ein menschliches Schicksal, das nicht vergessen werden kann.