Wonder Man steht in einer Jeansjacke vor einer Ziegelwand und blickt ernst.
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Wonder Man im Seriencheck: Starke Darsteller, zu wenig Tiefgang

Von Sven 7 Min. Lesezeit

Wonder Man lebt von Yahya Abdul-Mateen II und Ben Kingsley. Die Marvel-Serie hat starke Szenen, bleibt bei Simon Williams aber zu oft an der Oberfläche.

Wonder Man hat eine gute Idee für eine Marvel-Serie: Statt wieder nur auf große Kämpfe und Effekte zu setzen, schaut die Serie auf einen Schauspieler, der unbedingt in Hollywood ankommen will. Simon Williams liebt Filme seit seiner Kindheit. Er will nicht einfach berühmt sein, sondern Teil dieser Welt werden, die ihn schon lange beschäftigt.

Genau daraus entsteht der spannendste Teil der Serie. Wonder Man ist am stärksten, wenn Simon und Trevor Slattery miteinander reden, zweifeln und sich gegenseitig antreiben. Yahya Abdul-Mateen II und Ben Kingsley machen diese Szenen richtig stark. Das Problem ist nur: Die Serie zeigt viele interessante Probleme, wechselt dann aber oft zu schnell zum nächsten Thema.

Alle acht Folgen von Wonder Man wurden für den 28. Januar 2026 bei Disney+ angekündigt. Sie gehören zum Marvel-Spotlight-Banner, sollen also deutlich eigenständiger funktionieren als viele andere Marvel-Serien. Das klappt hier besser als bei manchen früheren Ablegern, ganz ohne Vorwissen ist die Serie aber nicht. Iron Man 3 hilft vor allem dabei, Trevor Slattery richtig zu verstehen.

Simon Williams bleibt zu oft auf Abstand

Simon Williams ist kein klassischer Marvel-Held, der seine Kräfte entdeckt und sofort weiß, wofür er sie einsetzen will. Er ist Schauspieler, hat kleinere Rollen bekommen und wartet immer noch auf den großen Durchbruch. Als Trevor ihm von einem neuen Wonder-Man-Film erzählt, sieht Simon seine Chance. Für ihn ist das nicht irgendein Casting. Er hängt persönlich an der Figur und will unbedingt dabei sein.

Das ist ein guter Start. Simon ist nervös, sehr genau und manchmal so auf Details fixiert, dass er sich selbst im Weg steht. Trevor hilft ihm beim Casting und gibt ihm Tipps. Ganz ehrlich ist diese Hilfe aber nicht: Simon könnte wegen seiner Kräfte eine Gefahr für sich und andere sein. Darum soll Trevor ihn beobachten und herausfinden, ob die Lage schlimmer wird.

Auf dem Papier steckt darin viel Spannung. Simon will gesehen werden, hat aber Angst, die Kontrolle zu verlieren. Er braucht Nähe, stößt Menschen aber weg. Seine Freundin trennt sich von ihm, weil sie nicht wirklich zu ihm durchkommt. Auch andere Beziehungen leiden darunter, dass Simon Fehler nicht richtig annimmt und selten ehrlich öffnet, was in ihm los ist.

Genau hier hätte Wonder Man stärker sein müssen. Die Serie zeigt, dass Simon verletzt, überfordert und gefährlich sein kann. Sie lässt aber zu viele wichtige Fragen offen. Seine Vergangenheit bleibt an mehreren Stellen zu blass. Dadurch versteht man zwar, was gerade passiert, aber nicht immer, warum es Simon so tief trifft. Wenn eine Szene nach mehr schreit, bricht die Serie manchmal zu früh ab. Dann geht Simon raus, die Handlung springt weiter, und der Moment hängt in der Luft.

Das macht ihn nicht schlecht geschrieben in jeder Szene. Abdul-Mateen II spielt Simon mit viel Energie und Druck. Man spürt, dass in dieser Figur etwas arbeitet. Aber eine starke Darstellung kann nicht alles ersetzen. Wenn die Geschichte nicht genug von Simon freilegt, bleibt er als Hauptfigur manchmal weiter weg, als es gut für die Serie ist.

Trevor Slattery ist mehr als nur ein Witz

Die größte Stärke von Wonder Man ist die Beziehung zwischen Simon und Trevor. Das ist keine normale Buddy-Dynamik, bei der zwei Figuren sich erst anzicken und dann als Team funktionieren. Die Verbindung entsteht über Schauspielerei. Beide lieben diesen Beruf, beide nehmen ihn ernst, und beide bringen ihre eigenen Unsicherheiten mit.

Ben Kingsley bekommt dadurch deutlich mehr zu tun, als nur eine bekannte Nebenfigur wieder hervorzuholen. Trevor wirkt hier nicht wie eine Karikatur, sondern wie jemand, der viel erlebt hat und trotzdem noch immer an der Bühne, an Rollen und an der Arbeit vor der Kamera hängt. Das tut der Serie gut, weil sie in diesen Momenten ruhiger und genauer wird.

Wonder Man setzt hier nicht ständig auf typische Superhelden-Action. Die besten Szenen brauchen keine riesigen Effekte. Zwei Schauspieler reden über ihren Beruf und verraten dabei auch etwas über sich selbst. Das ist zwar kleiner als ein großer Marvel-Kampf, aber oft viel spannender und fühlt sich nicht wie jede andere Marvel-Serie an.

Yahya Abdul-Mateen II und Ben Kingsley passen stark zusammen. Abdul-Mateen II spielt Simon angespannt, suchend und manchmal fast zu sehr unter Strom. Kingsley hält dagegen mit einem Trevor, der mehr Ruhe hat, aber auch nicht einfach durchschaubar ist. Wenn Wonder Man bei diesen beiden bleibt, versteht man, warum die Serie so viel Lob bekommen hat.

Hollywood-Spott mit guten Momenten, aber zu wenig Biss

Wonder Man will auch eine Serie über Hollywood sein. Es geht um Castings, Superheldenfilme, Eitelkeit und die komischen Seiten der Unterhaltungsbranche. Dafür nutzt die Serie bekannte Typen wie einen abgedrehten Regisseur oder einen schmierigen Reporter. Daraus entstehen einige witzige Szenen, und die Comedy funktioniert insgesamt öfter, als sie danebenliegt.

Trotzdem bleibt auch dieser Teil etwas zu vorsichtig. Die Serie kennt viele nervige Seiten der Branche, macht aber nicht genug daraus. Gerade weil Simon selbst Schauspieler ist und Trevor eine sehr besondere Marvel-Vergangenheit hat, hätte der Hollywood-Teil viel bissiger sein können.

Wonder Man will damit zwei Dinge gleichzeitig erzählen: Simons persönliche Geschichte und eine Serie über Marvel, Hollywood und Superheldenfilme. Beides passt eigentlich zusammen. Die acht Folgen bleiben bei beiden Themen aber nicht lange genug dran.

Das ist schade, weil der Grundgedanke frisch ist. Wonder Man muss nicht die nächste Serie sein, in der am Ende alles nur auf den größten Kampf zuläuft. Der Blick auf Schauspieler, Rollenbilder und Fanliebe wäre stark genug. Aber dafür müsste die Serie ihren Figuren und ihrem Spott mehr Zeit geben, statt wichtige Stellen schnell abzuschneiden.

Der Mittelteil bremst die acht Folgen aus

Wonder Man startet stark. Die Ausgangslage ist klar, Simon hat ein Ziel, Trevor bringt Unsicherheit in die Sache, und im Hintergrund liegt die Frage, was mit Simons Kräften wirklich los ist. Ab der vierten Episode verliert die Serie aber spürbar Tempo. Das ist ein Problem, das schon mehrere Marvel-Serien hatten.

Man merkt auch hier, dass die acht Folgen nicht immer wie eine echte Fernsehstaffel wirken. An manchen Stellen fühlt sich Wonder Man eher wie ein längerer Film an, der in Stücke geteilt wurde. Das ist wichtig, weil Serien anders funktionieren sollten. Eine Folge braucht nicht nur Handlung, sondern auch einen eigenen kleinen Grund, warum sie genau so endet und warum die nächste weitermacht.

Wonder Man schafft das nicht durchgehend. Einige Folgen tragen ihre Szenen gut, andere wirken eher wie Übergänge. Dadurch hängt der Mittelteil, obwohl die Schauspieler weiter stark bleiben. Besonders nach dem guten Start fällt das auf.

Die Bösewichte helfen dabei kaum. Sie bleiben eher dünn und sind nicht der Grund, warum man weiterschaut. Interessanter ist die Gefahr in Simon selbst: Was passiert, wenn ihm alles zu viel wird? Wie stark sind seine Kräfte wirklich? Und wer entscheidet, ob er Hilfe braucht oder kontrolliert werden muss? Diese Fragen sind viel spannender als die Gegenspieler, bekommen aber nicht immer die klare Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Für wen Wonder Man passt

Wenn du bei Marvel vor allem große Action, viele bekannte Helden und starke Verbindungen zum größeren Universum suchst, könnte Wonder Man eher ungewohnt wirken. Die Serie ist kleiner, stärker auf Schauspiel und Gespräche gebaut und weniger auf laute Schauwerte. Gerade das ist aber auch ihr bester Punkt.

Für alle, die Trevor Slattery nach Iron Man 3 interessanter finden wollten, lohnt sich der Blick besonders. Ben Kingsley bekommt Raum, die Figur nicht nur als Witz zu spielen. Auch Yahya Abdul-Mateen II gibt Simon genug Kraft, damit man sehen kann, was Wonder Man hätte sein können, wenn die Serie mutiger in seine Geschichte gegangen wäre.

Am Ende bleibt eine Marvel-Serie mit starken Darstellern, einem gut passenden Duo und einer eigenen Idee. Sie ist nicht die große Rettung für alle Marvel-Serien, dafür lässt sie zu viel liegen. Austauschbar ist sie aber auch nicht. Wonder Man zeigt, dass Marvel mit kleineren und schrägeren Geschichten noch überraschen kann. Die Serie müsste nur länger bei den schwierigen Stellen bleiben.

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