Andrew Willis, früher bei id Software tätig und an Doom beteiligt, kritisiert die Strategie hinter dem Xbox Game Pass deutlich. Sein Hauptpunkt ist dabei nicht, dass ein Spiele-Abo grundsätzlich falsch sei. Er bezweifelt vielmehr, dass Microsoft klar festgelegt hat, woran der Dienst und die darin veröffentlichten Spiele überhaupt gemessen werden.
Das ist für Spieler wichtig, weil solche Vorgaben beeinflussen können, welche Spiele entstehen. Soll ein Titel möglichst lange beschäftigen, schnell viele Downloads sammeln oder nur dafür sorgen, dass ein Abo nicht gekündigt wird? Wenn diese Frage offen bleibt, wissen Teams laut Willis auch nicht, auf welches Ziel sie hinarbeiten sollen.
Wenn niemand weiß, was Erfolg bedeutet
Willis sagte in einem Interview mit Kiwi Talkz, der Game Pass sei mit zu wenig Weitsicht umgesetzt worden. Besonders kritisch sieht er, dass Entwickler offenbar keine konkreten Ziele für ihre Spiele kannten.
Dabei geht es um mehr als reine Verkaufszahlen. Bei einem Abo können auch Spielzeit, Installationen, wiederkehrende Nutzer oder die Bindung an den Dienst wichtig sein. Diese Zahlen erzählen aber jeweils etwas anderes. Ein Spiel kann oft installiert und schnell wieder gelöscht werden. Es kann auch über Monate gespielt werden, ohne dass dadurch automatisch neue Abonnements dazukommen.
Für Entwickler macht das einen großen Unterschied. Ein langes Spiel mit regelmäßigen Updates braucht andere Ideen und Ressourcen als ein kürzeres Spiel, das viele Leute zumindest einmal ausprobieren sollen. Willis’ Kritik lautet deshalb: Ohne klare Richtung kann ein Abo-System falsche Entscheidungen fördern, obwohl die Grundidee funktionieren könnte.
Day One kann Spiele anders bewerten lassen
Willis nannte auch Doom: The Dark Ages als Beispiel. Dass das Spiel direkt im Game Pass landet, hält er für eine schlechte Entscheidung. Seine Sorge: Ein Day-One-Start im Abo kann normale Verkäufe verringern, während gleichzeitig unklar bleibt, wie sehr die tatsächliche Nutzung eines Spiels zählt.
Das bedeutet nicht automatisch, dass Day-One-Releases für alle Spiele schlecht sind. Für viele Abonnenten sind sie sogar einer der wichtigsten Gründe für den Dienst. Willis stellt aber die Frage, ob Microsoft bei solchen Starts genug darauf achtet, was ein Spiel langfristig für den Dienst und sein Studio bringt.
Gerüchte über einen Umbau bleiben offen
Microsoft hat bisher nicht erklärt, nach welchen Kennzahlen der Erfolg des Game Pass über längere Zeit bewertet wird. Genau diese fehlende Transparenz steht im Mittelpunkt von Willis’ Aussagen.
Außerdem gibt es unbestätigte Berichte über eine größere Änderung des Angebots. Demnach könnte Xbox unter anderem darüber nachdenken, künftig keine neuen Spiele mehr direkt zum Start in den Game Pass zu bringen. Bestätigt ist das nicht.
Falls sich daran etwas ändert, wäre das vor allem für Spieler wichtig, die den Dienst wegen großer Neuerscheinungen nutzen. Noch wichtiger ist aber die Frage dahinter: Xbox muss zeigen, wie ein Abo Spiele unterstützen soll, ohne dass Studios nur noch auf schwer vergleichbare Nutzungszahlen schauen.