Ein Herrscher in dunkler Rüstung sitzt mit einem Schwert auf einem geflügelten Thron in einer düsteren Halle.
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Disciples: Domination im Test: Starkes Reich, schwache Gegner

Von Ramona 5 Min. Lesezeit

Disciples: Domination verbindet Reichsverwaltung mit einer langen Reise durch Nevendaar. Der Hof überzeugt, doch die Gegner machen aus vielen Kämpfen keine echte Prüfung.

Disciples: Domination hat eine gute Idee im Zentrum: Königin Avyanna rettet Nevendaar nicht allein mit dem Schwert. Sie muss Truppen aufbauen, Ressourcen verteilen, Bündnisse pflegen und entscheiden, welche Gruppen ihres Reichs von ihr profitieren sollen. Gerade diese Verbindung aus Herrschaft und Abenteuer gibt dem Strategie-Rollenspiel eine eigene Richtung.

Umso bedauerlicher ist, dass ausgerechnet die Kämpfe, die diese Entscheidungen tragen sollten, oft nicht genug Widerstand leisten. Wer Freude daran hat, eine Gruppe langfristig zu entwickeln und ein Reich Stück für Stück auszubauen, findet hier dennoch ein umfangreiches Dark-Fantasy-Abenteuer. Wer vor allem auf knifflige Rundenkämpfe hofft, wird deutlich kritischer auf die Schwächen schauen.

Eine Königin braucht mehr als einen Talentbaum

Die Geschichte setzt nach dem Vorgänger an, verlangt aber kein umfassendes Vorwissen. Avyanna herrscht seit 15 Jahren, hat sich jedoch nicht als besonders verlässliche Königin erwiesen. Jetzt gerät Nevendaar erneut unter Druck: Die Konflikte zwischen den Völkern spitzen sich zu, während zugleich eine übernatürliche Bedrohung die Welt gefährdet. Avyanna muss ihr Reich schützen und sich das Vertrauen ihrer Untertanen erst wieder verdienen.

Schon die Wahl ihrer Klasse macht klar, dass sie nicht bloß eine einzelne Heldin ist. Kriegsherrin, Beherrscherin der Urgewalten, heilige Regentin und Hexenkönigin stehen für verschiedene Ansätze. Die Klasse bestimmt den grundsätzlichen Stil und beeinflusst auch die zusätzlichen Zauber. Eine heilige Regentin verbindet etwa Fernkampf und Unterstützung. Das ist ein sinnvoller Anfang für eine Partie, deren Figuren nicht alle dieselbe Aufgabe erfüllen sollen.

Der Talentbaum selbst bleibt dabei eher zurückhaltend. Seine zwei festen Säulen führen von grundlegenden Fähigkeiten zu aktiven und passiven Erweiterungen. Das System ist verständlich aufgebaut, aber große Veränderungen im Spielgefühl lassen lange auf sich warten. Für ein langes Rollenspiel kann eine langsame Entwicklung passen. Sie verlangt allerdings Geduld, weil sich die wichtigen Fortschritte nicht immer früh bemerkbar machen.

Der Thron ist der eigentliche Dreh- und Angelpunkt

Besonders überzeugend wirkt Domination dort, wo Avyanna ihren Hof in Yllian aufsucht. Über einen Kurzbefehl geht es direkt zum Thron, an dem sich die langfristigen Entscheidungen bündeln. Einheiten der fünf Völker werden rekrutiert, Kasernen ausgebaut, Gegenstände in der Schmiede verbessert und Kristalle zu Boni für Avyanna und ihre Gefährten verschmolzen.

Das ist mehr als eine Ablage für Menüs. Die Stufe der Burg gehört ebenso zur Entwicklung wie Avyannas Charakterlevel. Neue Gebäude schalten neue Figuren frei, Gefährten stoßen im Verlauf der Geschichte zur Truppe und bringen eigene Fähigkeiten mit. Dadurch entsteht das angenehme Gefühl, nicht nur Werte zu erhöhen, sondern ein funktionierendes Gefüge aus Heldin, Begleitern und Armee aufzubauen.

Noch wichtiger sind die Beziehungen zu den Fraktionen. Vor Entscheidungen zeigt das Spiel offen, wie viele Reputationspunkte gewonnen oder verloren werden. Die Beziehungen durchlaufen vier Stufen. Mit jedem Aufstieg warten Vorteile und eine besondere Einheit. Diese Transparenz nimmt den Entscheidungen nicht ihre Wirkung. Sie macht vielmehr deutlich, dass eine Unterstützung für eine Seite Folgen für die anderen haben kann.

Genau hier findet Disciples: Domination seine stärkste Seite. Das Spiel verbindet Erkundung, Aufbau und Politik so, dass die Reise durch Nevendaar nicht nur aus dem Abarbeiten von Aufgaben besteht. Die Steuerung am Hof ist allerdings unnötig umständlich, weil sie spürbar auf Maus und Tastatur zugeschnitten wirkt. Auf Konsole kostet das Verwalten dadurch mehr Geduld, als es sollte.

Unterwegs gibt es viel zu entdecken und zu lesen

Nevendaar wird aus einer schrägen Perspektive erkundet. Avyanna reist zu Pferd, spricht mit Figuren, sammelt Ressourcen und nimmt Produktionsgebäude ein. Haupt- und Nebenaufgaben lassen sich schnell über das Digitalkreuz wechseln. Schnellreisepunkte und eine übersichtliche Karte helfen, den Überblick in einem Abenteuer zu behalten, das mehr als 40 Stunden umfassen kann.

Die Welt lebt dabei stark von ihren Dialogen. Ein Teil ist vertont, ein anderer Teil wird nur gelesen. Wer sich auf Domination einlässt, sollte also Freude an Texten und an den vielen Informationen über Figuren und Welt mitbringen. Vieles davon ist spannend geschrieben. Der gelegentlich moderne Ton will aber nicht immer zu der düsteren Fantasy-Welt passen.

Bei der Gestaltung der Schauplätze ist eine Verbesserung sichtbar. Umgebungen wirken detailreicher, und die Effekte in den Kämpfen haben Kraft. Auf der Standard-PS5 traten im Test jedoch wiederholt Ruckler sowie kleinere Tonprobleme auf. Das stört besonders in einem Spiel, das ohnehin viel Zeit und Aufmerksamkeit verlangt.

Gute Werkzeuge, aber Gegner mit zu wenig Biss

Die Rundenkämpfe haben durchaus ein solides Fundament. Vor einem Gefecht werden Einheiten auf dem Feld aufgestellt und Unterstützungstruppen ausgewählt. Das Gelände kann mitmischen: Felsen treffen am Ende einer Runde bestimmte Felder, Schneestürme beeinflussen andere Schlachtfelder. Fernkämpfer und Priester gehören geschützt nach hinten, schwer gerüstete Einheiten an die Front. Flächenangriffe, Unterstützung und die Eigenschaften der Völker müssen passend eingesetzt werden. Heilige Angriffe sind gegen Untote beispielsweise besonders wirksam.

Diese Regeln greifen verständlich ineinander. Das Problem ist nicht, dass Domination keine taktischen Möglichkeiten hätte. Das Problem ist, dass die feindlichen Truppen ihre Möglichkeiten zu selten ausschöpfen. Sie machen strategische Fehler und nutzen die Stärken ihrer Einheiten nicht konsequent. Verstärkungen können ihnen zwar Vorteile verschaffen, ersetzen aber keine Gegner, die klug auf die Aufstellung der eigenen Truppe reagieren.

Dazu kommt das Tempo. Bewegungen und Effekte können beschleunigt werden, bis auf 250 Prozent. Das spart Zeit, wirkt aber wie ein nachträgliches Pflaster für Gefechte, die zu oft zu langsam ablaufen. Sehr schwache Gegner lassen sich außerdem automatisch besiegen, wodurch Erfahrung und Belohnungen ohne ausgespielte Schlacht vergeben werden. Das ist praktisch, aber es zeigt auch, wie häufig Kämpfe eher als Wegstrecke denn als spannende Prüfung behandelt werden.

Disciples: Domination ist deshalb kein unkompliziertes Spiel für kurze Abende. Es nimmt sich Zeit für Entwicklung, Texte und Verwaltung. Seine schönsten Momente entstehen, wenn die gewählte Klasse, die ausgebauten Gebäude, die Fraktionsbeziehungen und die Zusammensetzung der Truppe zusammenwirken. Die Kämpfe verhindern jedoch, dass daraus ein durchgehend forderndes Strategie-Rollenspiel wird.

Für Spielerinnen und Spieler, die ein dunkles Fantasy-Reich langfristig formen möchten, hat Domination genug eigene Ideen und Umfang. Wer von jeder Schlacht neue taktische Antworten erwartet, bekommt dagegen ein System, das mehr kann, als seine Gegner ihm abverlangen.

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