EA Sports UFC 6 verändert den Kampfsport nicht dadurch, dass es jeden Schlag neu erfindet. Der größere Schritt passiert daneben: Das Spiel gibt seinen Kämpfern mehr Raum als bloße Auswahl im Menü. Mit „Hall of Legends“ und „Das Vermächtnis“ versucht EA Sports, aus bekannten Namen, Rivalitäten und dem Weg zum Titel mehr zu machen als eine Folge einzelner Kämpfe.
Das geht an vielen Stellen auf. Im Octagon selbst bleibt UFC 6 nah bei seinem Vorgänger. Wer vor allem auf einen riesigen Sprung bei Grafik, Einmärschen oder dem grundsätzlichen Kampfgefühl wartet, sollte die Erwartungen deshalb klein halten. Die etwas natürlicheren Bewegungen und der neue Flow-Modus sind sinnvolle Ergänzungen, aber die neuen Geschichten tragen diesen Teil stärker als die Technik.
Drei Karrieren, die mehr erzählen wollen
„Hall of Legends“ ist der beste Grund, UFC 6 nicht nur als aktualisierte Kampfsimulation zu sehen. Der Modus begleitet Max Holloway, Alex Pereira und Zhang Weili jeweils durch eine kleine, frei begehbare Umgebung. Die Orte orientieren sich an Herkunft und Kultur der drei Sportler: Hawaii, eine Favela-Gegend in Brasilien und China.
An verschiedenen Stationen starten Videos oder Kämpfe. Besonders wichtig sind dabei die Gespräche über das Leben der Athleten. Zhang Weili erzählt etwa von ihrer Kindheit in einer Arbeiterfamilie im armen Handan, auch Familienmitglieder kommen zu Wort. Dadurch bekommen die Figuren eine persönliche Seite, die im normalen Kaderbildschirm kaum sichtbar werden kann.
Die Kämpfe bleiben nicht bei der einfachen Aufgabe, am Ende die Hand gehoben zu bekommen. Zu jedem der drei Duelle pro Legende kommen bestimmte Ziele dazu. Das passt gut, weil so nicht jeder historische Moment gleich abläuft. Man muss aufmerksamer kämpfen und kann sich nicht immer nur auf einen sicheren Sieg verlassen.
Der Haken ist die Länge. Drei Kämpfe pro Person sind schnell geschafft. „Hall of Legends“ wirkt deshalb eher wie ein sorgfältig gemachtes Bonusprogramm als wie ein Modus, in dem man viele Abende verbringen wird. Trotzdem zeigt er ziemlich klar, was UFC 6 besser macht als UFC 5: Es interessiert sich mehr dafür, wer diese Kämpfer abseits eines einzelnen Fights sind.
Der Karrieremodus bekommt eine Vorgeschichte
„Das Vermächtnis“ geht noch einen Schritt weiter. Die Geschichte um Fight-Talent Chris Carter beginnt vor dem eigentlichen Karrieremodus und baut eine Rivalität auf, bevor die Jagd nach dem UFC-Titel startet.
Chris muss sich nach einer Pressekonferenz und vor einem wichtigen Kampf mit seiner Vergangenheit beschäftigen. Neben ihm stehen sein Coach und Trainingspartner Danny im Mittelpunkt. Als Chris eine große Chance bekommt und Danny nicht, kippt die Stimmung. Nach einem Streit in einem Klub verletzt sich Chris zudem an der Hand. Der geplante Titelkampf fällt aus, und Danny rückt nach.
Das ist keine besonders verschachtelte Geschichte, aber sie erfüllt ihren Zweck. Der spätere Aufstieg hat einen konkreten Ausgangspunkt. Statt einfach einen Kämpfer zu erstellen und ohne Kontext die Ranglisten hochzuspielen, startet die Karriere mit einem Konflikt, der sich weiterentwickeln kann.
Nach dem linearen Auftakt geht es in den bekannten Karriereablauf über. Entscheidungen beeinflussen dabei den Verlauf der Geschichte. Nach einem Sieg kann Chris etwa versuchen, einen Rivalen zu besänftigen, oder den Streit weiter antreiben. Die Videosequenzen sind gut synchronisiert und die wichtigsten Figuren wirken glaubhaft genug, damit diese Entscheidungen nicht völlig beliebig erscheinen.
Wer direkt loslegen möchte, kann weiterhin ohne diesen Prolog in die UFC-Karriere starten. Dort gibt es ebenfalls neue Bausteine: Ein Kämpfer kann nun zwei Titel aus verschiedenen Gewichtsklassen gleichzeitig halten. Hype und Fitness werden vor Kämpfen sichtbarer, neue Techniken lassen sich über „Learn a Move“ lernen. Ein eingeblendeter Social-Media-Feed ergänzt Kommentare von Fans, Medien und anderen Kämpfern, auf die teilweise reagiert werden kann.
Das ersetzt den bekannten Trainingsalltag nicht. Kämpfe wollen geplant und vorbereitet werden, Training kann simuliert oder selbst im Gym gespielt werden. Geld schaltet dabei unterschiedliche Trainingsmaßnahmen frei. Die neuen Elemente machen den Ablauf nicht komplett anders, aber sie geben den Wochen zwischen den Kämpfen mehr Kontext.
Im Käfig bleibt vieles vertraut
Das eigentliche Kampfgeschehen war schon in UFC 5 solide, und UFC 6 baut darauf auf. Sichtbare Sprünge bei Grafik und Intros sind klein, auch wenn Lichteffekte verbessert wurden. Die Bewegungen im Kampf wirken etwas natürlicher, was besonders bei längeren Schlagwechseln und Übergängen hilft. Ein neues Spielgefühl entsteht dadurch aber nicht.
Die wichtigste spielerische Ergänzung ist der Flow-Modus. Wer die Stärken seines Kämpfers passend ausspielt, füllt eine Anzeige. Flow verbessert Reflexe und Techniken und kann helfen, einen Kampf zu drehen oder einen Finish-Moment auszunutzen. Das bringt mehr Spannung in Phasen, in denen ein Kämpfer plötzlich die Kontrolle übernimmt.
Gleichzeitig bleibt die Steuerung komplex. UFC 6 nimmt Neulinge aber nicht einfach mit einer langen Tastentabelle allein. Zum Start gibt es ein Tutorial mit deutschen Anweisungen zu den wichtigsten Aktionen. Vor neuen Lektionen zeigen Videos Szenen aus dem UFC-Umfeld. Die Clips werden auf Englisch kommentiert, im Kampf selbst ist der Kommentar deutschsprachig.
Das macht die Grundlagen leichter verständlich, ohne die Tiefe für erfahrene Spieler zu streichen. Wer lernen will, wann welche Technik sinnvoll ist, muss sich trotzdem mit den Abläufen beschäftigen. Genau das gehört bei einer Kampfsimulation aber dazu.
Online und die Zukunft des Spiels bleiben offen
Für Onlinekämpfe ist vollständiges Crossplay eine wichtige Neuerung. Spieler auf PS5 und Xbox Series X/S können erstmals plattformübergreifend gegeneinander antreten. Wie stabil und fair dieses Zusammenspiel zum Start läuft, lässt sich vor Veröffentlichung allerdings noch nicht bewerten.
Auch beim angekündigten Live-Service bleiben Fragen. EA Sports plant regelmäßige Kader-Updates, kosmetische Inhalte, Erweiterungen für den Fighter Pass sowie Inhalte zu realen UFC-Veranstaltungen. Zusätzlich sind zwei größere Erweiterungen geplant, jeweils mit einem neuen Modus: eine für Winter 2026 und eine für Sommer 2027. Ob diese Unterstützung UFC 6 langfristig frisch hält, entscheidet sich erst nach dem Start.
Der Modus „Kampfwoche“ verbindet das Spiel außerdem mit realen UFC-Kämpfen. Dort lassen sich Ergebnisse, Kampfende und Runde tippen. Richtige Vorhersagen bringen Punkte und Coins, dazu gibt es Herausforderungen und spielbare Kämpfe. Das hat einen deutlichen Wettspiel-Charakter und muss einem nicht gefallen. Als Ergänzung für Fans, die reale Events ohnehin verfolgen, kann es aber eine passende Beschäftigung zwischen den eigenen Kämpfen sein.
UFC 6 ist damit kein radikaler Neuanfang im Octagon. Sein Fortschritt liegt darin, dass Kämpfe jetzt öfter eine Geschichte, eine Person oder eine Rivalität im Rücken haben. „Hall of Legends“ ist dafür trotz seines kurzen Umfangs das stärkste Beispiel. Wer UFC 5 vor allem wegen der Kämpfe mochte, bekommt vertraute Grundlagen mit kleinen Verbesserungen. Wer dem Spiel bisher mehr Persönlichkeit zwischen den Runden gewünscht hat, findet hier die deutlich interessanteren Neuerungen.