Nahaufnahme von Senua mit intensivem Blick und Narben im Gesicht vor dramatischer Beleuchtung.
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Hellblade 2 im PS5-Test: Starke Wirkung, wenig spielerische Tiefe

Von Ramona 4 Min. Lesezeit

Hellblade 2 wirkt auf PS5 vor allem über Senuas Geschichte, die Stimmen und seine eindrucksvollen Bilder. Die Kämpfe und Rätsel passen dazu, bleiben aber deutlich einfacher als die Inszenierung.

Senua’s Saga: Hellblade 2 will weniger ein großes Action-Abenteuer sein als eine intensive, klar geführte Erfahrung. Gerade darin liegt seine größte Stärke. Ninja Theory setzt auf eine bedrückende Geschichte, außergewöhnlich detaillierte Gesichter, raue Landschaften und einen Sound, der Senuas innere Konflikte nah an die Spieler heranholt.

Auf PS5 kommt das Spiel als Enhanced-Version, ohne seinen grundsätzlichen Charakter zu verändern. Es bleibt ein kurzes, sehr fokussiertes Story-Spiel, das fast alles seiner Wirkung unterordnet. Das sorgt für starke Momente, lässt aber auch wenig Raum für Spieler, die in Kämpfen, Rätseln oder Erkundung mehr eigene Entscheidungen suchen.

Die Geschichte trägt das Spiel, nicht die Freiheit

Die Handlung setzt nach Hellblade: Senua’s Sacrifice an. Ein ausführlicher Rückblick erklärt die nötigen Zusammenhänge und macht den Einstieg auch ohne frische Erinnerung an den Vorgänger verständlich. Für Senuas persönliche Geschichte und ihren langen Leidensweg kann diese Zusammenfassung allerdings nur eine Grundlage sein. Die engere Bindung an die Figur entsteht eher, wenn man den ersten Teil kennt.

Senua gelangt in das Island des zehnten Jahrhunderts, zunächst mit einem klaren Wunsch nach Rache an Sklavenhändlern. Nach einem dramatischen Schiffbruch verschiebt sich ihr Blick jedoch schnell auf eine größere Bedrohung. Das Spiel bewahrt dabei bewusst viele Entwicklungen für sich. Entscheidend ist ohnehin weniger, wie weit die Handlung in ihre Mythologie vordringt, sondern wie nah sie an Senuas Wahrnehmung bleibt.

Die Stimmen in ihrem Kopf sind dafür zentral. Sie können zweifeln, warnen oder sie ermutigen und machen ihre Ängste ständig hörbar. Mit Kopfhörern entfaltet dieses Element die deutlichste Wirkung, weil die Stimmen nicht bloß als Dialog nebenher laufen, sondern den Raum um Senua besetzen. Trotz eines etwas hoffnungsvolleren Grundtons als im Vorgänger bleibt die Atmosphäre schwer, unheimlich und oft beunruhigend.

Ein Spiel, das Gesichter und Orte sprechen lässt

Hellblade 2 beeindruckt vor allem mit seiner Bildsprache. Senuas Gesicht steht immer wieder im Mittelpunkt, und kleinste Regungen werden auffällig präzise eingefangen. Ein Blick, ein Zucken der Lippen oder ein kurzes Lächeln sagen hier oft mehr als lange Erklärungen. Das passt zu einem Spiel, das Senua nicht mit vielen Nebenfiguren konkurrieren lässt. Andere Charaktere bleiben deutlich weniger ausgearbeitet, während ihre Perspektive fast jede Szene prägt.

Auch Island ist nicht einfach Kulisse. Raue Küsten und schöne, offene Landschaften treffen auf surreale Bilder, bei denen absichtlich unklar bleibt, ob gerade Mythologie, Gefahr oder Senuas innere Welt die Szene bestimmt. Diese Verbindung aus Natur, Gewalt und fantastischen Momenten gibt dem Spiel seine eigene Spannung.

Die Enhanced-Version für PS5 ergänzt unter anderem einen Performance-Modus für ein flüssigeres Spielgefühl sowie erweiterte Möglichkeiten im Fotomodus. Das sind sinnvolle Optionen für ein Werk, das viel über Details, Licht und Gesichter erzählt. Sie verändern aber nicht, worauf Hellblade 2 im Kern setzt: nicht auf technische Spielereien, sondern auf die Wirkung jeder einzelnen Szene.

Kämpfe fühlen sich hart an, entwickeln sich aber kaum weiter

Wenn Senua kämpft, wirken die Duelle wuchtig und gefährlich. Leichte und schwere Angriffe, Ausweichen, Blocken und Parieren bilden ein verständliches Grundgerüst. Gelingt eine Parade zur richtigen Zeit, entsteht ein kurzes Fenster für einen Gegenangriff. Mit erfolgreichen Treffern lädt sich außerdem ein Fokus-Modus auf, der die Zeit verlangsamt und mehr Kontrolle im Duell gibt.

Das reicht, damit die Kämpfe einen guten Rhythmus haben und zu der brutalen Welt passen. Sie werden aber nicht besonders komplex. Viele Konfrontationen sind geradlinig aufgebaut und teilweise stark choreografiert. Die wiederkehrenden Animationen fallen deshalb umso stärker auf: Sie bremsen genau jene unmittelbare Wirkung, die die Inszenierung sonst so überzeugend herstellt.

Für Spieler, die vor allem präzise Kampfsysteme meistern und immer neue Möglichkeiten freischalten möchten, ist das ein klarer Nachteil. Hellblade 2 nutzt seine Kämpfe eher als dramatische Zuspitzung der Geschichte. Als eigenes Spielsystem bleiben sie vergleichsweise schlicht.

Rätsel geben der Reise den nötigen Atemraum

Zwischen den Auseinandersetzungen schiebt das Spiel Rätsel ein. Oft müssen in der Umgebung versteckte Formen so ausgerichtet werden, dass sie ein Symbol ergeben und ein mystisches Tor öffnen. Später kommen Senuas Fokusblick, schwebende Kugeln sowie Mechanismen mit Steinbällen oder Feuerschalen hinzu. Meist geht es darum, Brücken, Wege oder Durchgänge freizulegen.

Diese Aufgaben sind selten besonders schwer, aber sie erfüllen eine wichtige Funktion. Sie unterbrechen die Gewalt, lenken den Blick zurück auf die Umgebung und geben dem Spiel ein ruhigeres Tempo. Die Erklärungen sind gut in die Welt eingebunden, wodurch kaum Frust entsteht. Gleichzeitig wiederholen sich die Abläufe mit der Zeit spürbar. Wer anspruchsvolle Knobelaufgaben erwartet, wird hier nicht lange gefordert.

Mit etwa acht bis zehn Stunden bleibt Hellblade 2 konzentriert. Die vier Schwierigkeitsgrade und der nach dem ersten Durchspielen verfügbare Hardcore-Modus „Dunkle Fäulnis“ bieten Gründe für einen weiteren Durchlauf. Seine stärkste Wirkung hat die Geschichte aber beim ersten Mal, wenn Bilder, Stimmen und Wendungen noch unbekannt sind.

Hellblade 2 ist deshalb vor allem für Spieler geeignet, die ein düsteres, sehr kontrolliert erzähltes Abenteuer suchen und akzeptieren, dass das Spiel sie meist bewusst führt. Ninja Theory gelingt eine beeindruckende audiovisuelle Reise rund um Senua. Die spielerischen Teile stören diese Reise nicht, sie geben ihr sogar Struktur. Sie sind nur selten stark genug, um neben der Geschichte und der Atmosphäre selbst im Gedächtnis zu bleiben.

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