Activision will die Aufnahmen der Itaewon-Katastrophe aus dem Intro von Call of Duty: Modern Warfare 4 entfernen. Das kündigte das Unternehmen nach heftiger Kritik aus Südkorea an. Ein reguläres Update am 12. November soll das betroffene Material vollständig aus dem Spiel nehmen.
Der Fall betrifft nicht eine erfundene Szene, die Spielern zu nahe geht, sondern echtes Nachrichten- und Archivmaterial. Im Intro der Kampagne waren Bilder der Halloween-Massenpanik von 2022 im Seouler Viertel Itaewon zu sehen. Bei der Katastrophe starben 159 Menschen, fast 200 weitere wurden verletzt.
Eine Entschuldigung folgt auf die Kritik
Besonders deutlich fiel die Reaktion von Organisationen aus Südkorea aus. Sowohl die Vereinigung der Hinterbliebenen der Itaewon-Katastrophe als auch die Korea Game Users Association kritisierten, dass Bilder realer ziviler Opfer für eine Unterhaltungs- und Kriegsgeschichte benutzt wurden.
Der zentrale Vorwurf war dabei nicht nur, dass die Aufnahmen in einem Shooter auftauchten. Kritisiert wurde auch, dass sie aus Sicht der Organisationen keinen notwendigen Bezug zum Verlauf der Spielgeschichte hätten. Gerade bei einem Ereignis, dessen Folgen für Betroffene und Angehörige weiter präsent sind, wirkt dieser Einsatz deshalb nicht wie ein neutraler Hintergrund für eine fiktive Welt.
Activision hatte zunächst erklärt, das Material sei genutzt worden, um die fiktive Erzählung des Spiels zu vermitteln. Eine Bezugnahme auf die Itaewon-Katastrophe oder eine Verharmlosung tatsächlicher Tragödien sei nicht beabsichtigt gewesen. Nach der öffentlichen Reaktion ging das Unternehmen nun weiter und entschuldigte sich ausdrücklich bei Opfern, Hinterbliebenen und allen Menschen, die durch die Sequenz verletzt oder beunruhigt wurden.
Warum das Entfernen wichtig ist
Die angekündigte Änderung ist mehr als eine kleine Anpassung an einer Filmszene. Sie zieht eine klare Grenze: Reale Bilder einer Katastrophe lassen sich nicht einfach als Stimmungsmittel behandeln, nur weil sie in eine fiktionale Geschichte passen könnten.
Modern Warfare 4 will mit seiner Kampagne offenbar ein realistisches Gefühl erzeugen. Doch Realismus ist nicht automatisch ein Grund, jedes verfügbare Bildmaterial einzusetzen. Bei Aufnahmen von tatsächlichem Leid spielt auch eine Rolle, ob sie für die Geschichte wirklich nötig sind und welche Menschen dadurch erneut mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert werden.
Dass Activision das Material nun komplett entfernen will, beantwortet die Kritik nicht rückwirkend. Es verhindert aber, dass die Szenen nach dem angekündigten Update weiter Teil des Intros bleiben. Für Spieler ist außerdem wichtig: Die Änderung soll über ein reguläres Spielupdate kommen. Wer das Spiel bereits besitzt, muss also nicht auf eine neue Ausgabe warten.
Was nach dem Update offen bleibt
Bis zum 12. November bleibt offen, wie genau das Intro nach der Änderung aussieht. Activision hat bestätigt, dass das beanstandete Videomaterial vollständig entfernt wird, aber noch nicht erklärt, ob die Sequenz ersetzt, gekürzt oder anders umgebaut wird.
Der Vorfall zeigt vor allem, wie vorsichtig große Spieleproduktionen mit echten Nachrichtenbildern umgehen müssen. Fiktive Konflikte können ernste Themen behandeln. Sobald aber Aufnahmen einer realen Katastrophe ohne klaren erzählerischen Grund in einer Kampagne landen, reicht eine beabsichtigte realistische Wirkung nicht aus. Die schnelle Entfernung ist deshalb der notwendige Schritt, auch wenn sie erst nach deutlichem Druck von Betroffenenorganisationen erfolgt.
Call of Duty: Modern Warfare 4 erschien am 23. Oktober 2026 für PS5, Xbox Series X/S, Switch 2 und PC.