Laufey aus God of War steht mit magisch leuchtender Hand vor einer brennenden, rauchigen Kulisse. Ihr Blick ist nachdenklich, ihr helles Gewand leicht blutbefleckt.
Meinung

God of War: Laufey und die Debatte am falschen Punkt

Von Ramona 4 Min. Lesezeit

Laufeys Hauptrolle ist nicht das Problem von God of War: Laufey. Interessanter sind die offenen Fragen zu Ton, Humor und der Geschichte nach ihrem Tod.

Die Ankündigung von God of War: Laufey hätte eine interessante Diskussion auslösen können. Santa Monica Studio stellt mit Laufey, auch Faye genannt, eine Figur in den Mittelpunkt, deren Tod den Ausgangspunkt von God of War aus dem Jahr 2018 bildet und die in God of War Ragnarök bereits mehrfach zu sehen war. Ihre Vorgeschichte als Kriegerin und Wächterin der Jötnar bietet also zumindest einen nachvollziehbaren Ansatz für einen eigenen Ableger.

Statt über diesen Ansatz zu sprechen, kreist ein großer Teil der lauten Reaktionen um ihr Geschlecht und um einzelne, möglichst unvorteilhafte Bilder aus dem Trailer. Das ist nicht nur unerquicklich, sondern vor allem unerquicklich banal. Eine Hauptfigur muss weder einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen noch als dekorative Fantasie angelegt sein, um ein Actionspiel tragen zu können.

Eine bekannte Figur ist nicht plötzlich fehl am Platz

Laufey wird nicht nachträglich in diese Reihe hineingeschrieben, nur damit God of War eine neue Hauptfigur bekommt. Sie gehört seit Jahren zu ihrem emotionalen Fundament: Kratos und Atreus beginnen ihre Reise nach ihrem Tod, und Ragnarök gibt ihr durch Rückblenden mehr Raum. Dass ein neues Spiel fragt, wer sie vor diesen Ereignissen war, ist deshalb keine absurde Idee.

Ob diese Geschichte einen ganzen Ableger braucht, ist eine andere Frage. Aber genau dort beginnt die sinnvolle Kritik. Ein Spin-off muss mehr liefern als die Bekanntschaft mit einer vertrauten Figur. Es sollte zeigen, welche Perspektive Laufey eröffnet, die Kratos und Atreus nicht schon erzählt haben.

Die Debatte über ihr Aussehen hilft dabei überhaupt nicht weiter. Wer Screenshots nach dem unvorteilhaftesten Einzelbild absucht, prüft weder Figurenzeichnung noch Spielwelt noch die Richtung der Serie. Er behandelt eine erwachsene Kriegerin bloß wie ein Produkt, das gefällig auszusehen hat. Gerade bei einer Figur, die offenbar bereits ein langes und konfliktreiches Leben hinter sich hat, wirkt diese Erwartung besonders schief.

Der Trailer hat an anderer Stelle offene Fragen

Das bisher Gezeigte liefert durchaus Gründe, genauer hinzusehen. Laufey erwacht nach ihrem Tod, was zunächst nach einer schweren, verstörenden Ausgangslage klingt. Kurz darauf wechselt der Trailer aber in eine auffällig lockere Richtung: Sie verfolgt ein flauschiges Wesen, spricht häufig mit sich selbst und zieht bald die Klinge.

Dieser Wechsel kann natürlich Teil eines größeren Zusammenhangs sein. Ein Trailer zeigt keine vollständige Geschichte. Dennoch entsteht hier ein Problem: Der Moment ihres Todes scheint sehr schnell von lockeren Einfällen und sofortiger Action überholt zu werden. Wenn Laufeys Reise emotional tragen soll, braucht dieser Bruch mehr als ein paar kurze Anzeichen von Schmerz.

Hinzu kommen Phranque, ein sprechender Wackelpudding-Würfel, und das Schwert-Bändchen Rue. Beide stehen für einen Humor, der sich deutlich von der ernsten Ausgangslage absetzt. Humor ist in God of War keineswegs verboten. Entscheidend ist aber, ob er die Figur und ihre Lage ergänzt oder ob er die Schwere einer Geschichte ständig wegdrückt.

Auch das Immerbald wirft Fragen auf. Die vorgestellte Welt wirkt wie ein Ort, an dem verstorbene Götter und weitere Kreaturen zusammenkommen können. Das eröffnet viele Möglichkeiten für Begegnungen und Schauplätze. Gleichzeitig wäre es zu einfach, wenn dieser Rahmen nur dazu dient, beliebig viele bekannte oder neue Figuren in die Handlung zu stellen. Eine Welt für Tote kann spannend sein, sie sollte aber mehr sein als ein bequemer Aufhänger für Auftritte.

Kritik sollte das Spiel ernst nehmen

Selbst David Jaffe, der Schöpfer der Reihe, äußerte sich skeptisch zum gezeigten Material. Er nannte es langweilig, repetitiv und uninspiriert und zog einen Vergleich zu Forspoken. Seine Kritik zielt jedoch auf die kreative Richtung der Serie, die er seit dem Neustart von 2018 nicht mehr mitträgt, nicht auf Laufeys Geschlecht oder ihr Gesicht.

Man kann diese Haltung teilen oder ablehnen. Die neueren God-of-War-Spiele haben Kratos jedenfalls anders erzählt als die frühere Trilogie. Ein Spiel mit Laufey muss daher nicht automatisch wie die alten Teile funktionieren. Es muss aber eine eigene Haltung finden, besonders wenn es eine Geschichte über Verlust, Tod und eine Kämpferin erzählt, die nicht bloß als Angehörige von Kratos und Mutter von Atreus bestehen soll.

Genau deshalb ist die Aufregung über „God of Woke“ so unerquicklich. Sie ersetzt Kritik durch ein Schlagwort und verdeckt die Fragen, die der Trailer tatsächlich aufwirft: Wie ernst nimmt das Spiel Laufeys Tod? Passt der Humor zu ihrer Geschichte? Und kann das Immerbald mehr sein als eine praktische Bühne für möglichst viele Figuren?

God of War: Laufey muss nicht beweisen, dass eine Frau diese Reihe tragen darf. Das steht gar nicht zur Debatte. Das Spiel muss zeigen, dass es Laufey als eigene Heldin ernst nimmt und ihrer Geschichte den Raum gibt, den die Ankündigung verspricht.

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