Eine Person hält einen Ball und einen Controller vor Bildschirmen mit Fußball-, Basketball- und Wrestling-Spielen.
Meinung

Sportspiele brauchen mehr als neue Trikots

Von Ramona 4 Min. Lesezeit

Große Lizenzen machen Sportspiele bequem, aber auch vorhersehbar. Veränderung braucht nicht nur mutigere Entwickler, sondern auch Spieler, die Alternativen eine Chance geben.

Sportspiele müssen nicht jedes Jahr völlig neu erfunden werden. Aber sie sollten sich wieder so anfühlen, als hätten sie etwas zu gewinnen. Genau das wird schwierig, wenn der jährliche Nachfolger, die bekanntesten Lizenzen und die vertrauten Online-Modi fast automatisch als Paket gekauft werden.

Die großen Reihen bedienen eine klare Gewohnheit: Zum Start einer Saison soll das aktuelle Trikot im Spiel sein, die Liga vollständig aussehen und die eigene Mannschaft wieder bereitstehen. Das ist verständlich. Nur entsteht daraus ein Kreislauf, der kleine Fortschritte zum Standard macht. Neue Animationen, Anpassungen am Spielablauf und frische Inhalte können sinnvoll sein. Als jährlicher Vollpreis-Grund fühlen sie sich aber nicht immer stark genug an.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, warum EA Sports FC, NBA 2K oder WWE 2K ihre etablierten Modelle beibehalten. Sie funktionieren schließlich. Spannender ist, wie viel Veränderung wir als Spielerinnen und Spieler überhaupt zulassen würden.

Der Komfort der bekannten Namen

Lizenzen sind im Sportspiel nicht bloß Dekoration. Echte Namen, Trikots, Logos und Wettbewerbe schaffen sofort Vertrautheit. Wer Fußball oder Basketball digital erleben möchte, will häufig genau die Vereine, Stars und Arenen wiederfinden, die auch außerhalb des Spiels wichtig sind.

Das macht exklusive Rechte so mächtig. Ein neues Spiel kann interessante Ideen haben, startet ohne bekannte Namen und Wettbewerbe aber mit einem Nachteil. Es muss erst erklären, warum man seine gewohnte Reihe verlassen sollte. Die großen Marken müssen das viel seltener tun, denn sie sind für viele bereits die offensichtliche Wahl.

Früher gab es im Fußballbereich die sichtbare Rivalität zwischen FIFA und Pro Evolution Soccer. Auch im US-Sport mischte SEGA mit. Diese Konkurrenz bedeutete nicht automatisch, dass jedes Spiel gut war. Sie sorgte aber dafür, dass es echte Alternativen gab und sich die Reihen miteinander messen mussten.

Heute stehen gerade EA Sports FC und NBA 2K auf ihren jeweiligen großen Bühnen besonders dominant da. Wer die umfassend bekannte Fußball- oder Basketballwelt sucht, landet schnell bei ihnen. Das ist bequem, aber es senkt auch den Druck, dass ein Nachfolger mehr sein muss als eine sichere Aktualisierung.

Ein Vollpreis ist längst nicht immer das Ende

Zum Jahresrhythmus kommt ein zweiter Punkt: Modi wie Ultimate Team und MyTeam sind zentrale Bestandteile der Geschäftsmodelle geworden. Kartenpakete, virtuelle Währungen und Inhalte mit begrenzter Verfügbarkeit halten die Spiele über lange Zeit aktiv. Der Kauf zum Vollpreis ist damit oft nur der Anfang.

Diese Systeme treffen auf einen Kalender, der regelmäßig zurückgesetzt wird. Mit dem nächsten Teil beginnt die Sammlung wieder neu. Für Publisher und Lizenzgeber ist das nachvollziehbar planbar. Für viele Fans kann es sich dagegen anfühlen, als würde die eigene Zeit und das investierte Geld nur für eine Saison gelten.

Daran ist nicht allein die Technik schuld. Die Systeme passen sehr gut zusammen: Ein jährlich erwartetes Spiel bringt Aufmerksamkeit, Lizenzen liefern den Wiedererkennungswert und fortlaufende Online-Modi schaffen weitere Einnahmen. Solange alle drei Teile zuverlässig funktionieren, gibt es für die Marktführer wenig Anlass, ihren Kurs grundsätzlich zu ändern.

Dabei wäre auch ein anderes Modell denkbar. Eine dauerhaft gepflegte Basis könnte über längere Zeit verbessert und angepasst werden. Ein wirklich neuer Teil wäre dann erst nötig, wenn sich Technik und Spielmechanik deutlich weiterentwickelt haben. Gerade weil Onlinewelten ohnehin kontinuierlich betreut werden, wirkt diese Idee nicht unrealistisch. Sie würde allerdings voraussetzen, dass Saisonupdates nicht automatisch wie ein komplett neues Spiel verkauft werden müssen.

Vielfalt braucht auch neugierige Spieler

Mehr Konkurrenz lässt sich nicht einfach bestellen. Neue Anbieter brauchen Geld, Zeit und vor allem die Chance, trotz fehlender Lizenzpakete wahrgenommen zu werden. Deshalb sind Spiele wie Copa City oder Rematch wichtig, auch wenn sie nicht sofort denselben Platz einnehmen können wie die großen Reihen. Sie zeigen zumindest, dass Sportspiele nicht nur aus der bekannten Lizenzformel bestehen müssen.

Hier liegt auch ein Teil der Verantwortung bei der Community. Wer immer nur die vollständigste Lizenzsammlung akzeptiert, belohnt genau das System, über das später geklagt wird. Das heißt nicht, dass jemand auf seine Lieblingsliga verzichten oder ein Spiel kaufen soll, das keinen Spaß macht. Es heißt nur: Eine Alternative sollte nicht schon deshalb abgeschrieben werden, weil auf dem Cover nicht die vertrauten Namen stehen.

Sportspiele brauchen keine einzelne große Lösung. Hilfreicher wären mutigere Ideen, mehrere Spielarten nebeneinander und ein Publikum, das kleinen Reihen zumindest eine faire Chance gibt. Erst wenn Bekanntheit nicht mehr der einzige sichere Weg zum Erfolg ist, können die jährlichen Platzhirsche wieder stärker um Aufmerksamkeit kämpfen müssen.

Weiter im Gespräch

Drei Stimmen. Ein gemeinsamer Spielstand.

REDEN WIR
ÜBER GAMES.

News mit Kontext, Tests mit Haltung und Geschichten aus ganz unterschiedlichen Spielwelten.

Alle Artikel