Wolverine aus X-Men ’97 mit ausgefahrenen Krallen, leuchtenden blauen Augen und bedrohlichem Grinsen vor Flammen.
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X-Men ’97 Staffel 2 in der Vorschau: Der Kampf gegen Apocalypse

Von Ramona 5 Min. Lesezeit

Die X-Men sind über verschiedene Zeiten verstreut, während Apocalypse erst zu der Bedrohung wird, die sie kennen. Die ersten vier Folgen setzen auf schwierige Entscheidungen statt auf einen einfachen Endkampf.

Die zweite Staffel von X-Men ’97 führt ihre Figuren nicht einfach in den nächsten Konflikt. Sie reißt das Team nach dem Finale der ersten Staffel auseinander und verteilt seine Mitglieder auf weit voneinander entfernte Zeiten. Die ersten vier von insgesamt neun Episoden zeigen damit eine Geschichte, die nicht nur Apocalypse als Bedrohung aufbaut, sondern auch fragt, ob eine Katastrophe verhindert werden darf, wenn dafür die Vergangenheit verändert werden müsste.

Der Staffelstart ist für den 1. Juli 2026 bei Disney+ angekündigt. Die folgenden Eindrücke beziehen sich auf die ersten vier Folgen in englischer Originalfassung. Wie die deutsche Synchronisation ausfällt, lässt sich daraus nicht ableiten.

Eine Zeitreise, die die X-Men wirklich trennt

Professor X, Magneto, Rogue und Nightcrawler landen im Alten Ägypten des Jahres 3000 vor Christus. Cyclops, Jean Grey, Wolverine und Storm finden sich dagegen im Jahr 3960 wieder, einer Zukunft, die von Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Cable bleibt in der Gegenwart zurück und stellt dort eine eigene Einsatzgruppe zusammen.

Diese Aufteilung ist mehr als ein Vorwand für wechselnde Schauplätze. Sie sorgt dafür, dass die X-Men nicht als geschlossene Einheit handeln können, obwohl sie letztlich alle auf dasselbe Ziel zusteuern: Apocalypse aufzuhalten. Gerade für eine Serie mit vielen bekannten Figuren ist das ein sinnvoller Weg, einzelnen Gruppen eigene Aufgaben und Konflikte zu geben.

In der Vergangenheit begegnen Professor X und Magneto En Sabah Nur, bevor er zu Apocalypse wird. Beide sehen die Möglichkeit, ihn von einem anderen Weg zu überzeugen und damit vielleicht unzählige spätere Opfer zu verhindern. Gleichzeitig wissen sie, dass jeder Eingriff in die Zeitlinie neue Folgen haben kann. Das macht ihre Entscheidung interessanter als einen einfachen Kampf zwischen Heldinnen, Helden und einem bereits feststehenden Bösewicht.

Auch Cyclops und Jean Grey stehen in der Zukunft vor einem Konflikt, bei dem eine besondere Figur nur dann ihr vorherbestimmtes Schicksal erfüllen kann, wenn die beiden zurück in die Vergangenheit gelangen. Die Staffel verknüpft ihre Zeitreise also nicht nur mit großen Bildern, sondern mit Entscheidungen, die für einzelne Figuren unmittelbar wichtig sind.

Apocalypse beginnt nicht erst als unbesiegbarer Gegner

Apocalypse passt gut zu dieser Ausgangslage, weil die Staffel ihn nicht ausschließlich als fertige Naturgewalt präsentiert. En Sabah Nur wird zunächst als junger Mutant gezeigt, dessen Leben von Unterdrückung bestimmt wurde. Er verbrachte Kindheit und Jugend als Sklave und erhebt sich später mit anderen Sklaven gegen seinen König, als er das Ausmaß seiner Kräfte zu begreifen beginnt.

Damit bekommt Magnetos und Professor X’ Plan eine unangenehme Seite. Sie wollen nicht nur einen Feind besiegen, sondern einen Menschen an einem entscheidenden Punkt seines Lebens beeinflussen. Ob das überhaupt möglich oder richtig ist, bleibt der Kern ihrer Handlung.

Die ersten Folgen nehmen sich Zeit für diese Vorgeschichte. Das ist wichtig, denn Apocalypse soll nicht bloß durch seine enorme Macht bedrohlich wirken. Seine Überzeugung, dass nur die Stärksten überleben sollten, entsteht aus einem Leben, das ihm selbst kaum Schutz oder Mitgefühl geboten hat. Daraus wird keine Entschuldigung für seine späteren Taten, aber ein verständlicherer Ausgangspunkt für den Gegner der Staffel.

Wer die Marvel-Filme kennt, wird zudem Anknüpfungen entdecken. Die Handlung im Alten Ägypten verbirgt hinter der Figur des Pharaos mehr, als zunächst sichtbar ist. Auch die Entstehung von Apocalypse wird mit kosmischen Elementen verbunden, die in den Live-Action-Produktionen bereits eine Rolle gespielt haben. Wie weit die Serie diese Verbindungen noch ausbaut, zeigen erst die übrigen fünf Folgen.

Viel Energie, aber wenig Luft für Neulinge

Bei der Action bleibt X-Men ’97 in den ersten vier Episoden sehr stark. Studio Mir, das bereits an Staffel 1 beteiligt war, setzt die Mutantenkräfte mit viel Bewegung und klaren Bildern um. Besonders Jubilee bekommt eine Szene, in der sie mehrere Gegner allein bekämpft und ihre explosiven Kräfte zusammen mit einem rockigen Soundtrack zur Geltung kommen.

Auch En Sabah Nur erhält früh einen Kampf, der seine späteren Fähigkeiten vorbereitet. Die Serie zeigt hier nicht nur, dass er mächtig ist, sondern warum die X-Men ihn über verschiedene Zeiten hinweg als Gefahr behandeln müssen. Die Kämpfe haben damit eine Funktion für die Handlung und stehen nicht bloß zwischen zwei Gesprächen.

Der volle Figurenreichtum bleibt allerdings eine Hürde. Neben den vielen X-Men treten weitere neue Charaktere auf. Für Menschen, die weder die frühere Zeichentrickserie noch die Comics kennen, kann es schwierig werden, alle Beziehungen und Aufgaben sofort zuzuordnen. Die Staffel verlangt am Anfang Aufmerksamkeit, statt neue Zuschauerinnen und Zuschauer langsam mitzunehmen.

Ähnlich deutlich wird das Thema Schicksal angesprochen. Die Folgen wiederholen seine Bedeutung so oft, dass der Konflikt stellenweise weniger natürlich wirkt. Gerade weil die Fragen der Zeitreise schon genug Spannung erzeugen, müsste die Serie ihre Themen nicht ständig ausdrücklich benennen.

Die offene Frage für die restliche Staffel

Nach vier Episoden wirkt Staffel 2 vor allem dann überzeugend, wenn sie ihre Zeitreise als Problem für die Figuren nutzt. Professor X und Magneto müssen mit einem jungen En Sabah Nur umgehen, während Cyclops und Jean Grey in einer anderen Zukunft über ein vorbestimmtes Leben entscheiden. Das gibt dem Kampf gegen Apocalypse mehrere Ebenen, ohne den Gegner kleinzureden.

Für die restlichen Folgen wird entscheidend sein, ob die vielen Gruppen, neuen Figuren und Hinweise auf größere Marvel-Zusammenhänge wieder sauber zusammenfinden. Die bisherigen Episoden liefern dafür eine starke Grundlage: eine klar bedrohliche Zukunft, eine Vergangenheit, die verändert werden könnte, und X-Men, die trotz ihrer Trennung aufeinander angewiesen bleiben.

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