Xbox-Konsolen und Controller auf einem leuchtend grünen Messestand bei der Gamescom. Eine Vitrine zeigt die Entwicklung der Controller.
Meinung

Xbox auf der Gamescom: Viel Auswahl, wenig Aufbruch

Von Ramona 4 Min. Lesezeit

Xbox brachte viele spielbare Spiele zur Gamescom 2026. Das Programm war breit und solide, doch ein klarer Überraschungsmoment fehlte trotzdem.

Xbox hatte auf der Gamescom 2026 genug Material, um viele verschiedene Spielertypen anzusprechen. Fable war erstmals mit Gameplay zu sehen, Gears of War: E-Day zeigte sich als bewusst traditioneller Serienteil, dazu kamen Horror, Shooter, Rollenspiel, Flugsimulation und kleinere Projekte. Das ist kein leeres Versprechen für eine ferne Zukunft, sondern ein Angebot, das auf der Messe offenbar wirklich greifbar war.

Trotzdem bleibt vom Auftritt vor allem ein Gedanke: Xbox hat ein volles Regal, aber keinen einzelnen Moment geschaffen, über den danach alle sprechen müssen. Das ist nicht dasselbe wie ein schwacher Messeauftritt. Es zeigt aber, dass ein großes Line-up und eine klare Richtung für die Wahrnehmung der Marke zwei verschiedene Dinge sind.

Spielbar sein ist ein echter Vorteil

Gerade bei großen Messen ist es wertvoll, wenn Spiele nicht nur in Trailern auftauchen. Bei Fable ließ sich bereits erkennen, worauf Playground Games setzt: Bowerstone wirkt lebendig und detailreich, Beziehungen zu Bewohnern sowie die Gestaltung des eigenen Platzes in Albion sollen eine wichtige Rolle spielen. Der britische Humor gehört weiter deutlich zur Welt.

Gleichzeitig zeigen die Kampfeindrücke, dass ein früher Blick auf ein Spiel auch offene Baustellen sichtbar macht. Pfeil-und-Bogen-Treffer wirkten offenbar deutlich überzeugender als gewöhnliche Angriffe und Blocks. Für ein Action-Rollenspiel, das im Februar 2027 für PS5, PC und Xbox Series X/S erscheinen soll, ist das kein Nebendetail. Wenn Kämpfe keine klare Wucht vermitteln, kann selbst eine schöne und reaktive Welt im Alltag an Wirkung verlieren.

Genau darin liegt aber der Nutzen eines solchen Messeauftritts. Xbox hat nicht nur ein fertiges Bild verkauft, sondern Material gezeigt, an dem sich Erwartungen konkret festmachen lassen. Bei Fable geht es nun nicht mehr allein um die Rückkehr einer bekannten Reihe. Entscheidend wird sein, ob Wohnen, Beziehungen und die vielen Figuren in Bowerstone tatsächlich zusammen ein Spiel ergeben, das langfristig trägt.

Verlässliche Reihen brauchen trotzdem einen neuen Grund zur Freude

Bei Gears of War: E-Day ist die Lage fast umgekehrt. Die gezeigte Kampagnenpassage setzt auf das, was Fans von der Reihe kennen: Deckungswechsel, aktives Nachladen, Nahkämpfe und Locust-Horden. Mit Marcus Fenix und Dominic Santiago führt das Spiel außerdem zurück zu einem wichtigen Punkt der Seriengeschichte, dem Emergence Day.

Dass E-Day am 6. Oktober 2026 für PC und Xbox Series X/S erscheint, macht den Auftritt besonders bodenständig. Das Spiel scheint zu wissen, was es sein will, und will daran offenbar nicht unnötig rütteln. Ein etwas dynamischeres Deckungssystem kann dafür sorgen, dass sich die bekannte Formel frisch genug anfühlt.

Aber genau hier wird das Problem eines Messe-Line-ups sichtbar, das vor allem auf Sicherheit baut. Ein solides neues Gears kann für Serienfans sehr attraktiv sein. Es erzeugt nur nicht automatisch das Gefühl, dass gerade etwas Unerwartetes passiert. Wiedererkennbarkeit ist wichtig, doch sie ersetzt nicht den besonderen Funken, den eine Messe manchmal braucht.

Breite allein erzählt noch keine Geschichte

Die restliche Auswahl war durchaus vielseitig. Minecraft Dungeons 2 zeigte mit Brave Haven, Grubenwagen-Schnellreise und Änderungen bei Inventar sowie Builds vor allem eine verständliche Weiterentwicklung. Stranger Than Heaven setzte in seiner Demo auf ein ungewöhnliches Kampfsystem mit Schlägen über die Schultertasten. Daneben standen Spiele wie Alien Isolation 2, Alien Deathstorm, Crowsworn, Terrible Lizards und der weiterentwickelte Microsoft Flight Simulator 24.

Das ist eine bemerkenswerte Spannweite. Sie beweist, dass Xbox seinen Stand nicht nur als Bühne für wenige bekannte Marken genutzt hat. Doch aus Sicht der Besucher entsteht daraus eher ein gut sortierter Rundgang als eine starke gemeinsame Aussage. Ein Horror-Schleicher, ein Minecraft-Actionspiel und eine Flugsimulation müssen auch nicht künstlich zusammenpassen. Für einen Messeauftritt wäre es trotzdem hilfreich, wenn aus dieser Vielfalt klarer hervorginge, welches Spielerlebnis Xbox in den nächsten Jahren besonders prägen will.

Dass beim geplanten 6-gegen-6-Multiplayer von Call of Duty: Modern Warfare 4 in der beschriebenen Besuchszeit keine Mitspieler für ein Hands-on zusammenkamen, ist dabei nur eine kleine, aber auffällige Randnotiz. Selbst ein riesiger Name sorgt nicht automatisch für den Moment, der einem Stand eine eigene Energie gibt.

Xbox hat auf der Gamescom 2026 also vor allem gezeigt, dass es an Spielen nicht mangelt. Fable könnte zu einem wichtigen Aushängeschild werden, wenn seine Systeme über die schöne Stadt hinaus überzeugen. Gears of War: E-Day dürfte Fans genau die direkte Deckungs-Action geben, die sie erwarten. Der Auftritt macht Lust auf einzelne Spiele, aber weniger auf die Frage, was Xbox als Ganzes gerade neu erzählen möchte. Für eine Marke mit so vielen Reihen ist das eine verpasste Chance, keine schlechte Messe.

Weiter im Gespräch

Drei Stimmen. Ein gemeinsamer Spielstand.

REDEN WIR
ÜBER GAMES.

News mit Kontext, Tests mit Haltung und Geschichten aus ganz unterschiedlichen Spielwelten.

Alle Artikel